Papst-Buch "Letzte Gespräche" Tiefe Einblicke in die Seele

13.09.2016

War das neue Interviewbuch „Letzte Gespräche“ von Peter Seewald mit dem zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. notwendig: "Ja" meint Susanne Hornberger, Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung.

Susanne Hornberger ist Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung. (Bild: Sankt Michaelsbund) © Sankt Michaelsbund

Er bilanziert, sinniert, wägt ab, ordnet ein - blickt zurück auf sein Leben, sein Werk, sein Amt. Und geht ehrlich und ohne Erbarmen mit sich selbst ins Gericht. Ein Mann von 89 Jahren. Ein Mann, der so unfassbar viel erreicht hat in seinem Leben. Er war Papst. Mehr geht bei Gott nicht.

Der emeritierte Papst Benedikt hat noch einmal ein Buch veröffentlicht. Es wird sein letztes sein. Noch einmal steht er dem Journalisten Peter Seewald Rede und Antwort. Gut so! Ich habe es verschlungen. Jedes einzelne Wort. Nicht nur, weil ich Benedikt seit meiner Zeit als Vatikan-Korrespondentin und entsprechenden persönlichen Begegnungen sehr verehre. Endlich lässt Benedikt nicht andere seine Arbeit, sein Werk, seine Person interpretieren, sondern erklärt sich selbst, seine Sicht der Dinge, was er wie und warum während seines Pontifikates machte und welche Reformen er angestoßen hat.

Benedikt lässt sich dabei tief in die Seele blicken, auch privat, wenn er verrät, dass er als junger Student mit dem Zölibat haderte, weil er verliebt war und wenn er bekennt, dass selbst ein Papst Angst vor dem Tod hat. Und wieder einmal spitzen seine Milde und Bescheidenheit hervor - selbst gegenüber Personen, die ihm nicht besonders wohl gesonnen waren.

Kritisch geht er mit sich selbst ins Gericht - und mit der Kirche in Deutschland. Da spricht ein Geistlicher, der seit 34 Jahren in Rom lebt, im Herz des Katholizismus, im Vatikan. Ein Mann, der als Präfekt der Glaubenskongregation sowie als Papst immer den Blick über den Tellerrand hob. Vatikan bedeutet Weltkirche. Hier geht es nicht um ein Land, hier geht es um alle und alles. Hier laufen die Fäden aus der ganzen Welt zusammen, die Probleme, die Erfolge, alles. 34 Jahre Weltkirche, 89 Lebensjahre - da darf sich die Sicht der Dinge schon mal ändern. Das sollte in Deutschland zur Kenntnis genommen werden, ohne dem emeritierten Papst den Mund verbieten zu wollen. Denn ein emeritierter Bischof darf sich schließlich auch äußern - und Benedikt ist der emeritierte Bischof von Rom. Seinen Nachfolger Franziskus kritisiert Benedikt auch nicht, das wäre tatsächlich geschmäcklerisch. Schade, dass den meisten Deutschen nach wie vor die Fähigkeit zur Kritik fehlt. Und sie reflexartig wie immer auf einen großen Deutschen einhacken. Schade. Denn dies ist die Lebensbilanz eines wirklich Großen. Vielleicht kapieren das viele erst, wenn Benedikt vor den lieben Gott tritt. (Susanne Hornberger)


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