Geistliches Theater in München-Sendling Theaterstück über Verräter Judas

17.07.2018

Judas hat Jesus verraten. So steht es in der Bibel. Mit der umstrittenen Figur beschäftigt sich aktuell die Theatergruppe der Pfarrei Sankt Margaret. Ein Besuch der Generalprobe.

Die Schauspieler sind alle in Schwarz gekleidet.
Die Schauspieler sind alle in Schwarz gekleidet. © SMB/Sichla

München – „Wie ist die Stimmung?“, fragt Frater Clemens Kascholke SJ zu Beginn der Generalprobe die jungen Schauspieler. „Wird schon schiefgehen“, ist von den Schauspielern zu hören. Lachen und dann blickt der erste auch schon wieder in seinen Text. Die Stimmung ist konzentriert. Im Raum ist eine nervöse Anspannung zu spüren. Bevor die Probe richtig losgeht, wird jede Szene noch mal kurz durchgesprochen. Hier und da schreiben sich die Schauspieler Anmerkungen an ihren Text. Hier im Pfarrsaal von Sankt Margaret in München-Sendling wird das Theaterstück „Judas. Wes Geistes Kind bist du?“ Premiere feiern. Drei Schauspieler haben zusammen mit Judith Fröhlich, Pastoralassistentin i.A., und Frater Clemens Kascholke SJ an dem Stück gearbeitet. Nun geht es um den letzten Schliff: Wie gehen wir von der Bühne ab? Wie ist das Licht am Besten? Und wo sitzt die Souffleuse? All diese Fragen werden an dem Abend endgültig geklärt.

Schuld und Freiheit

Der Jünger Judas Iskariot steht im Mittelpunkt der Inszenierung. Nach biblischen Zeugnis hat sein Verrat erst den Prozess und die anschließende Hinrichtung Jesu am Kreuz möglich gemacht. Warum er das allerdings getan hat, wird in den biblischen Texten nicht deutlich. Der Schriftsteller Michael Köhlmeier und der Philosoph Paul Liessmann haben sich diesem Stoff in ihrem Buch "Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam?" angenommen. Dabei griffen sie auf einen mittelalterlichen Legendenstamm zurück, der versuchte eine mögliche Antwort auf das unabschließbare Warum Judas' zu geben. Darin wird die Lebensgeschichte des Jüngers vor der Begegnung mit Jesus aufgerollt, um so Judas' Beweggründe anzudeuten. Im Erarbeitungsprozess griffen die Schauspieler immer wieder zur Inspiration auf diesen Legendstamm, wie er von Köhlmeier und Liessmann präsentiert wird, zurück, um ihre eigene Interpretation zu finden.

Korbininan Werner auf der Bühne.
Korbininan Werner auf der Bühne. © SMB/Sichla

Die aus dem Legendenstamm resultierenden Szenen des Stücks, in denen die Umstände der Geburt des Judas dargestellt werden und Menschen aus für ihn wichtigen Lebensstationen zu Wort kommen, werden von einem Pro- und Epilog gerahmt. Sie seien aus den Impulsen und Fragen der Schauspieler entstanden, so Judith Fröhlich gegenüber mk online. Themen wie Schuld und Freiheit würden darin aufgegriffen. Und es werden – unabhängig von der Figur des Judas – Fragen aufgeworfen: Wie handele ich? Wie verantwortlich bin ich für mein Handeln? Erlösung vs. Strafe?

Eine Art der Verkündigung

Gemeinsam mit den Schauspielern haben sich Fröhlich und Kascholke dem Stoff genähert und darüber diskutiert. Teilweise hatten sie untereinander auch verschiedene Ansichten, die im Stück nun auch nebeneinanderstehen. Korbinian Werner ist einer der Schauspieler. Das Mitarbeiten an den Texten habe ihm besonders gefallen, so Werner. So sei es möglich gewesen, dass er das einbringen konnte, was seinem Verständnis nach zu seiner Rolle passt.

Den Beteiligten einen gemeinsamen, kreativen Prozess zu ermöglichen, sei eine Grundmotivation des Projekts gewesen. Auf diese Art sollte „gemeinsam Verkündigung gemacht werden“, so Fröhlich. Korbinian Werner hat sich, so erzählt er, zum ersten Mal mit der ganzen Bandbreite des Judas beschäftigt. Er habe nun ein Bild von Judas, wenn auch kein eindeutiges. Auch das Publikum soll am Premierenabend zum Nachdenken angeregt werden. Im Anschluss wird es daher Gelegenheit geben, sich gemeinsam auszutauschen.

Das Theaterstück „Judas. Wes Geistes Kind bist du?“ wird am Samstag, 21. Juli, um 20 Uhr im Pfarrsaal von Sankt Margaret in München-Sendling aufgeführt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de


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