Missbrauchsgutachten Synodaler Weg fordert Transparenz im Erzbistum Köln

04.02.2021

Die Erklärung mit dem Titel "Transparenz und Verantwortung" klagt den Umgang mit der Aufarbeitung früherer Missbrauchsfälle an.

Hände suchen in offenem Aktenschrank
Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki lehnt die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens weiterhin ab. © stokkete - stock.adobe.com

Bonn – Das Präsidium des kirchlichen Reformprojekts Synodaler Weg hat sich empört über die Vorgänge im Erzbistum Köln um die Aufarbeitung früherer Missbrauchsfälle geäußert. In einer am Donnerstag bekannt gewordenen Erklärung des Präsidiums heißt es dazu: "Die Vorgänge im Erzbistum Köln um die Bestellung, Nichtveröffentlichung und Neuvergabe von Gutachten haben dazu geführt, dass Viele am Willen kirchlicher Autoritäten zu vorbehaltloser Aufklärung zweifeln. Unabhängig von der Frage des guten Willens der Beteiligten, unabhängig von Absichten, Motiven und der Einschätzung einzelner Sachverhalte: Es sind erhebliche Irritationen entstanden und es ist ein Verlust an Vertrauen eingetreten, der nur schwer wieder behoben werden kann."

Dem Präsidium gehören unter anderem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, an. Der Synodale Weg tagt am Donnerstag und Freitag in einer Digitalkonferenz.

Strukturen der Vertuschung

Weiter heißt es in der Erklärung mit dem Titel "Transparenz und Verantwortung": "Rechtsverstöße, pflichtwidriges Verhalten und Verfahrensfehler müssen überall rechtskonform und ohne Ansehen der Person geahndet werden." Alle Leitungsverantwortlichen in der Kirche seien zu einer "umfassenden juristischen, historischen, ethischen und theologischen Aufarbeitung" der Missbrauchsfälle verpflichtet. Strukturen, die Vertuschung ermöglicht hätten, müssten aufgedeckt und beseitigt, die Namen der Verantwortlichen genannt, die Ergebnisse der Untersuchungen öffentlich gemacht werden.

Zu möglichen Rücktritten auch von Bischöfen schreibt das Präsidium: "Alle, die in der Kirche Leitung ausüben, müssen die Konsequenzen tragen und sie gegebenenfalls auch selbst ziehen, wenn sie im Umgang mit Missbrauch Recht gebrochen, Pflichten verletzt oder gravierende Fehlentscheidungen getroffen haben. Dabei kann auch ein Rücktritt kein Tabu sein." Die Verantwortlichen müssten sich an den "rechtlichen, kirchenrechtlichen, moralischen und geistlichen Ansprüchen messen lassen, die mit ihren Ämtern verbunden sind".

Vertrauen verspielt

Das Erzbistum Köln ist in den vergangenen Wochen in eine schwere Krise geraten, nachdem Erzbischof Rainer Maria Woelki ein Gutachten über den Umgang kirchlicher Leitungspersonen mit Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche nicht veröffentlicht hat. Kritiker werfen dem Kardinal vor, er habe damit eine unabhängige Aufarbeitung behindert, außerdem habe er selbst in einem konkreten Fall einen Missbrauchsverdacht nicht nach Rom gemeldet.

Woelki hat am Donnerstag in einem Zeitungsinterview erstmals eingeräumt, Fehler gemacht und Vertrauen verspielt zu haben. Eine Veröffentlichung des Gutachtens lehnte er jedoch unter Verweis auf juristische Bedenken weiterhin ab. Eine neue, umfassende Studie werde am 18. März veröffentlicht. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg Kirche und Missbrauch

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