Lyriker Bernhard Winter Tipps für ein glückliches Leben

18.07.2018

Der Psychotherapeut und Lyriker Bernhard Winter hat der Münchner Kirchenzeitung Impulse für ein glückliches Leben verraten.

Bernhard Winter
Bernhard Winter © Riffert

Münchner Kirchenzeitung (MK): Ihr neues Buch heißt „Kurz und glücklich“. Was bedeutet Ihnen Kürze?

Winter: Kürze bedeutet mir viel. Wenn ich als Therapeut arbeite, versuche ich, Menschen in wenigen Therapie- stunden zu helfen, anstatt sie Jahre an mich zu binden. Und in den neun Jahren, in denen ich Bürgermeister von Markt Schwaben war, habe ich versucht, Sitzungen straff zu leiten, begonnene Projekte rasch abzuschließen. Meine Texte nennen sich Mantras. Das kürzeste Mantra im neuen Buch besteht aus einem einzigen Wort: Unter der Überschrift „Nein“ steht der Text „Ja“. Das verbindet sich mit der Arbeit in meiner psychotherapeutischen Praxis. Es gibt Menschen, die in der Überschrift zu ihrem Leben ein Nein haben: Du darfst nicht, du kannst nicht, du bist nichts. Dann versuche ich ihnen zu zeigen: Das war bisher, ab jetzt kannst du Ja sagen.

MK: Aber das Thema Glück ist etwas komplizierter, oder?

Winter: Zum Glücklichsein helfen drei Haltungen: Lassen, Lernen, Lieben. Manchmal kann man seinem Leben eine glücklichere Wendung geben, indem man Dinge weglässt. Ich schaue zum Beispiel seit ein paar Jahren nicht mehr fern. So spare ich Zeit. Man kann auch anderes weglassen: Freunde, die mir nicht mehr guttun, Hobbies oder manche Pflichten, die ich mein Leben lang mit mir herumgeschleppt habe. Sogar meinen Beruf kann ich lassen, wenn er nicht mehr passt. Etwas lassen kann zu mehr Gelassenheit führen. Auch lernen kann ich immer, ein ganzes Leben lang im Sinne von In-Bewegung-Bleiben und Sich-Entwickeln.

MK: Im Kapitel „Lieben“ spannen Sie einen weiten Bogen …

Winter: Das erste Gedicht in diesem Kapitel heißt „Birke“. Es geht darin um die Birke in meinem Garten, die ich tatsächlich auf gewisse Art liebe. Sie ist zusammen mit meinen Kindern groß geworden. Manchmal bin ich wirklich bei ihr und umarme sie. Ich gehe auch mit meiner einjährigen Enkelin Laura zu ihr hin. Lieben ist das Allergrößte. Es ist nicht so einfach, wirklich zu lieben, auch Menschen zu lieben, die auf den ersten Blick nicht meine Freunde sind. Doch die Erfahrung der Liebe ist das Tiefste und zugleich Höchste – von der Birke bis hin zu Gott.

MK: Über das Glück kann jemand nur so schreiben, der das selbst erfahren hat.

Winter: Ich bin glücklich, nicht jede Sekunde meines Lebens, aber immer wieder, und ich kann mich an kleinen Dingen freuen. Diese Freude will ich auch weitergeben. Das ist der Grund, warum ich schreibe, aber auch, warum ich Menschen beistehen will und weshalb mir nicht egal ist, was um mich herum ist. Ich will, dass mehr Freude in der Welt ist als Leid und mehr Helles als Dunkles. (Interview: Gabriele Riffert)

Die nächste Lesung aus „Kurz und glücklich“ findet am Sonntag, 22. Juli, im Rahmen der „Sonntagsbegegnungen“ in Markt Schwaben statt. Anmeldung und weitere Informationen über die Webseite www.internetz.net.


Das könnte Sie auch interessieren

Dankbarkeit zeigen.
© AdobeStock/Arman Zhenikeyev

Impuls Der Geist der Dankbarkeit

Gert hatte 41 Jahre einen sicheren Arbeitsplatz, an dem er viel Geld verdient hat. Doch Entscheidendes hat dieser Firma gefehlt: Dankbarkeit.

01.07.2018

Eine Blume kann ein Zeichen der Dankbarkeit sein
© hakase420 – stock.adobe.com

Impuls Dankbarkeit macht demütig

Dankbarkeit beginnt dort, wo ein Mensch merkt, dass er nicht aus eigener Kraft lebt, meint Schwester Cosima Kiesner. So kann diese Haltung eingeübt werden.

08.06.2018

Einfach leben - Digitale Depression Wie sehr beeinflussen moderne Medien unsere Gefühlswelt?

Professor Sarah Diefenbach von der LMU in München forscht schon seit langem über Mensch-Technik-Interaktion. Also wie zum Beispiel Smartphone und Soziale Netzwerke das Wohlbefinden beeinflussen. Sie...

06.03.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren