"BISS" quartiert Bedürftige in geerbtem Haus ein Straßenzeitung schafft Wohnungen

03.12.2020

Zwei ehemals Obdachlose und eine neunköpfige Familie aus Nigeria in einem Haus: Eine Spende an das Zeitungsprojekt "BISS" hat das ermöglicht.

Ein Verkäufer bietet eine BISS-Zeitschrift an
Für Bürger in sozialen Schwierigkeiten: Die Straßenzeitung "BISS" hat in einem geerbten Haus Wohnungen für elf Menschen geschaffen. © imago

München – Die Münchner Straßenzeitung "BISS" (Bürger in sozialen Schwierigkeiten) hat in einem geerbten Haus Wohnungen für elf Menschen geschaffen. In Hohenschäftlarn südlich der bayerischen Landeshauptstadt haben dadurch zwei ehemals obdachlose Zeitungsverkäufer und eine Familie aus Nigeria mit sieben Kindern ein neues Zuhause gefunden. Die Familie lebte vier Jahre in einer Flüchtlingsunterkunft in Höhenkirchen.

Beweggründe des Spenders unbekannt

In der Dezember-Ausgabe von "BISS" wird die Geschichte ausführlich erzählt. Der vor vier Jahren im Alter von 85 Jahren verstorbene Gönner namens Josef Fencl sei dem Trägerverein der Straßenzeitung unbekannt gewesen, heißt es dort. Seine Beweggründe für die Erbschaft weiß niemand. Fencl sei aber mit 14 Jahren aus dem Sudetenland vertrieben worden "und wusste vermutlich, was es heißt, keine Wohnung zu haben". Das Haus habe der gelernte Maurer für sich, seine Frau und seine behinderte Tochter gebaut. Beide seien vor ihm gestorben.       

"BISS"-Geschäftsführerin Karin Lohr würdigt den Beitrag vieler zum Gelingen des Projekts, vom Architekten über die Handwerker und die Bewohner bis zu den Nachbarn. Die hätten ihre neuen Bewohner herzlich aufgenommen. "Man grüßt sich auf der Straße und hält ein Schwätzchen über den Gartenzaun. Ich denke, wenn Herr Fencl runterschauen würde, würde er sich freuen, weil es so geworden ist, wie er sich das vorgestellt hat." (kna/hw)

Was ist "BISS"?

"BISS" steht für "Bürger in sozialen Schwierigkeiten" und ist ein Zeitungsprojekt zur Selbsthilfe für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen. Das BISS-Magazin existiert seit 1993 und hat nach eigenen Angaben eine verkaufte monatliche Auflage von 38.000 Exemplaren. Die über 100 Verkäuferinnen und Verkäufer sind im Sinne des Sozialgesetzbuches bedürftig, heißt es auf der Homepage. Vom Verkaufspreis, derzeit 2,20 Euro, behält - laut "BISS" - der Verkäufer die Hälfte.


Das könnte Sie auch interessieren

Andrang bei der Ausgabe der Päckchen im Jahr 2018
© Kiderle

Weihnachtsgeschenke für Obdachlose

Obdachlosen Menschen an Weihnachten eine Freude bereiten: An der Aktion der Abtei St. Bonifaz kann sich jeder beteiligen.

03.12.2020

Hände gleiten über ein Blatt mit Blindenschrift
© WavebreakmediaMicro - stock.adobe.com

Menschen mit Behinderung fördern

Am 3. Dezember ist Tag der Menschen mit Behinderung. In vielen Ländern werden sie immer noch diskriminiert. missio München will das ändern.

02.12.2020

Der erste eigene Imbisswagen der Caritas wurde nach dem Bistumspatron Korbinian benannt.
© SMB

Der Foodtruck ist zurück

Die Münchner Caritas startet mit der "Korbinian-Küche" am Karl-Stützel-Platz eine neue Essensausgabe für Obdachlose.

09.10.2020

Husnain Akbar ist bei BISS als Straßenverkäufer festangestellt.
© SMB/Matiss

Lebensunterhalt 50. Verkäufer bei BISS festangestellt

Das Münchner Straßenzeitungsprojekt „BISS“ hat mit Husnain Akbar ab 1. Dezember seinen 50. festangestellten Verkäufer. Er ist aus Libyen nach Deutschland geflohen.

23.11.2016

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren