Reformprozess in der katholischen Kirche Synodaler Weg beginnt mit Gottesdienst und einer Demo

30.01.2020

Mit einem Gottesdienst hat die erste Synodalversammlung in Frankfurt begonnen. Vor dem Kaiserdom St. Bartholomäus haben Frauen für mehr Rechte in der Kirche demonstriert.

Frauen vor dem Frankfurter Dom, mit Plakaten in den Händen. Sie demonstrieren für mehr Rechte in der Kirche.
Frauen demonstrieren vor dem Frankfurter Dom für mehr Rechte in der Kirche.

Frankfurt – Mit einem feierlichen Gottesdienst im Frankfurter Dom hat am Donnerstagabend der Synodale Weg mit seiner inhaltlichen Arbeit begonnen. Vor dem Gotteshaus hat die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands zum Gebet und Lichterandacht aufgerufen. Rund 100 Katholikinnen darunter auch Anhänger der Bewegung Maria 2.0. demonstrierten für mehr Rechte in der Kirche. Die künftige Stellung von Frauen in der Kirche ist eines der vier zentralen Themen des Reformdialogs.

Synodaler Weg ist "geistliches Experiment"

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nannte in seiner Predigt den Synodalen Weg ein "geistliches Experiment". Anschließend ging der Erzbischof von München und Freising auf die vier zentralen Themen des Dialogs ein. Macht heiße für Christen, Autorität auszustrahlen, ohne über andere zu herrschen. Zur Rolle von Frauen in der katholischen Kirche sagte der Kardinal, diese hätten ebenso wie die Männer die Aufgabe, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden.

Das Priesterbild weiterentwickeln

Bei der Sexualmoral müsse sich die Kirche fragen, ob sie in der Vergangenheit angemessen darüber gesprochen oder die körperliche Liebe beispielsweise als "notwendiges Übel" betrachtet habe, so Marx. Schließlich gelte es, das Priesterbild weiterzuentwickeln. "Keiner von uns kann sich eine katholische Kirche vorstellen ohne die Priester."

Papst Franziskus habe dazu ermutigt, freimütig zu sein, sagte Marx weiter. "Nicht alle werden einer Meinung sein, aber wir sollten miteinander versuchen, um Einmütigkeit zu ringen", so der Kardinal.

Synodaler Weg - was ist das?

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich Weggemeinschaft; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien. Die Initiative, die es in dieser Form in der katholischen Kirche noch nie gab, ist auf zunächst zwei Jahre angelegt. Wie eine Synode hat auch der Synodale Weg einen beratenden Charakter. Das letzte Wort bei einer möglichen Umsetzung der Beschlüsse in ihrem Bistum haben die jeweiligen Ortsbischöfe. Das soll auch die Einheit mit der Weltkirche gewährleisten und einen nationalen Sonderweg verhindern. (kna)

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Umfrage unter den Demonstrantinnen: Warum sind Sie heute hier?

Der Synodale Weg wurde mit einem Gottesdienst eröffnet. (Bild: SMB/Sichla)

Beten und debattieren

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Thomas Sternberg, rief vor der Eucharistiefeier die Synodalen dazu auf, eine Gesprächskultur in geschwisterlichem Geist zu verwirklichen. „Wir wollen diskutieren, uns austauschen, debattieren. Dabei sollten wir einander nicht die Frömmigkeit absprechen“, so Sternberg.

Trotz einer verbreiteten Skepsis sprach der ZdK-Präsident von hohen Erwartungen an den Synodalen Weg. "Werden wir ihnen gerecht! Beweisen wir die Kraft zum gemeinsamen Handeln!" Mit Blick auf Kritiker, die vor einem Übergewicht an Strukturdebatten warnen, betonte Sternberg, der Synodale Weg sei auch ein geistlicher Prozess. "Andererseits weichen wir nicht notwendigen Debatten mit dem Hinweis auf den geistlichen Charakter aus: Man kann sehr gut gut beten und gut debattieren."

Bis Samstag diskutieren in Frankfurt rund 230 Bischöfe und Laien über die Zukunft des kirchlichen Lebens in Deutschland. Die Synodalversammlung ist das höchste Gremium des Synodalen Wegs. Mit der auf zwei Jahre angelegten Initiative wollen die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen wiedergewinnen. (kna/pm/kas)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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