Caritas Suchtberatung Studie will Alkoholprobleme im Alter erforschen

09.07.2014

Immer mehr ältere Menschen trinken zu viel Alkohol oder sind bereits abhängig. Laut dem Robert-Koch-Institut sind von einem riskanten Alkoholkonsum im Alter in Deutschland ein Drittel der Männer und fast jede fünfte Frau im Alter zwischen 65 und 79 Jahren betroffen. Eine Studie mit Beteiligung der Münchner Caritas will das Problem nun erforschen.

(Bild: Udo Kroener - Fotolia.com)

München - Eine internationale Studie will die Behandlung von älteren Menschen mit Alkoholproblemen erforschen. Für das von einer dänischen Stiftung über vier Jahre finanzierte Projekt arbeiten Suchtberatungsstellen der Caritas in Bayern, etwa die im Erzbistum München und Freising, das Institut für Therapieforschung (IFT) in München sowie Einrichtungen des Suchthilfeereins Prop zusammen. Gesucht werden derzeit noch Menschen, die über 60 Jahre alt sind und Probleme mit Alkohol haben. Sie können sich im Rahmen der Untersuchung einer kostenlosen Behandlung unterziehen.

In einem Studienzeitraum von 18 Monaten sollen in München und Südbayern insgesamt 200 Personen behandelt werden. Möglich sind je nach Ausgangslage eine Therapie von vier oder zwölf Wochen. Einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge sind von einem riskanten Alkoholkonsum im Alter in Deutschland ein Drittel der Männer und fast jede fünfte Frau zwischen 65 und 79 Jahren betroffen. Für dieses gesellschaftliche Problem gibt es laut Experten aber bisher keine ausreichenden und adäquaten Angebote.

Zu wenig Therapieangebote

Die Zahlen der Betroffenen nähmen zu, sagte Professor Gerhard Bühringer. Unter seiner Leitung haben Forscher am IFT und an der Technischen Universität Dresden eine neue Kurzzeitbehandlung entwickelt. Mit der Studie solle ein Beitrag zu einer wichtigen Versorgungslücke geschlossen werden. Bisher gebe es nämlich zu wenig Therapieangebote für die Betroffenen. Hilfen richteten sich zumeist an junge und noch berufstätige Personen, die wieder in den Arbeitsalltag zurückgeholt werden sollen. Doch Bühringer erinnerte daran, dass die Menschen heute durchaus länger berufstätig seien und etwa Auto fahren würden.

Bei den Behandlungen wird speziell auf die Probleme älterer Menschen eingegangen, wie es heißt. So könnten Gründe für die Flucht in den Alkohol etwa Schwierigkeiten mit dem Prozess des Alterns, ein verringertes Selbstwertgefühl nach dem Ende des Berufslebens oder Vereinsamung sowie der Verlust des Partners und von Freunden sein. Grundsätzlich aber gelte, dass die Alkoholproblematik in allen gesellschaftlichen Schichten auftrete. Doch die Scham, sich dies einzugestehen, sei groß, sagte Bühringer. (KNA)


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