Ausstellung „Expedition Bibel“ Tasten, riechen, schmecken

20.01.2017

Die Bibel mit allen Sinnen erfahren - das ermöglicht die Ausstellung „Expedition Bibel“. Wie das geht, erläutert Gehörlosenseelsorgerin Angelika Sterr hier.

Die Schau „Expedition Bibel“ richtet sich gleichermaßen an Menschen mit und ohne Behinderung © Bibelwerk Linz

 

München – Angelika Sterr ist sehr zufrieden. „Drei Jahre lang haben wir das Sonntagsevangelium zusammen mit dem Sankt Michaelsbund in Gebärdensprache gefilmt und im Internet veröffentlicht. Nun sind wir durch die Lesejahre durch. Das wollen wir feiern“, erklärt die 57-jährige Gemeindereferentin, die zusammen mit ihrem Kollegen Peter Glaser für die Seelsorge für Hörgeschädigte und Taubblinde in der Erzdiözese zuständig ist.

Natürlich soll diese Feier auch etwas mit der Bibel zu tun haben. Deshalb hat Sterr die Ausstellung „Expedition Bibel – Eine Entdeckungsreise mit allen Sinnen“ nach München geholt. Sie wurde vom Bibelwerk der Diözese Linz konzipiert und bereits von 750.000 Besuchern an verschiedenen Orten besucht. Vom 21. Januar bis 5. Februar ist sie nun in der Karmeliterkirche in der Münchner Innenstadt zu sehen.

„Es gibt dabei viele Mitmach-Elemente. Durch Gewürze, Hölzer und Gegenstände aus dem Orient werden alle Sinne angesprochen“, berichtet Sterr. Deshalb sei die Schau gut für alle Menschen geeignet, ob mit oder ohne Sinnesbeeinträchtigung. Gerade Hörbehinderte finden sich im Rahmenprogramm der Ausstellung wieder. So gibt es gleich am Eröffnungstag ab 10 Uhr Workshops mit Referenten, die selbst taub sind. Darunter ist Kilian Knörzer, der als staatlich geprüfter Gebärdendolmetscher das Sonntagsevangelium gebärdet hat. Anschließend hält Weihbischof Bernhard Haßlberger um 15 Uhr einen Vortrag zum Thema „Bibel und Liturgie“, der von Gebärdendolmetschern „übersetzt“ wird. Danach feiert er um 17 Uhr einen Festgottesdienst.

Veranstaltungen zum Mitmachen

„Die Bibel darf auch schmecken. Deshalb gibt es bei der Ausstellung Kleinigkeiten zu essen“, ergänzt Sterr. Ob gefüllte Datteln oder pikantere Speisen – der kulturelle Zugang zum Buch der Bücher erschließt sich auch über den Geschmack. Das Rahmenprogramm bietet nicht nur Vorträge, Meditationen oder Gottesdienste, sondern ebenso Veranstaltungen, die zum Mitmachen ermuntern: Bibelarbeiten, offenes Singen oder gemeinsames Kochen und Backen. An den Vormittagen sind Schulklassen eingeladen, sich mit der Kultur und Herkunftsregion der Bibel vertraut zu machen.

„Menschen, die nicht hören, empfinden sich selbst nicht unbedingt als behindert, weil sie ja ein aktives Leben führen können“, weiß Sterr. „Taubblinde Menschen sind dagegen tatsächlich behindert, weil sie ohne Begleitung nicht mobil sind.“ Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung richtet sich speziell an Menschen, die weder sehen noch hören können („Expedition ins Land der Bibel – kulinarische Reise“, Freitag, 27. Januar, von 16 bis 19 Uhr).

Sterr freut sich auf die Ausstellung: Sie biete die Gelegenheit, dass Menschen mit und ohne Behinderung einander unverkrampft begegnen könnten. (Gabriele Riffert)

Die Ausstellung „Expedition Bibel – Entdeckungsreise mit allen Sinnen“ kann von Samstag, 21. Januar, bis Sonntag, 5. Februar, jeweils von 10 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr in der Karmeliterkirche (Karmeliterstraße 1) am Münchner Promenadeplatz besichtigt werden. Nähere Informationen – auch zum Begleitprogramm – gibt es hier.


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