Reformprozess Synodaler Weg hält andere Machtstrukturen in Kirche für sinnvoll

01.10.2021

Gewaltenteilung, mehr Mitsprache der Basis, Zulassung von Frauen zu Weiheämtern – ein Grundsatzpapier favorisiert eine neue Ordnung der Machtstrukturen. In Frankfurt wurde nun debattiert.

Blick in den Sitzungssaal im Congress Center der Frankfurter Messe während der zweiten Synodalversammlung am 1. Oktober 2021 in Frankfurt.
Blick in den Sitzungssaal: Hier wurde über das Grundsatzpapier des Forums "Macht und Gewaltenteilung" diskutiert. © kna

Frankfurt – Ein mehr als 40-seitiges Grundsatzpapier des Forums „Macht und Gewaltenteilung“ favorisiert eine neue Ordnung der Machtstrukturen. Die in München lebende Schwester Maria Stadler ist für die Deutsche Ordensobernkonferenz beim Synodalen Weg. Als Mitglied des Forums hat sie an dem Text mitgewirkt: „Wir trauen uns neue Wege zu gehen.“ In dem Papier ist von Gewaltenteilung auf allen Ebenen, mehr Mitsprache der Basis bei der Berufung von Amtsträgern und die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern die Rede. Auch der Zölibat, die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern, gehört demnach auf die Tagesordnung; Ämter dürfen nur auf Zeit vergeben werden.

Macht kontrollieren und begrenzen

Weiter heißt es, die angestrebte Reform sei "kein Manöver zeitgeistiger Anpassung", sondern eine Folge des Missbrauchsskandals. Dienste, Ämter, Rollen und Zuständigkeiten in der Kirche seien aktuell nicht genügend an Kompetenzen und Qualifikationen gebunden. Eine synodale Mitberatung dürfe grundsätzlich nicht auf "unverbindliche Anhörungen oder Beratungen" beschränkt bleiben.

Eine "angemessene Gewaltenteilung" muss demnach zwischen Exekutive, Legislative und Judikative trennen, um Macht zu kontrollieren und zu begrenzen. Dazu müsse das Kirchenrecht weiterentwickelt werden. Notwendig seien "checks and balances", unabhängige Gerichte, Rechenschaftspflichten und effektive Kontrollen derer, die entschieden. Erinnert wird daran, dass die Kirche bereits jetzt demokratische Elemente praktiziere - etwa bei der Wahl von Päpsten, Äbten und Äbtissinnen in Klöstern.

Alternative Texte wurden vorgelegt

Eine Gruppe Synodaler um den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer legte ein alternatives Papier vor. Darin werden auch mehr Transparenz und Neuerungen verlangt - aber ohne grundsätzliche Änderungen in Lehre und Praxis, denn die Missbrauchskrise könne nicht durch eine Relativierung von Grundüberzeugungen bewältigt werden. Wenn Hoffnungen geweckt würden, Mehrheitsvoten einer Synodalversammlung könnten zur Änderung der Kirchenlehre führen, drohe "mehr kräftezehrende Frustration", die "seit Jahrzehnten mit dem Kampf um radikale Reformen" verbunden sei. Es gelte den Irrtum zu vermeiden, "dass Menschen eine neue, bessere Kirche an die Stelle der alten setzen könnten". Dies wäre eine Selbstüberschätzung.

Synodaler Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien. In ihrem Reformdialog auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Ausgangspunkt ist eine jahrelangen Kirchenkrise, die der Missbrauchs-Skandal verschärft hat.Oberstes Organ des Synodalen Wegs ist die Synodalversammlung. Sie zählt 230 Mitglieder, die für eine möglichst große Bandbreite kirchlichen Lebens stehen sollen. Schwerpunktthemen des Reformdialogs sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche. (kna)

Eine Abstimmung darüber, den vorgelegten Text durch die alternative Fassung zu ersetzen, endete mit einem klaren Ergebnis: Rund vier Fünftel sprachen sich für die Vorlage aus, ein knappes Fünftel machte sich für die konservative Version stark. Zum Ende stimmten 164 Teilnehmer dafür, die Vorlage als Ausgangspunkt weiterer Beratungen anzusehen; dagegen waren 30 Mitglieder. Unter den nicht-männlichen Teilnehmern lag die Zustimmungsquote noch einmal höher: Von 63 Abstimmenden lehnten nur 3 das Papier ab, 2 enthielten sich. Schwester Maria Stadler erlebt die Arbeit in dem Forum bisher als "gut, professionell und wertschätzend". Sie hofft, dass beim nächsten Treffen des Forums alle anwesend sind. Dann solle Raum und Zeit gefunden und geschaffen werden, um über das Geschehene zu diskutieren und sich anzuhören, sagte sie gegenüber „mk online“.

Bis Samstag beraten die 212 in Frankfurt anwesenden Synodalen auch über die Themen Zölibat, Sexualmoral und über die Rolle der Frauen in der Kirche. In 16 Papieren geht es teilweise um sehr weitreichende Änderungen. Bei zentralen Punkten müsste allerdings der Vatikan zustimmen. Die aktuellen Beratungen führen nicht zu Beschlüssen, sondern lediglich als grundsätzliche Richtungsanzeige. (kna/kas)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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