Vergessener Schauplatz der Reformation Täuferbewegung im Brucker Land

30.10.2017

Verfolgung und Unterdrückung – damit reagierte zur Reformationszeit auch die weltliche Obrigkeit auf neue Glaubensbewegungen. Im 1526 fand im Brucker Land eine kleine Gemeinschaft zusammen, die nach den Ideen der Wiedertäufer leben wollte. Sie wurden schnell und heftig unterdrückt, 20 Menschen wurden hingerichtet. Kreisheimatpfleger Toni Drexler hat deren Geschichte erforscht.

Toni Drexler erinnert am Täuferbrunnen an die Verfolgungen im Brucker Land © SMB/Hafner

Ein radikal reformiertes Christentum schwebte den Täufern vor, erklärt der Heimatforscher: „Sie lehnten jegliche staatliche Gewalt ab und waren sehr sozial eingestellt. Sie bildeten fast so etwas wie Gütergemeinschaften lehnten den Wehrdienst ab.“ Was die Religion betraf, so orientierten die Täufer sich an den urchristlichen Gemeinden, gemeinsames Gebet und Bibellektüre standen im Vordergrund.
Die soziale Sprengkraft der Täuferbewegung rief schnell den Bayernherzog auf den Plan. „Das frühe Täufertum im 16. Jahrhundert entstand aus Protest gegen die gesellschaftlichen Missstände und auch aus Enttäuschung über die Reformation nach Luther und Zwingli“, weiß Drexler. Ins Brucker Land kamen diese Ideen über die nahegelegene Handelsstadt Augsburg. Ausgangpunkt der Bewegung war Zürich, von dort erreichte die Bewegung ab 1525 auch Reichsstädte wie Augsburg.

Begnadigung zum Tod durch das Schwert

Sie kamen gar nicht erst dazu, Gebetsräume zu errichten, betont Toni Drexler, denn der Staat, nicht die Kirche, reagierte auf die neue Glaubensbewegung mit rigoroser Unterdrückung: „Es wurde gleich massiv vorgegangen. Man hat neun Personen inhaftiert und nach Landsberg geschafft. Ihnen wurde der Prozess gemacht. Man hat dann versucht, dass sie widerrufen und das haben sie.“ Damit, so Drexler war eine „Begnadigung“ verbunden: “Sie wurden zum Tod durch das Schwert begnadigt, sonst wären sie als Ketzer verbrannt worden.“

Hinter der Verfolgung stand der bayerische Herzog Wilhelm IV. Er fürchtete die soziale Sprengkraft der radikalen Ideen der Täuferbewegung. Denn Zufall war es keiner, dass diese Ideen ausgerechnet in Dörfern wie Hörbach, Hegnenberg, Jesenwang oder Dünzelbach auf fruchtbaren Boden fielen. Hier lebten viele Leinweber. Anders als die anderen Handwerker arbeiteten die Weber im Verlagssystem. Die Preise für ihr Produkt waren niedrig, die Arbeitsbedingungen schlecht.

Anfang 1527 wurden die ersten Anhänger der Täufer festgenommen. Danach folgten mehrere Wellen von Verhaftungen und Hinrichtungen. „Man geht davon aus, dass in diesem Gebiet etwa 20 Personen hingerichtet worden“, hat Drexler erforscht. Ab Mitte 1528, war die Bewegung unterdrückt.

Überwachung folgt auf Unterdrückung

In der Regel kamen die Täufer aus der ärmsten Bevölkerungsschicht, einige Handwerker und Bauern waren darunter, aber auch die adligen Brüder Augustin und Christoph Perwanger, begüterte Hofmarksherrn aus Schloß Günzlhofen. Christoph Perwanger radikalisierte sich durch einen Konflikt mit dem Bischof um die Schulbildung im Ort. Der Herzog ließ auch die beiden adligen Brüder köpfen. „Das hatte ein Echo in ganz Bayern, dass der Herzog eben keine Rücksicht nimmt auf adlige Stellung“, betont der Heimatpfleger.

Die Namen der Täufer kennt man nur aus den Gerichtsakten, doch die Unterdrückung der Bewegung hinterließ Spuren. Die beiden aufrührerischsten Pfarreien wurden zusammengelegt, ein gebildeter Pfarrer eingesetzt und ein prächtiger Pfarrhof in Hochdorf errichtet, den es noch gibt. In der nahegelegenen Hofmark Hofhegnenberg setzte der Herzog seinen unehelichen Sohn ein, der nannte sich „Georg von Hegnenberg Dux“ und errichtete dort ein Renaissanceschloss. „Das war ein herzoglicher Außenposten zur Überwachung der Untertanen“, erläutert Toni Drexler. Zur Erinnerung an die hingerichteten Täufer aus seinem Heimatdorf stiftete er einen Brunnen bei der Hörbacher Kirche samt Gedenktafel.


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