Kostenlose Essensausgabe in München Tische des Miteinanders

25.08.2021

Seit Mitte Dezember vergangenen Jahres werden in der „Antoniusküche“ in der Kirche St. Anton kostenlose Mahlzeiten verteilt. Die Kirche hat sich seitdem in einen Ort der Begegnung unterschiedlichster Menschen entwickelt. Jetzt wurde das Projekt bis Ende des Jahres verlängert.

Eine Menschlange vor der Essensausgabe im Innenraum der Antoniuskirche.
Ab 11 Uhr öffnet von Montag bis Freitag die Essensausgabe der Antoniusküche in St. Anton. © SMB/Kelpe

München – Am Mittwochvormittag herrscht ein reges Treiben in der Pfarrkirche St. Anton in der Isarvorstadt. Einige Frauen schieben Tische und Stühle in den Eingangsbereich und ordnen sie zu kleinen Sitzgruppen. Auf der linken Seite brummen große Kühlschränke und die Stimmen verhallen im Kirchenraum. Milchtüten, Zuckerwürfel, Kaffee und Tee sind vorbereitet und hinter den schweren Metalltüren der Tiefkühler lagern noch hunderte, eingeschweißte Essensportionen. Zweihundert davon werden heute mit dem Einwegholzbesteck über die provisorische Theke gereicht werden. Anfangs waren es noch 40 Essen pro Tag, nun sind es 1.000 Mahlzeiten, die von Montag bis Freitag in der „Antoniusküche“ an Bedürftige verteilt werden.  

Raum in der Stadt 

Dass der Kirchenraum auch als Küche genutzt wird, ist auf den ersten Blick vielleicht gewöhnungsbedürftig, doch am Ende eine gut durchdachte Entscheidung. Pater Bernd Kober, Pfarrer von St. Anton, hat sich viele Gedanken gemacht und sieht es nur als logische Konsequenz, den Kirchenraum zu öffnen: „Wir haben die Räume und diese sind gleichzeitig eine öffentliche Verantwortung in der Stadt.“ Denn Raum sei vor allem in einer kostspieligen Stadt wie München sehr wertvoll. „Mit der Antoniusküche wird das deutlich: Die Kirche ist nicht nur ein Gottesdienstraum, sondern ein öffentlicher Raum, der Menschen zugänglich gemacht wird, die hier leben“, erklärt er. Das Projekt der Antoniusküche schwebte vergangenen Sommer noch als Idee in der Luft und wurde dann Mitte Dezember umgesetzt. Die Erzdiözese München und Freising finanzierte das Projekt mit 120.000 Euro und sicherte jetzt die Fortführung zu: Mit weiteren 160.000 Euro bleibt die Küche vorerst bis Ende des Jahres geöffnet. 

Viele Helferinnen und Helfer

Wenn eine Kirche in eine Kantine umfunktioniert wird, dann braucht es tatkräftige Unterstützung. Die Caritas-Projektleiterin Yvonne Möller sorgte von Anfang an dafür, dass die Essensausgabe rund läuft, genügend Helferinnen und Helfer mitanpacken und auch die persönlichen Gespräche mit den Gästen nicht zu kurz kommen. „Wir möchten für die Menschen da sein, die Schwierigkeiten in der Gesellschaft haben, sei es finanziell oder sozial“, erzählt sie. „Da geht es nicht nur darum, ein Essen oder ein Getränk zu bekommen, sondern auch mal einen Zuhörer zu haben und nicht einsam zu sein.“ Doch die Antoniusküche bietet noch mehr: Es gibt es Beratungen, kleine Veranstaltungen zu Themen wie Jobsuche oder Stromsparen oder es werden einfach gemeinsam Gebete vorgelesen. „Jeder Einzelne kommt mit seiner Geschichte und mit der Zeit hat sich eine Familie aufgebaut“, erzählt sie.

Alle an einem Tisch

Um 11 Uhr beginnt die Essensausgabe und langsam bildet sich eine lange Schlange um die Kirchenbänke herum. Insgesamt unterstützen 30 Ehrenamtliche die Antoniusküche vor Ort. Heute sind fünf Helferinnen dabei, die koordiniert die abgepackten Mahlzeiten vorbereiten und Kaffee und Tee abfüllen. Alles geht Hand in Hand. Auch an den Tischen füllt es sich langsam. Günter, der nur seinen Vornamen nennen möchte, ist Rentner und sehr dankbar für die Arbeit der Antoniusküche: „Es sind alle sehr lieb und es ist wunderbar organisiert. Ich finde es toll, dass die Kirche das ermöglicht“, erzählt er.  
Doch die Antoniusküche ist nicht nur eine „Kantine“ in der Kirche, sondern auch ein Ort der Begegnung. Verschiedene Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und sozialer Hintergründe treffen sich hier und essen gemeinsam am Tisch. Yvonne Möller sieht darin eine besondere Chance: „Es sind zwei Tische in der Kirche: Es gibt einmal den Altar und der andere Tisch, ist der Tisch, an dem die Menschen essen. Es sind zwei Tische des Miteinanders.“ Die Tische, an denen gegessen wird, die pandemiebedingt erst seit kurzem  aufgestellt werden dürfen, haben sich bewährt und laden die Gäste zum Verweilen an. Möller selbst wandert von Tisch zu Tisch, begrüßt die Menschen und wünscht einen „Guten Appetit“. (Eileen Kelpe, Volontärin beim Michaelsbund)


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