Renommierter Wissenschaftler Theologe Joachim Gnilka gestorben

22.01.2018

Der international bekannte Exeget Joachim Gnilka ist tot. Über 20 Jahre lang lehrte der Theologe auch an der Universität in München und zog dort die Studenten in seinen Bann.

Joachim Gnilka (1928-2018)
Joachim Gnilka (1928-2018) © POW-Archivbild

München – Der international renommierte Neutestamentler Joachim Gnilka ist tot. Er starb bereits am 15.1. (Korrektur, siehe unten) im Alter von 89 Jahren in München. Der Autor zahlreicher Kommentare zum Neuen Testament lehrte an den Universitäten Münster (1962-1975) und München (1975-1997). Gnilka war Mitglied der Päpstlichen Bibelkommission (bis 1989) und der Internationalen Bibelkommission (bis 1997). Von Johannes Paul II. wurde er 1992 zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt. 2005 erhielt er den Stephanus-Preis in Budapest.

Priester der Diözese Würzburg

Gnilka stammte aus Leobschütz in Schlesien. Er studierte Philosophie, Theologie und orientalische Sprachen in Eichstätt, Würzburg und am Bibelinstitut in Rom. 1953 empfing er in Würzburg die Priesterweihe. Wissenschaftlich widmete er sich vor allem der Paulus- und Jesus-Forschung. Seine Bibelkommentare und sein Buch "Jesus von Nazareth" wurden in viele Sprachen übersetzt. Auch Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger berief sich in seinen während des Pontifikats erschienen Jesus-Büchern ausdrücklich auf dieses Buch. Zu Gnilkas bedeutenden Werken gehörte auch ein Kommentar zum Matthäus-Evangelium.

Bei Studenten geschätzt

Die Vorlesungen des Neutestamentlers in München waren nicht nur wegen seiner fachlichen Qualität gut besucht. Die Studenten schätzten auch, mit welcher Begeisterung und Herzlichkeit er dozierte, sobald sie sich an seinen "etwas außergewöhnlichen Sprachfluss" gewöhnt hätten, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" bei seiner Emeritierung 1997. Auch danach meldete sich Gnilka immer wieder einmal zu Wort. So äußerte er sich kritisch zu Mel Gibsons Jesus-Film "Die Passion-Christi", der ihn eigenen Worten zufolge "nicht besonders angesprochen" habe. Es gebe zwar erschütternde Szenen, aber am Schluss bleibe die Frage, worum es hier eigentlich gehe.

Auch die jüngst unter anderem durch Papst Franziskus wieder aufgeworfene Diskussion über die Vaterunser-Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" hatte den Theologen Jahre vorher schon beschäftigt. Er schlug damals eine Neuübersetzung mit den Worten "Und lass uns nicht in Versuchung geraten" vor. Zuletzt waren 2004 sein Buch "Bibel und Koran. Was sie verbindet, was sie trennt" und drei Jahre später "Die Nazarener und der Koran" erschienen. (KNA)

Update

Wie jetzt bekannt wurde ist Joachim Gnilka bereits am Montag, 15.1., gestorben.
Das Requiem findet am Mittwoch, den 31.1.2018, um 11.00 Uhr in der Münchner Pfarrei Stankt Ursula statt. die Beerdigung ist danach um 14.15 Uhr am Nordfriedhof in München.
Das Requiem wird Weihbischof Bernhard Haßlberger in Vertretung für Kardinal Marx feiern.


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