Fastenzeit Tipps zum Smartphone-Fasten

13.02.2018

Fasten ist vielschichtig, denn verzichten kann man auf vieles. Florian Wiedemann versucht es dieses Jahr mit dem Smartphone. Der Achtsamkeitstrainer erhofft sich davon vor allem weniger Stress im Alltag. Ein Besuch in Bad Tölz.

Für 40 Tage hat das Smartphone ausgedient.
Für 40 Tage hat das Smartphone ausgedient. © Fotolia.com/Mongkol Chuewong

Bad Tölz – Während des Interviews liegen die Smartphones auf dem Tisch vor uns. Es ist eine Gewohnheit, das kleine Ding ständig erreichbar vor sich zu haben. Könnte ja jemand anrufen oder eine Nachricht schicken. Im Bruchteil einer Sekunde hätte man das Gerät wieder in der Hand. Besonders bizarr fühlt sich das bei einem Interview zum Thema "Smartphone-Fasten" an.

Florian Wiedemann möchte dieses Jahr pünktlich zu Aschermittwoch sein altes Nokia-Handy reaktivieren und 40 Tage lang komplett auf sein als sonst so praktisch empfundenes Smartphone verzichten. Was sich der Achtsamkeitstrainer aus Bad Tölz davon erhofft: Mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit und weniger Stress im Alltag.

Das Problem ist das Nervensystem

„Wenn man sich mal so grundsätzlich überlegt, wann sich unser Nervensystem entwickelt hat, dann fällt auf, dass sich in der Umwelt des Menschen in 100.000 Jahren praktisch nichts verändert hat. Eine deutliche Beschleunigung kam eigentlich erst vor 100 Jahren. Was allerdings in den vergangenen zehn bis 15 Jahren passiert ist, überragt alles bei weitem“, sagt Florian Wiedemann.

Der ständige Input von Information sei für unser Nervensystem einfach zu viel. Oder anders ausgedrückt: „Man kann sagen, dass wir nicht dafür gemacht sind.“

Der Hauptmissetäter ist in diesem Fall das Smartphone. Es ist ein ständiger Begleiter, steckt in der Hosentasche und ist laut Studien bei 90 Prozent aller Smartphone-User den ganzen Tag nur maximal einen Meter vom Körper entfernt.

Das kann auf Dauer gravierende Auswirkungen haben. „Es gibt viele Studien, die zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen dem Verweilen auf sozialen Netzwerken und der Qualität von Beziehungen feststellen. Andere belegen einen Zusammenhang zwischen Depressionen und der übertriebenen Nutzung des Smartphones“, erklärt Wiedemann.

Achtsamkeitstrainer Florian Wiedemann
Achtsamkeitstrainer Florian Wiedemann © SMB/Fleischmann

Die positiven Auswirkungen

Wer viel Zeit am Smartphone verbringt, verliert sie in der analogen Welt. Genau das sei das Dilemma, meint Wiedemann. „All die modernen Technologien waren ja ursprünglich mal dafür gedacht, um Zeit zu gewinnen. Doch das Blöde ist, dass man die gewonnene Zeit meistens dann wieder am Smartphone verwendet.“

Wer also die Zeit am Smartphone bewusst reduziere, bekäme vor allem zunächst zusätzliche Zeit. Die könne man sinnvoll für andere Dinge einsetzen.

Smartphones verteufeln will der Achtsamkeitstrainer hingegen nicht. „Die Dinger können ja super praktisch sein und los werden wir sie eh nicht mehr. Es geht im Prinzip einfach nur darum, den richtigen und gesunden Umgang zu finden.“

Dabei müsse jeder für sich selbst rausfinden, wie sehr er das Smartphone denn wirklich brauche. „Dann merkt man schnell, wann es einem im Alltag fehlt. Allerdings wird man irgendwann feststellen: Hey, das geht ja richtig gut ohne“, ist Wiedemann überzeugt.

Die drei Varianten des Smartphoneverzichts

Florian Wiedemann schlägt drei Varianten vor, wie Smartphone-Fasten aussehen kann. Variante eins: „Ich mach alles wie immer, aber achte auf meine Impulse. Will sagen: Jedes Mal wenn ich zum Beispiel eine Nachricht empfange, halte ich kurz inne und überlege mir, ob dich das jetzt wirklich lesen muss, oder ob ich das auch später machen kann“, so der Achtsamkeitstrainer.

Variante zwei: Bewusstes App-Management. „Ich versuche mir bei Variante zwei bewusste Regeln für einzelne Apps zu setzen, die ich häufig benutze. Muss ich meine E-Mails am Handy den ganzen Tag checken oder reicht das einmal am Abend? Ähnlich kann man mit Nachrichten-Apps oder sozialen Netzwerken vorgehen. Wer will, kann die Apps auch während dieser Zeit einfach deinstallieren.“

Variante drei: Die Radikal-Kur. „Diese Variante lässt sich kurz zusammenfassen: Man packt sein altes Handy wieder aus, mit dem man telefonieren kann, SMS schreiben kann und vielleicht noch einen Kalender hat. Für diese Variante habe ich mich entschieden. Mal sehen, was es mit mir machen wird.“ (Lukas Fleischmann)


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