Jugendspiritualität in Coronazeiten Taizé am Schliersee

03.08.2020

Am ersten Augustwochenende haben Jugendstellen aus dem Erzbistum München und Freising zu einem besonderen spirituellen Treffen eingeladen.

Spirituelle Nähe mit Abstand und ein Gefühl wie in Taizé: spirituelles Jugendtreffen im Zeichen von Corona am Schliersee.
Gemeinschaft mit Abstand und ein Gefühl wie in Taizé: spirituelles Jugendtreffen im Zeichen von Corona am Schliersee. © SMB/Kiderle

Josefstal/Schliersee – Von einer CD erklingen die Glocken von Taizé und sie rufen 30 junge Menschen am Abend zusammen. Mit dem üblichen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern und bei offenen Fenstern und Türen treffen sie sie sich im Pfarrsaal auf dem Gelände des Jugendhauses Josefstal. Sie tragen Kerzen vor die Kreuzikone, die Jugendliche nach dem Vorbild des Originals in Taizé gestalten haben, singen die einfachen und eindringlichen Lieder und beten miteinander. Zuvor haben sie miteinander Bibelstellen gelesen und gedeutet, ihre Sorgen auf Steine geschrieben und in den Schliersee geworfen. Ein Programm, wie in der ökumenischen Klostergemeinschaft im Burgund. Jedes Jahr kommen zehntausende junge Menschen dorthin.  

Sehnsucht nach persönlichen Begegnungen

Doch in diesem Jahr fallen die Fahrten wegen Corona aus. „Wir haben festgestellt, dass aber gerade nach den ganzen Online-Angeboten die Jugendlichen nach analogen, persönlichen Begegnungen dürsten“, sagt Sabine Pandey von der katholischen Jugendstelle in Traunstein. Sie chartert sonst jeden Sommer einen Bus nach Taizé. Genauso wie ihre Kolleginnen und Kollegen in München-Trudering, Miesbach, und im Berchtesgadener Land. Um wenigstens einen kleinen Ausgleich zu schaffen, haben sie gemeinsam ein Wochenende in dem kirchlichen Jugendhaus am Schliersee auf die Beine gestellt. Nach dem Motto: Wenn wir nicht nach Taizé können, dann kommt Taizé eben zu uns. In vielen Videokonferenzen haben sie das Programm auf die Hygienevorschriften abgestimmt, auf deren Einhaltung das Erzbistum München und Freising genau achtet.

Zelte, Mundschutz und Desinfektionsmittel

Die Teilnehmer können nicht die Gästezimmer nutzen, sondern müssen Zelte aufstellen. Im Pfarrheim und beim Essen müssen sie feste Plätze einnehmen, wird gezeichnet oder geschrieben hat jeder seinen eigenen Stift, der regelmäßig desinfiziert wird, und auf den Wegen im Haus ist ein Mund- Nasenschutz vorgeschrieben. Zum ersten Mal nach rund fünf Monaten darf das Personal wieder Gäste bewirten. „Wir haben uns so gefreut, dass endlich wieder ein bisschen Leben im Haus ist“, erzählt Küchenchefin Patricia Haberkorn und strahlt übers ganze Gesicht. Sie hat extra nach den einfachen Rezepten von Taizé gekocht. Dort ist es üblich, das für jeden Gast nur ein Löffel neben dem Teller liegt.

Mahlzeiten auf dem Fußboden

Auch in Josefstal verzichtet die Gruppe auf Messer und Gabel und einige nehmen die Mahlzeiten im Speisesaal auf dem Boden sitzend ein, wie in Taizé. Das lässt sich auch am Schliersee einrichten. Der Spüldienst fällt dagegen wegen der Hygienevorschriften aus, den Matthias Budenheim schon oft in der französischen Klostergemeinschaft übernommen hat. Schon acht Mal war der 20jährige Student in Taizé. „Das Original lässt sich niemals ersetzen“, sagt er, als er auf einer Bank vor seinem Zelt sitzt. „Dort hat die Bruderschaft eben ihren Sitz, die Menschen kommen aus den verschiedensten Ländern und der Gesang von tausend Menschen ist doch etwas Anderes als von 30.“  Trotzdem hat er sich der Student sofort für das Treffen am Schliersee angemeldet, um nach den turbulenten Corona-Monaten wieder etwas Besinnung zu finden. So wie Paula Germeier. Zunächst dachte die 18jährige Auszubildende, „es ist doch ein bisserl ein Witz, dass man Taizé an den Schliersee holen will“.

Atem holen und ausbremsen

Dann wollte sie es aber doch ausprobieren, „weil ich zurzeit etwas mehr Stress habe und Atem holen und ausbremsen muss.“ Innehalten und mit anderen jungen Leuten beten, darum ist sie hier. Und das ist bei einem Spaßurlaub oder einer Freizeitfahrt eben nicht zu haben. Auch der jüngsten Teilnehmerin steht nach so etwas zurzeit überhaupt nicht der Sinn. Johanna Wieser ist 15 und wollte unbedingt mitfahren: „Wenn man weiß, wie viel Unfrieden wegen Corona in der Welt herrscht und dann Gemeinschaft zu erleben, das ist sehr bewegend.“ Dann macht sie sich auf den Weg, um beim gemeinsamen Beten und Singen diese spirituelle Nähe zu erleben, auch wenn dabei der Corona-Mindestabstand einzuhalten ist.

Audio

Radiobeitrag im MÜnchner Kirchenradio zu Taizé am See.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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