Interview Thomas Sternberg über den Synodalen Weg in Corona-Zeiten

06.07.2020

Anfang des Jahres fand die erste Synodalversammlung statt. Dann kam Corona. Wie geht es weiter? Ein Interview mit Thomas Sternberg, Präseident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Thomas Sternberg
Thomas Sternberg © KNA

Herr Sternberg, eigentlich hätte Anfang September in Frankfurt die zweite Vollversammlung des Synodalen Wegs stattfinden sollen. Das wird nun nicht passieren. Warum?

Thomas Sternberg: Seit Aschermittwoch dieses Jahres leben wir in einer neuen Zeit. Angesichts der Corona-Pandemie mussten wir feststellen, dass wir an dem vorgesehenen Termin keine Synodalversammlung mit 230 Teilnehmern und Gästen durchführen können. Selbst in einer Frankfurter Messehalle wäre das nicht möglich gewesen. Gleichzeitig war klar: Ein solches Treffen wollen wir nicht als reine Videokonferenz abhalten. Beim Auftakt in Frankfurt haben wir gemerkt, wie wichtig gerade der persönliche Austausch ist, unabhängig davon, welche Weihestufe, welches Geschlecht, welche Rolle man in der Kirche hat.

Was aber können und sollen die stattdessen anberaumten fünf Regionalkonferenzen bringen? In der Satzung des Synodalen Wegs sind sie nicht vorgesehen.

Sternberg: Anders als manche vielleicht meinen, geht es nicht um die Verhandlung bereits fester Positionen. Es gibt den erklärten Willen, die Themen gemeinsam zu diskutieren und Lösungen zu finden sowohl aufseiten der Laien als auch der Bischöfe. Die Positionen sind keineswegs so unverrückbar, wie sie scheinen mögen. Die Foren können bei dieser Gelegenheit erste Ergebnisse ihrer Arbeit in die Synodalversammlung rückkoppeln und zur Diskussion stellen. Und schließlich müssen wir unsere Texte im Licht der Corona-Pandemie und ihrer Auswirkungen auf Gesellschaft und Kirche lesen.

Bleibt das nicht alles sehr unverbindlich?

Sternberg: Beschlüsse werden wir keine fassen können, aber die Befassung aller 230 Synodalen mit dem, was in den vier Foren diskutiert wird, ist ein wichtiger Schritt. Ob das auch in einer Erklärung des Präsidiums zusammengefasst werden kann, ist noch offen.

Unterdessen hat der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp seinen Rückzug aus dem Forum zur Sexualmoral bekanntgegeben. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer forderte mit Verweis auf die Satzung eine Absage der Regionalkonferenzen. Täuscht der Eindruck, oder haben Sie die Kritiker aus dem Rheinland und aus Bayern bereits auf der ersten Wegstrecke verloren?

Sternberg: Das sehe ich überhaupt nicht so. Auffällig ist doch vor allem eines: Die Zahl der grundsätzlichen Kritiker ist nicht größer geworden. Die positive Einstellung zum Synodalen Weg, sowohl unter den deutschen Bischöfen als auch unter den Laien, die gute Stimmung vom Auftakt in Frankfurt, sind geblieben. Und was den Kölner Weihbischof anbelangt, muss ich sagen: Wenn jemand der Meinung ist, dass es keinen Veränderungsbedarf gibt, dann ist es besser, seine Mitarbeit in einem Forum zur Erarbeitung neuer Lösungen zu beenden. Er scheidet ja nicht aus der Synodalversammlung aus.

Das könnte er qua Satzung auch gar nicht, oder?

Sternberg: Ich weiß nicht, was dann passieren würde, aber einen Willen zum Boykott habe ich auch noch nirgends wahrgenommen.

Die Kirchensteuereinnahmen werden zurückgehen. Wo kann Ihrer Ansicht nach gespart werden, wo eher nicht?

Sternberg: Sparpotenziale sehe ich vor allem bei den bischöflichen Verwaltungen. Es sollten wieder mehr Kompetenzen in die Pfarreien zurück verlagert werden, damit die Menschen auch wissen, wofür ihr Geld eingesetzt wird. Subsidiarität ist nicht teurer als Zentralismus. Auch beim Immobilienbesitz werden wir überlegen müssen, ob wir uns das weiter leisten können.

Nicht sparen ...

Sternberg: ... sollte man meines Erachtens nach bei den Themen Erziehung, Bildung, internationale Zusammenarbeit. Da sind wir mitten in unseren kirchlichen Grundaufträgen: Gottesdienst, Caritas und Glaubensverkündigung - alle drei Felder müssen die Leitlinien unseres Engagements sein.

Was ist ihnen durch den Kopf gegangen, als sie die jüngsten Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen gesehen haben?

Sternberg: Ich hatte das befürchtet, sehe es zugleich mit ganz großer Sorge. Ich bedaure jeden Austritt, auch weil inzwischen Leute die Kirche verlassen, die lange Jahre zu ihr gehört haben, aber ihr jetzt den Rücken kehren, weil sie über Reformstau und Anderes verärgert sind und weil sie der Kirche nicht mehr vertrauen. Das ist ja einer der Gründe, warum wir uns auf den Synodalen Weg begeben haben. (Das Interview führte Joachim Heinz von der Katholischen Nachrichten-Agentur)

Synodaler Weg

Mit dem auf zwei Jahre angelegten Synodalen Weg wollen die Bischöfe und das ZdK über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Schwerpunktthemen sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche. Höchstes Gremium des Reformprozesses ist die Synodalversammlung mit mehr als 200 Frauen und Männern.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg Corona - Pandemie

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