Porträt Traudi Siferlinger Stille, Musik und Menschen

22.11.2019

Schicksalsschläge in der Jugend stellten den Glauben der Fernsehmoderatorin Traudi Siferlinger auf die Probe. Was sie heute glaubt und was ihr wichtig ist.

Traudi Siferlinger ist seit ihrer Jugend mit der Volksmusik verbunden.
Traudi Siferlinger ist seit ihrer Jugend mit der Volksmusik verbunden. © Ralf Wilschewski

München – „Alles, was ich mache, ist eigentlich mit Musik verbunden.“ Traudi Siferlinger schmunzelt und nimmt einen Schluck von ihrem Cappuccino. Das Münchner Café, das sie für dieses Gespräch ausgewählt hat, ist klein und schlicht eingerichtet, es gibt nicht viele, dafür hochwertige Produkte. Das ist kein Zufall, ein bewusstes und nachhaltiges Konsumverhalten ist der Fernsehmoderatorin eine Herzensangelegenheit. „Ich achte sehr darauf, regional und fair einzukaufen und insgesamt umweltbewusst zu leben“, betont sie. „Mein letzter Urlaubsflug war im Jahr 1995.“

Die Faszination für Musik wurde Siferlinger gewissermaßen in die Wiege gelegt. Als viertes von fünf Kindern wuchs sie in Endorf auf. „Ich komme aus keiner reichen Familie, aber wir Kinder durften alle mindestens ein Instrument lernen.“ Neben der Musik war auch der Glaube in der Kindheit sehr prägend: „Wir sind jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Auch die katholischen Bräuche waren meinen Eltern sehr wichtig.“ In einer Familie mit so vielen Geschwistern lernte Traudi schon früh, für sich selber zu sorgen: Um sich ein paar Mark dazuzuverdienen, trug sie mit 13 Jahren daheim in Endorf jeden Freitag die Münchner Kirchenzeitung aus.

Musik als etwas Göttliches

Als eines Tages eine der älteren Schwestern zuhause ein Lied vor sich hinsang, stimmte ihr Bruder die zweite Stimme an. „Mein Vater hat zugehört und gesagt: ‚Des hört sich ja gar net schlecht an!‘“ Das war die Geburtsstunde der Gesangsgruppe „Geschwister Siferlinger“, die in Bayern und Österreich schnell große Bekanntheit erlangte. Die Fernsehmoderatorin denkt heute noch gerne an diese Zeit zurück. „Wir sind in die Schule gegangen, haben Hausaufgaben gemacht, danach waren wir draußen und haben bis zum Sechse-Läuten gespielt. Dann ist eine halbe Stunde gesungen worden, jeden Tag!“

Die Musik ist für die 53-Jährige etwas Göttliches, bekräftigt sie. In ihr kann sie Trost und Kraft finden. Der Trost spendenden Wirkung von Musik wurde sich Siferlinger schon im Alter von 14 Jahren bewusst, als ihr Vater an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstarb. „Eine psychologische Trauerbegleitung hat es nicht gegeben. Dafür gab es bei mir die Musik.“ Ein weiterer Schicksalsschlag traf Siferlinger sieben Jahre später, als ihre Mutter verstarb. Wieder folgte eine Zeit der Trauer, bis sich die zweitjüngste Tochter schließlich sagte: Ab jetzt lebe ich! „Das mache ich bis heute so“, erzählt Siferlinger. „Es gibt so viele schöne Dinge im Leben und auf diese Sonnenseiten des Lebens versuche ich mich zu konzentrieren.“

„Es geht mir immer ums Menschliche“

Siferlinger besuchte in Rosenheim das musische Ignaz-Günther-Gymnasium und absolvierte eine Hotelfachlehre, bevor sie am Richard-Strauss-Konservatorium in München sowie in Dresden Violine, Musikpädagogik und musikalische Früherziehung studierte. Während des Studiums widmete sie sich vor allem der klassischen Musik, stieg jedoch bereits in eine Band ein, mit der sie seit 25 Jahren internationale Volksmusik spielt. Ihre musikalischen Wurzeln in der traditionellen alpenländischen Volksmusik hat Siferlinger allerdings nie vergessen. In den 1990er Jahren trat der Bayerische Rundfunk an sie heran und fragte, ob sie Volksmusiksendungen im Hörfunk moderieren wolle. Später kamen Fernsehsendungen wie „Bei uns dahoam“ und „Musikanten ohne Stadel“ dazu. Bis heute ist sie im BR Fernsehen regelmäßig als Autorin von Filmen für „Zwischen Spessart und Karwendel“ sowie für „Schwaben und Altbayern“ tätig.

