100. Geburtstag von Christoph Probst Theaterstück erinnert an "Die Weiße Rose"

06.11.2019

Wer waren die jungen Menschen, die von einem besseren Deutschland träumten? Das Kinder-und Jugendtheater befasst sich in ihrem aktuellen Stück mit der Widestandsgruppe "Die Weiße Rose".

Szene aus dem Stück zeigt Verhör von Sophie Scholl durch den Gestapobeamten Robert Mohr.
Im Mittelpunkt des Dramas steht das Verhör von Sophie Scholl (Valerie Lehmann) durch den Gestapobeamten Robert Mohr (Wigbert Dehler) © Burghartwieser

Ruhpolding – Die Geschichte von Christoph Probst, der im Dritten Reich neben Hans und Sophie Scholl zur Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“ gehörte, ist auch 76 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod von Bedeutung. Gemeinsam mit den beiden Geschwistern wurde Probst am 22. Februar 1943 in München-Stadelheim hingerichtet. Auch er ist ein Symbol für beispielhafte Zivilcourage und Widerstand gegen die Hitler-Diktatur. Mit der Geschichte des mutigen jungen Mannes und der Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“ befasst sich nun das Ruhpoldinger Kinder- und Jugendtheater („RUKI“). In Zusammenarbeit mit dem örtlichen „Historischen Verein“ bringt es das Stück „Vier Tage im Februar – Die letzten Tage der Weißen Rose“ auf die Bühne.

Es trägt nicht nur zur Würdigung der „Weißen Rose“ als Widerstandsgruppe, als eines Bestandteils deutscher Geschichte bei, sondern geht der Frage nach, wer die jungen Menschen waren, die nicht nur von einem besseren Deutschland träumten, sondern sich aktiv dafür einsetzten. Es erinnert zum einen an die letzten Tage der „Weißen Rose“, zum anderen steht es unter dem Vorzeichen, dass Christoph „Christl“ Probst heuer am 6. November 100 Jahre geworden wäre. Das Stück spürt den Beziehungen der Protagonisten nach, ihren Beweggründen, Befürchtungen und Hoffnungen, ihrer Freundschaft, ihren Widersprüchen, aber auch ihrem Leichtsinn.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Christoph Probst zeigt das „RUKi-Theater“ das Stück am Freitag, 15., und Samstag, 16. November, jeweils um 19.30 Uhr im ehemaligen „Postkino“ (Hauptstraße 55) in Ruhpolding.

Beim Auslegen von Flugblättern gegen die Nazi-Diktatur in der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) werden Hans und Sophie Scholl festgenommen. Einen Tag später wird Christoph Probst verhaftet. Nur vier Tage liegen zwischen der Verhaftung und dem Tod der jungen Menschen. Im Mittelpunkt des Dramas steht die Verhörsituation zwischen Sophie Scholl (Valerie Lehmann) und dem Gestapobeamten Robert Mohr (Wigbert Dehler). Dazwischen werden Szenen eingeblendet, die das Verhörduell kommentieren und für Atempausen sorgen. Auf einer weiteren Erzählebene porträtieren Freunde, seine Schwester Angelika und der Gefängnisgeistliche den aufrechten Menschen Christoph Probst und seinen durch Humanität geprägten Widerstandsgeist. Diese Darstellung wird komplettiert durch Szenen einer Ruhpoldinger Nachbarsfamilie, denn hier lebte Probst im Krieg mit Frau und Kindern einige Zeit bei seiner Stiefmutter. Die „Christl-Probst-Straße“ in Ruhpolding erinnert an den Widerstandskämpfer.

Aufrüttelnd und emotional

Durch harte Licht- und Musikschnitte sind die einzelnen Szenen miteinander verknüpft. Das Regime wollte an den Studenten ein schnelles Exempel statuieren. Der Rhythmus der Szenen spiegelt die Dramatik und den Zeitdruck wider, unter dem das Regime völlig skrupellos dieses Verbrechen an den jungen Menschen beging. Die Szenenwechsel lassen den Zuschauer miterleben, welche Kraft nötig war, unter diesem Druck nicht die Freunde zu verraten und zu den eigenen Idealen von Menschlichkeit und Mitgefühl zu stehen. Christoph Probst und Hans Scholl sind nicht durch Schauspieler dargestellt und doch immer präsent und allgegenwärtig. Ein bewegendes Theaterstück, aufrüttelnd und emotional. (Hannes Burghartswieser)


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