Verein Ettaler Missbrauchsopfer Täter aus Kirche ausschließen

25.02.2019

Für Robert Köhler, Vorstand des Vereins der Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer, ist der Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan enttäuschend verlaufen. Angesichts der Langsamkeit bei der Aufarbeitung drohe der Kirche der Zusammenbruch.

Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan
Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan © Cristian Gennari/Romano Siciliani/kna

München – „Die Mühlen der Kirche mahlen sehr langsam“, so das Fazit von Robert Köhler zum viertägigen Anti-Missbrauchsgipfel der katholischen Kirche. Der Vorstand des Vereins der Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer wies im Interview mit mk online darauf hin, dass Papst Franziskus erst jetzt – 19 Jahre nach den ersten großen Missbrauchsskandalen in den USA – davon spreche, Best- Practices-Beispiele zum Kinderschutz aus anderen Institutionen zu übernehmen. „Es sind einfach nur langsame Schritte in einem Prozess. Und meine Sorge ist: die Kirche kollabiert, bevor sie mit diesem Prozess am Ende ist“, sagte Köhler.

Der Sprecher der Ettaler Missbrauchsopfer fordert, das Kirchenrecht so anzupassen, dass Missbrauchstäter automatisch aus der Kirche ausgeschlossen werden. Zudem sollten kirchliche Verantwortungsträger, die nicht für Aufklärung einträten, aus ihren Ämtern entfernt werden. „Diese Leute haben meiner Meinung nach keine gültigen Weihen. Denn es kann nicht im christlichen Sinne sein, dass sie sich so verhalten.“

Von der Kirche müssten konkrete Signale ausgehen, so eine Forderung Köhlers. Straßen die nach Tätern benannt sind, sollte man umbenennen, Verdienstmedaillen sollten ihnen aberkannt werden. „Das soll keine Hexenjagd sein, aber es braucht sichtbare Zeichen – und zwar nicht im stillen Kämmerchen und ohne dass es jemand erfährt.“

Von den deutschen Bischöfen wünscht sich Köhler, dass sie die Worte des Papstes umsetzen, „dass man zuhört, nichts bagatellisiert. Da müsste sich jetzt richtig was tun“. (ksc/ly)

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