Besonders kommt ihr facettenreiches musikalisches Interesse in der von ihr vor 15 Jahren entwickelten und bis heute erfolgreichen Volksmusiksendung „Wirtschaftsmusikanten“ zum Ausdruck. „Es war uns von Anfang an ein Anliegen, über den Tellerrand hinauszuschauen und traditionelle Volksmusik mit neuer Volksmusik zu verbinden“, erklärt Siferlinger in Hinblick auf die Förderung junger Nachwuchskünstler. In ihrer Sendung liegt ihr eines ganz besonders am Herzen: „Es geht mir immer ums Menschliche. Ich will Jung und Alt, Familien und Singles und auch Menschen, die alleine zuhause sind, die Musik und die Freude ins Wohnzimmer bringen.“

„Die Kinder sind mir sehr wichtig“

Neben ihrer Arbeit beim Bayerischen Rundfunk gibt es in dem Leben der Musikerin eine zweite große berufliche Leidenschaft: das Unterrichten. Als Jodellehrerin wird sie immer wieder für Gruppenkurse und sogenannte Jodelwanderungen gebucht. Außerdem erteilt sie Geigenunterricht für Kinder und Jugendliche. Diese Tätigkeit geht für sie weit über das Einstudieren des Instruments hinaus. „Die Kinder sind mir sehr wichtig“, erzählt sie strahlend. „Sie brauchen es, so angenommen zu werden, wie sie sind. Ich begleite sie auf ihrem Weg.“ Nicht selten kommt es vor, dass ihre Schützlinge sich auch mit Sorgen und Problemen an sie wenden. Dabei muss sie immer wieder erschrocken feststellen, dass die jungen Menschen vor allem durch die immer wichtiger werdende digitale Welt stark belastet sind. „Die Kinder sind viel gestresster als früher. Das Handy beispielsweise kostet sie sehr viel Zeit und Energie.“

Siferlinger, die seit vielen Jahren in München lebt, gibt zu, dass auch ihr die Schnelllebigkeit unserer Zeit oft zu schaffen macht: „Ich finde, es wird alles immer hektischer und lauter. Da würde ich mir wünschen, dass sich das alles wieder ein bisschen entspannt.“ Kraft schöpfen kann sie in Momenten der Stille, zum Beispiel morgens bei einer Tasse Tee bei Kerzenlicht oder allein in einer Kirche. Auch nimmt sie sich immer wieder bewusst die Zeit, sich selbst etwas Gutes zu tun, gemeinsam mit ihrem Ehemann gesund und frisch zu kochen und Schönes zu genießen. Dazu gehört beispielsweise der sommerliche Urlaub mit viel Fahrrad- und Faltbootfahren. Eine weitere wichtige Energiequelle besteht für sie im Dialog mit Anderen. „Stille, Musik, Menschen, das ist mein Fluss. Das ist mein Leben“, fasst sie zusammen und lächelt.

Ein Licht im Glauben

Als junge Frau hatte sie nach dem Tod ihrer Eltern oft mit dem Glauben gehadert. Mit der Zeit erkannte sie jedoch für sich, dass Höhen und Tiefen gleichermaßen zum Leben dazugehören. Heute bezeichnet sie sich selbst als einen sehr gläubigen Menschen. „Ich glaube an eine höhere Kraft, daran, dass wir gut geführt und behütet werden. Ich bin mir ganz sicher: Ich habe einen persönlichen Schutzengel, und wenn es mir nicht gut geht, hilft mir der Glaube, immer wieder ein Licht zu sehen.“ (Katharina Zöpfl)

Nächster Sendetermin der „Wirtshausmusikanten“ ist am Sonntag, 24. November, um 20.15 Uhr im BR Fernsehen.


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