Ostern in Bernried Tage des gemeinsamen Lebens

12.04.2017

Die Missions-Benediktinerinnen in Bernried feiern Ostern zusammen mit ihren Gästen. Wie die Feiertage in dem Kloster am Starnberger See ablaufen, lesen Sie hier.

Schwester Helga Gabriela Haack bereitet die Klosterkapelle vor © Altmann

Bernried – Allmählich treffen die ersten Gäste ein. Es ist Mittwoch der Karwoche. Im Kloster Bernried herrscht gespannte Erwartung. Bis zum Abend des Gründonnerstags füllt sich das Haus bis auf das letzte Bett. Rund 70 Gäste verbringen die Ostertage mit den Missions-Benediktinerinnen am Starnberger See. Einige von ihnen reisen von weither an – aus Berlin, Köln, Norddeutschland, Innsbruck beispielsweise – und manche kommen seit vielen Jahren. Die Ostertage in Bernried sind eben etwas Besonderes.

„Seit Jahrzehnten ist es uns Schwestern ein Anliegen, mit den Gästen die Kar- und Osterliturgie zu feiern. Als Missions-Benediktinerinnen ist es für uns selbstverständlich, die Botschaft Christi nach außen zu tragen. Dies sind Tage des gemeinsamen Lebens“, sagt Schwester Helga Gabriela Haack. Die kommunikative, freundliche Berlinerin gehört zu den drei Schwestern, die in diesen Tagen jeweils gemeinsam mit einem weiteren Bildungsreferenten die drei Gruppen im Haus leiten.

Zu einer gehören die Gäste, die bereits am Mittwoch angereist sind, zur zweiten diejenigen, die donnerstags kommen. Die Teilnehmer der dritten Gruppe verbringen die Tage bis zur Auferstehungsfeier im Schweigen. In diesem Jahr widmen sich alle drei Kurse dem Thema „Unsere Hoffnung hat einen Namen“.

Schwestern wachen die ganze Nacht

Am Nachmittag des Gründonnerstags treffen die letzten Gäste ein. Es ist voll geworden im Kloster Bernried. Dennoch ist es nicht laut, es herrscht eine ruhige, freudige Erwartung. Um 17.45 Uhr kommen die 17 im Haus lebenden Schwestern mit den Gästen im großen Festsaal zum Agape-Essen zusammen. Die Tische im herrlichen barocken Raum sind festlich eingedeckt. Einzelne Gäste übernehmen die Tischdienste. „Unsere Gäste sind nicht in Zuschauer-Haltung, sondern an allen Tagen in das Geschehen aktiv mit einbezogen“, erläutert Schwester Helga Gabriela. Das gemeinsame Mahl besteht unter anderem aus Brotfladen, Lamm und Bitterkräutern, die an die Bitterkeit beim Auszug der Juden aus Ägypten erinnern sollen. „Als Geschwister der Juden möchten wir damit unsere Gemeinsamkeiten ins Gedächtnis rufen“, erklärt Schwester Mechthild Hommel, eine der drei Teamleiterinnen.

Es ist 19.30 Uhr am Gründonnerstagabend. Alle haben sich in der Klosterkapelle versammelt, um gemeinsam den Abendmahlsgottesdienst zu feiern. Die Vorbereitung der Gründonnerstagsliturgie haben ebenfalls Gäste übernommen. Unter Begleitung von Gesang und zwei Kerzen tragenden Schwestern wird das Allerheiligste zur Anbetung in einen Raum im Klausurbereich getragen. Mit diesem Moment setzen die Stille und das allgemeine Schweigen im ganzen Haus ein. Jeder ist im Verlauf der nächsten Stunden zur Anbetung geladen, Schwestern wachen die ganze Nacht.

Um 7 Uhr am Karfreitag beginnen die Trauermetten. Das Schweigen wird bis zum Ende dieses Tages nicht gebrochen. Wer möchte, kann in den nächsten Stunden seine eigene Osterkerze gestalten. Ab 15 Uhr wird die Karfreitagsliturgie in der Klosterkapelle gefeiert. Nach diesem Tag der Trauer und Besinnung ziehen sich Gäste und Schwestern nach dem Abendessen früh zurück.

„Es beginnt, etwas kribbelig zu werden“

Auch der Karsamstag, der Tag der Grabesruhe, beginnt am Morgen mit einer Trauermette. Nach wie vor ist es sehr still im Haus. Im Verlauf des Nachmittags wird es jedoch lebhafter. Die Vorfreude auf das Fest der Auferstehung macht sich breit. „Es beginnt, etwas kribbelig zu werden“, beschreibt Schwester Helga Gabriela die Atmosphäre. An vielen Stellen im Haus sind Schwestern mit Helfern dabei, den Osterschmuck anzubringen. Aus einzelnen Räumen klingt Musik: Musikstücke für den Festgottesdienst werden zum letzten Mal geübt. Draußen im Park des Klosters sammeln Gäste Holz und stapeln es für das Osterfeuer zusammen. Und in der Küche ist man schon eifrig mit den Vorbereitungen für das Ostermahl beschäftigt. Um 20 Uhr beginnt die Ostervigil mit sechs alttestamentlichen Lesungen. Danach versinkt das Haus wieder in Schweigen.

Schweigend trifft sich die Gemeinde auch vor Anbruch der Dämmerung um 5.15 Uhr am Sonntagmorgen im Park des Klosters. Es herrscht eine freudige, ergreifende Stimmung, als das Osterfeuer zu brennen anfängt und Schwester Lilian Ruth die selbst gestaltete Osterkerze entzündet. In drei Stationen ziehen alle gemeinsam in die Klosterkapelle ein. Dort wird das Licht der Osterkerze an jeden ausgeteilt. „Wir feiern gemeinsam den von Teilnehmenden mitgestalteten Gottesdienst – mit großem Gloria und Halleluja aus allen Kehlen, mit viel Gesang und zum Teil auch mit Tanz.“ Die tiefe Ergriffenheit ist bei Schwester Helga Gabriela deutlich zu spüren.

Diese Stimmung wird weitergetragen in den großen Barocksaal. An festlich mit Ostereiern, Blumen, Osterfladen und Kerzen gedeckten Tischen nimmt die ganze Gemeinschaft das Osterfrühstück ein. Zum Mittagstisch gibt es zur Feier des Tages ausnahmsweise Wein. Dieser österliche Festtag endet am Abend mit einer großen Feier, mit Liedern, Tänzen und Geschichten.

Nach dem Gottesdienst am Ostermontag finden die letzten Gruppentreffen statt. Die Frage, was ihnen in diesen Tagen besonders gutgetan hat, ist für die meisten Gäste leicht zu beantworten, denn die Gestaltung der Ostertage im Kloster Bernried hält für jeden Teilnehmenden wichtige Impulse bereit. So heißt es beim Abschiednehmen am frühen Nachmittag für viele: „Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Jahr!“ (Petra Altmann)


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