Wiederbelebte Tradition im Chiemgau Theater vor dem Heiligen Grab

23.01.2019

Riesige Architektur- und Grabkulissen erinnerten früher in Aschau im Chiemgau an Tod und Auferstehung Christi, das die Gläubigen auch szenisch dargestellt haben. In diesem Jahr wird die Tradition wiederbelebt.

Eine der Aschauer Heilig-Grab-Kulissen in der Restaurationswerkstatt.
Eine der Aschauer Heilig-Grab-Kulissen in der Restaurationswerkstatt. © Reiter/Tourist Information Aschau

Aschau im Chiemgau - Sechs Meter tief, sieben Meter breit und zehn Meter hoch sind die Kulissen des Heiligen Grabes in Aschau im Chiemgau. Nach rund 60 Jahren wird es 2019 zum ersten Mal wieder komplett aufgebaut. Zuvor lag es fast vergessen auf dem Speicher der Kirche. Aber es ist nicht allein die Größe und Bedeutung, die das Erzbischöfliche Ordinariat dazu bewogen hat, dieses Heilige Grab restaurieren zu lassen, das die Pfarrei Ende des 18. Jahrhunderts in Auftrag gegeben hatte. Entscheidend sei gewesen, dass es immer auch als Theaterkulisse diente und als solche angelegt war, erzählt Gemeindereferent Werner Hofmann, der als Seelsorger in der Region arbeitet. Ältere Aschauer könnten sich noch erinnern, dass bis in die späten 1950er Jahre Nachbarn als römische Soldaten kostümiert die Wächter am Heiligen mimten. „Die sind dann bei der Auferstehung niedergesunken und hinter der Kulisse verschwunden.“ Bei der Restaurierung habe auch der Gedanke eine Rolle gespielt, diese religiös geprägte Theatertradition wieder zu erneuern.

Noch eine Simulation, doch am Karfreitag soll sich das Heiige Grab so prächtig präsentieren.
Noch eine Simulation, doch am Karfreitag soll sich das Heiige Grab so prächtig präsentieren. © Reiter/Tourist Information Aschau

Die Kirche als Bühne

Hofmann hat schon vor einigen Jahren zusammen mit seiner Frau ein Aschauer Auferstehungsspiel geschrieben, dass er nun in einer überarbeiteten Form und in zwei Teilen vor dem Heiligen Grab in der Aschauer Kirche mit Laienschaupielern aufführt. Der erste Teil trägt den Titel „Vom Leben Jesu“ und wird in der Fastenzeit gespielt. Christus wird darin „in seinem Menschsein in den Vordergrund gerückt, der seine Berufung erst allmählich erfährt“, erklärt Hofmann. Nach Ostern kommt dann der zweite Teil des Aschauer Auferstehungsspiels auf die Kirchenbühne: „Die Auferstehung Jesu“. In dem geht es dann „um die Auferstehungserfahrung der Jünger und insbesondere wie aus Saulus der Apostel Paulus wird“. Hofmann, der die Stücke auch einstudiert, will dabei „den ganzen Kirchenraum einbeziehen vom Taufbecken bis zum Altar“. Damit er und seine Truppe rechtzeitig mit den Proben beginnen können, bauen Mitarbeiter aus der Gemeinde das Heilige Grab bereits ab dem 25. Februar auf.

Eine Angelegenheit des ganzen Dorfes

Das ist eine weitere Besonderheit in Aschau: Die Wiederbelebung der Tradition ist eine Angelegenheit des ganzen Dorfes. Der Heimat- und Geschichtsverein ist genauso dabei wie das Fremdenverkehrsamt, der Bauhof und die Pfarrei, ganz abgesehen vom ehrenamtlichen Engagement vieler Bürger. Vom 6. März bis zum 5. Mai sorgen sie dafür, dass das Heilige Grab in Aschau bespielt wird und zugänglich ist. So lange durfte es früher nicht stehen. Da wurde es erst kurz vor oder sogar erst am Karfreitag selbst aufgebaut, weiß Werner Hofmann. „Dann ist es bis zur damals sogenannten Auferstehungsfeier am Karsamstag stehengeblieben und war am Ostersonntag schon wieder weg.“

Die sechs Vorstellungen des Aschauer Auferstehungsspiels Teil 1 sind zwischen dem 30. März und dem 12. April zu sehen. Teil 2 führen die Laienschauspieler um Werner Hofmann zwischen dem 22. April und dem 5.Mai auf. Jedes der beiden Stücke dauert zirka zwei Stunden. Die Eintrittskarten kosten zwischen 10 und 15 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen die Hälfte. Wo die Tickets zu erhalten sind, erfahren Sie hier. Dort finden sich auch Informationen über die Gottesdienste und Konzerte in der Fasten- und Osterzeit sowie Führungen zum Heiligen Grab.

Damit stand es genau so lange, wie es zum liturgischen Ablauf der Kar- und Ostertage passte. Das wäre den heutigen Aschauern aber wegen des großen Aufwands, des umfangreichen Rahmenprogramms und den Vorstellungen des Auferstehungsspiels viel zu kurz. Außerdem sollen es möglichst viele Gäste sehen können. Werner Hofmann gibt unumwunden zu, dass das restaurierte Heilige Grab auch ein Spektakel ist: „Aber Spektakel lässt sich auch mit Augenweide übersetzen“, und die dürften die Besucher ruhig genießen. Zum anderen hofft er aber als Theologe, dass „die Besucher rund um das Heilige Grab erleben, dass Gott ein Gott des Lebens ist und er immer an unserer Seite steht.“ Darum hat er sein Theaterstück, „ganz bewusst Auferstehungsspiel und nicht Passion genannt.“ Denn vor allem soll „das Aufbauende an Jesu Botschaft im Vordergrund stehen“. Diese Botschaft vermitteln die Aschauer im wahrsten Wortsinn spielend.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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