Raumfahrt Suzanna Randall wird Astronautin

11.08.2018

Die Astrophysikerin will von der ISS aus auf die Erde schauen, statt von der Erde in die Sterne.

Suzanna Randall will die erste deutsche Frau im Weltraum sein.
Suzanna Randall will die erste deutsche Frau im Weltraum sein. © SMB/Strauß-Richters

Garching – Bisher schaut sie ins All hinaus. Mit einem Riesenteleskop, das irgendwo in Chile in der Wüste steht. Sie selbst sitzt in Garching in der ESO, der Europäischen Südsternwarte, und wertet die Daten und Bilder dort aus. Aber bald könnte ihr Kindheitstraum Wirklichkeit werden: Sie ist eine der beiden Frauen, die dafür trainiert, als erste deutsche Frau ins All zu fliegen. Nein, das ist kein Schreibfehler: Es gab tatsächlich noch keine deutsche Astronautin. Dabei waren zehn Prozent aller Menschen, die bisher im Weltraum waren, weiblich. Insgesamt waren schon elf deutsche Männer dort. Also ist rein statistisch eine Frau mehr als überfällig. Doch erst eine Privatinitiative rückt den Traum von Suzanna Randall in greifbare Nähe. Sie trainiert zusammen mit einer anderen Frau für einen Einsatz auf der ISS. Möglich macht das die Stiftung „Die Astronautin“, die aus mehr als 400 Bewerberinnen zwei Frauen ausgewählt hat.

Sie glaubt, dass es da draußen Leben gibt

„Am meisten freue ich mich darauf, auf die Erde hinunter zu blicken, einfach außerhalb der Erdatmosphäre zu sein und die Erdatmosphäre auch zu sehen. Die Astronauten sagen immer, dass ihnen erst dann bewusst wird, wie fragil unser Planet eigentlich ist“, erklärt die Astrophysikerin.

Wenn sie hinausschaut ins All, ist sie sich sicher, dass es dort draußen anderes Leben gibt. „Was ich nicht glaube, ist, dass wir damit in Kontakt treten werden.“ Denn je mehr sie forscht, umso deutlicher wird es, „wie schwierig es ist, die richtigen Bedingungen für Leben vorzufinden.“ Der Planet muss in einer Entfernung zu einem Stern sein, wo es weder zu heiß, noch zu kalt ist, der Stern muss außerdem stabil sein und es müssen äußere, große Planeten da sein, die Asteroiden abhalten. „Deshalb denke ich, bei den abermilliarden Galaxien, die es gibt, werden die Bedingungen schon auch noch irgendwo gegeben sein.“ Was sie nicht glaubt, ist, dass ein Gott, wie die Kirche ihn beschreibt, sich das alles ausgedacht hat. „Dazu bin ich zu sehr Wissenschaftlerin. Allerdings kann ich auch nicht ausschließen, dass es eine höhere Macht gibt.“

Training fürs All

Derzeit forscht die 38-jährige Frau erstmal nur mit einer 70-Prozent-Stelle weiter, damit sie genug Zeit zum Astronautentraining hat. Dazu gehört neben Raumfahrtechnik büffeln und in Parabelflügen die Schwerkraft kennen lernen, auch ein ganz normaler Flugschein. Denn egal, ob sie eine Rakete fliegt oder eine kleine Cessna, gefragt sind kognitive Fähigkeiten und 3D-Denken. Sie muss komplexe Systeme beherrschen und multitaskingfähig sein. Und man bekommt auch einen etwas anderen Blick auf die Erde: „Man sieht dann nicht mehr die Straße, in der man gerade steht, sondern die ganze Stadt. Und wenn man jeden Tag mit Menschen auf der ganzen Welt zu tun hat, dann sieht man nicht mehr nur das eigene Land, die eigene Kultur. Man stellt fest: was die Menschen antreibt, was sie sich wünschen, was sie hoffen, geht meistens in dieselbe Richtung.“

Suzanna Randall ist ab Montag zu hören in unserer Sendung "Hauptsache Mensch" im Münchner Kirchenradio.

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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