Historische Festwochen in Wasserburg Teufel, Tod und Wallenstein

19.08.2013

In Wasserburg am Inn flammt der Dreißigjährige Krieg in einem historischen Festspiel wieder auf. Über 250 Darsteller versetzen die Zuschauer vom 22. August bis zum 22. September in die Zeit der schwedischen Belagerung.

Festspielproben am Inn (Foto: Wasserburger Bürgerspiel)

Das grobe Verhalten der Landsknechte ist eine Belastung für die Bürger der Stadt Wasserburg. Doch Trunkenheit, Raufsucht und Diebstahl sind das geringste Übel der Einquartierung des wilden Söldnerhaufens  während des Dreißigjährigen Krieges. Krankheiten, Seuchen und Hunger ziehen mit ihnen und ihrem Tross in die Gassen der Stadt am Inn ein: Mehr als 1.000 katholische Soldaten – Bayern, Kroaten, Franzosen und Österreicher – und rund 200 Pferde müssen auf Befehl des bayerischen Herzogs Maximilian I. von den 1.000 Einwohnern Wasserburgs verpflegt werden. Nachdem der Salzhandel während der Belagerung endgültig zusammenbricht, sieht sich der Rat der Stadt auch noch gezwungen, das Vermögen von Stiftungen für Kranke und Alte zu beschlagnahmen, um den Sold für das Heer aufzubringen. 1634 bricht schließlich die Pest in Wasserburg aus: Die Geburtstunde des skurrilen Wallfahrtsbrauches, aus der Hirnschale des heiligen Sebastian Wein zu trinken, um sich vor der Seuche zu schützen. Dennoch wird fast jeder zweite Bürger der Stadt vom Schwarzen Tod dahingerafft. Doch die scheinbar von Gott verlassene Festung muss weiterhin um jeden Preis gehalten werden: um die Brücke über den Inn zu den verbliebenen Klöstern im Chiemgau und den Schätzen des Bistums Salzburg gegen die schwedische Übermacht von 15.000 Soldaten zu verteidigen.

„Die Rolle Wasserburgs im Dreißigjährigen Krieg ist verkannt. Das war die letzte Bastion der katholischen Liga vor den Protestanten“, sagt Christian Huber. „Ob auch Wallenstein wirklich hier war, ist aber ungewiss.“ Der Festspielleiter des Wasserburger Bürgerspiels hat die Inszenierung dieses Jahr zum ersten Mal in das 17. Jahrhundert versetzt und sich der konfessionellen Phase des Dreißigjährigen Krieges gewidmet. Vor der Naturkulisse des Inn-Ufers rund um die historische Altstadt wird das zweieinhalbstündige Theaterstück „Teufel, Tod und Wallenstein“ während der Festwochen vom 22. August bis zum 22. September (jeweils Freitag bis Sonntag) aufgeführt. 250 Statisten, rund 30 Sprechrollen und eine Stunt-Einlage von Vielseitigkeits-Olympiasieger Matthias Baumann mit seinem Tunierpferd lassen die erste Belagerung Wasserburgs von 1632 bis 1634 wieder aufleben. Ein riesiges Renaissance-Feldlager und inszenierte Freiluft-Gefechte mit Teilnehmern aus ganz Süddeutschland und Österreich versetzen die Zuschauer in das zähe Ringen der Stadt um das Überleben im Dreißigjährigen Krieg.

Nach dem Prager Fenstersturz 1618 hat der verheerende Krieg rasch das Heilige Römische Reich deutscher Nation erfasst. Das Eingreifen des Schwedenkönigs Gustav Adolf wendet das Kriegsglück erstmals gegen die kaiserlich-katholischen Truppen. 1632 zieht der Protestant triumphierend in die bayerische Residenzstadt München ein. Die gescholtene Bevölkerung ist den Krieg da schon lange leid. Schwedische und eigene Truppen plündern ihr Land immer wieder aufs  Neue. Der Mangel ist allgegenwärtig und ergreift auch das bayerische Oberland. 1633 kommt es hier zum blutigen Bauernaufstand. Bis Diplomaten den Krieg 1648 beilegen, sind wohl vier Millionen Menschen in deutschen Landen ums Leben gekommen, die wenigsten durch die Kampfhandlungen. 99 Prozent sterben durch Hunger, Seuchen, sowie Mord und Totschlag fernab der Schlachtfelder.

Die historische Aufarbeitung während des Festsommers wird vom Museum Wasserburg und vom Stadtarchiv unterstützt: Zwölf in der Altstadt aufgestellte mannshohe Silhouetten geben Auskunft über das Leben in der Garnisonsstadt in den Jahren 1632 bis 1634. Die Sonderausstellung „Einquartiert“ im Museum Wasserburg zeigt bis zum 27. Oktober Rüstungsteile, Gemälde, Gegenstände des Alltags und der sakralen Kunst. Stimmen überlieferter Personen erzählen an Hörstationen die Geschichte vom Schicksal der Stadt. (acs)

Weitere Informationen und Kartenvorverkauf unter www.wallenstein2013.de

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