Día de los Muertos Totengedenken auf mexikanisch

31.10.2019

In Deutschland verläuft das Erinnern an die Verstorbenen zu Allerheiligen und Allerseelen eher still. In Mexiko wird der "Tag der Toten" gefeiert.

Große Paraden dürfen am "Tag der Toten" nicht fehlen.
Große Paraden dürfen am "Tag der Toten" nicht fehlen. © memotlacuilo - stock.adobe.com

München – Für die Deutschen mag es befremdlich erscheinen, dass das Totengedenken in Mexiko bunt, laut und fröhlich abläuft. Iván Nájera aus Mexiko erklärt das im Interview mit mk online damit, dass schon das Verständnis vom Tod ein anderes ist. „Es gibt den Glauben, dass man nicht wirklich stirbt, solange sich Menschen an einen erinnern“, so der gebürtige Mexikaner, der inzwischen in München lebt und das Restaurant La Taquería am Isartor leitet.

Der Tag der Toten sei ein familiäres Fest, an dem sich alle treffen. „Wir bauen einen Altar für unsere Toten auf und es wird geglaubt, dass die Ahnen von unseren Leuten an diesem Tag zurückkommen“. Deshalb finden sich auf dem Altar neben den Lieblingsspeisen und Getränken der Verstorbenen auch viele Fotos. Er wird bunt geschmückt „mit diesen typischen bunten Papieren, aber auch mit Cempasuchil, das sind gelbe Blumen, die es genau in dieser Saison gibt“, daneben finden sich Mais, Kerzen, aber in letzter Zeit auch immer mehr Kürbisse.

Kein Tabuthema

Der Tag der Toten wurde schon, bevor die Spanier nach Mexiko kamen, an den gleichen Tagen gefeiert. Das hat, laut Iván, mit dem Erntezyklus zu tun. Aber es ist ein Fest, das sich durch verschiedenste Einflüsse immer weiterentwickelt. Dass sich Menschen das Gesicht totenkopfartig schminken, geht auf den Cartoonist José Guadalupe Posada zurück. Das große Straßenfest in Mexiko-Stadt gab es erst in einem Film und, weil es den Menschen da so gut gefallen hatte, auch in der Realität. Außerdem gibt es inzwischen viele Einflüsse, etwa durch Halloween.

Drei verkleidete Menschen feiern den "Tag der Toten" in Mexiko.
Drei verkleidete Menschen feiern den "Tag der Toten" in Mexiko. © Christian Newmann on Unsplash

Während der Tod bei uns oft immer noch ein Tabuthema ist, wird in Mexiko viel mehr über die Verstorbenen gesprochen: „Wenn man glaubt, dass an diesem Tag die Ahnen zurückkommen, dann ist es nicht eine komplette Verabschiedung. Weil wir wissen, sie kommen wieder irgendwie oder wir sehen uns wieder“, sagt Iván. „Deshalb wird mehr über die Gestorbenen gesprochen, man erinnert sich an Sachen, die man früher gemacht hat, oder Scherze, Anekdoten und so weiter.“

Der Tequila darf nicht fehlen

Der Tag der Toten ist seit 2008 auch UNESCO Weltkulturerbe und auch in München gibt es alle zwei Jahre eine besondere Aktion. Im Museum Fünf Kontinente wird ein sehr großer Altar aufgebaut. Im nächsten Jahr ist es wieder so weit. Heuer steht dafür ein Altar in Iváns Restaurant und zwar einer mit einem speziellen Thema. Er ist dem berühmten mexikanischen Schlagersänger José José gewidmet. Neben seinen Bildern und seiner Musik darf auch Tequila nicht fehlen „weil er das auch sehr gerne hatte“.

Tag der Toten

Der Tag der Toten (Día de los Muertos) gehört zu den wichtigsten mexikanischen Feiertagen. Der Vorstellung nach kommen an dem Tag die Seelen der Verstorbenen aus dem Jenseits zu ihren Geliebten zurück. Es werden für sie große Feiern veranstaltet mit gutem Essen, Musik und Tanz. Die Feierlichkeiten beginnen am 31. Oktober und enden am 2. November. Das Brauchtum wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt und 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit übernommen.

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Tod und Sterben

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