Digitalisierung Tablet und Co an Erzbischöflichen Schulen

31.10.2018

Tablets sollen an Schulen Standard werden. Über ihren Nutzen gehen die Meinungen aber auseinander. Auch am Sankt Irmengard Gymnasium im Garmisch macht man sich Gedanken über den richtigen Einsatz.

Gymnasialdirektor Otmar Würl
Gymnasialdirektor Otmar Würl © SMB/Hasel

Garmisch - Was zurzeit noch eher unscheinbar auf dem Schreibtisch von Gymnasialdirektor Otmar Würl liegt, könnte schon bald das Lernverhalten der Schülerinnen am Erzbischöflichen Sankt-Irmengard-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen (Dekanat Werdenfels) revolutionieren. Das Tablet als digitales Lese- und Schreibgerät werde sicher kommen, sagt Würl und greift dabei nach seinem Tablet. Die Frage ist nur, wie es dann im Unterricht eingesetzt wird. Bestimmen darf das jede Schule selber. Bis Schuljahresende muss jede weiterführende staatliche Schule in Bayern ein Digitalisierungs-Konzept erstellt haben. Die Schulen in der Trägerschaft des Erzbistums München und Freising haben sich diesem Prozedere angeschlossen. Man plane sogar, schon bis Ende 2018 ein eigenes Digitalisierungskonzept vorzulegen, erklärt Ralf Grillmayer, der im Münchner Ordinariat Hauptabteilungsleiter für die Erzbischöflichen Schulen ist. Als Ideengeber dient dabei das Sankt-Irmengard-Gymnasium. Denn hier herrschen zurzeit ideale Voraussetzungen für eine konsequente Digitalisierung der Lehrmittel. „Die Schule wird gerade generalsaniert, dementsprechend wird ohne Verbote in alle Richtungen gedacht“, erklärt Würl. Das Digitalisierungs-Papier, an dem alle Lehrer mitgewirkt haben, ist fast fertig.

Digitale Hilfsmittel sollen den Menschen nicht ersetzen

Es sieht vor, dass alle Schülerinnen mit einem Tablet ausgestattet werden, das nicht nur als Buchersatz dient. Den Lehrern schwebt vor, dass es, möglichst im DIN-A4-Format, auch als Heft eingesetzt wird. Für die Schülerinnen bliebe damit die Handschrift erhalten, sie benutzten das Tablet einfach so, wie sie früher ins Heft geschrieben haben. Und auch die Lehrer würden mit Hilfe eines interaktiven Beamers die Unterrichtsinhalte an die Tafel schreiben. Wichtig ist für Würl, dass Tablet und Beamer den Menschen nicht ersetzen. Lehrer und Schülerinnen sollen auch im digitalen Zeitalter zusammenarbeiten und sich austauschen. Lernprogramme auf dem Tablet unterstützten sie dabei. Wenn die Schülerinnen zum Beispiel eine Mathematikaufgabe am Rechner bearbeiten, korrigiert dieser die Aufgabe und meldet ihnen auch, wie sie die Fehler, die sie vielleicht gemacht haben, in Zukunft vermeiden können. Die Lehrer wiederum könnten mit Hilfe des Programms sehen, wo für die Schülerinnen bei der Aufgabe Schwierigkeiten aufgetaucht sind. Und genau da setzten sie dann wieder mit ihrem Unterricht an.

Unterricht auch ohne Tablet

Entscheidend ist für Direktor Würl das rechte Maß im Umgang mit den Tablets. „Wir wollen nicht zu Beginn jeder Stunde das Tablet einschalten und am Ende wieder ausschalten.“ Vielmehr stelle man sich Nutzungssequenzen von etwa zehn bis 15 Minuten vor, dann müssten sie wieder ausgeschaltet werden. In Zukunft soll es aber immer noch Unterrichtsstunden geben, in denen das Tablet überhaupt nicht zum Einsatz kommt. Denn für den Direktor des Mädchengymnasiums ist vor allem eines klar: Schule soll auch unter Einsatz von digitalen Hilfsmitteln in erster Linie eine Beziehung zwischen Lehrern und Schülern bleiben. „Wir werden vermehrt digitale Medien nutzen, die Schule an und für sich wird nicht digital werden“, ist sich Würl sicher.

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Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
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