App der Uni Tübingen Tour zu kirchlichen Kriegerdenkmälern

19.11.2020

Die App „Kriegsmäler“ bietet einen Rundgang zu religiösen Kriegerdenkmälern in München. Volontärin Hannah Wastlhuber hat sie getestet und sich auf die Spuren von Krieg und Frieden begeben.

Hannah Wastlhuber probiert die App "Kriegsmäler" aus
Hannah Wastlhuber probiert die App "Kriegsmäler" aus: Die interaktive Karte zeigt alle zwölf Standorte. © SMB/Markota

München – Das erste Denkmal an der Kirche St. Joseph erreiche ich mit der U-Bahn. Außen an der Kirche und größer als erwartet ist es nicht schwer zu finden. In der App höre ich mir den Audiobeitrag an, brauche aber auch den Text zum Mitlesen, weil der anspruchsvolle Inhalt gar nicht so leicht verständlich ist. Das liegt vielleicht auch an der etwas monotonen Stimme des Lesers. Dennoch erfahre ich einiges über die Bedeutung der Inschrift und den eigentlich kriegsbejahenden Sinn des Denkmals.

Die Vielschichtigkeit an Kriegerdenkmäler der Religionsgemeinschaften in München dürfte den meisten unbekannt sein. Die App „Kriegsmäler“ will das ändern: Die Anwendung bietet eine Auswahl kirchlicher Denkmäler aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg an. Acht katholische, zwei jüdische und zwei evangelische Standorte werden näher beschrieben und in ihrer Bild-, Text-, und Symbolsprache gedeutet. Entstanden ist die App im Rahmen des Forschungsprojekts „Katholische Kriegsfriedensdiskurse (1914-/18 – 1939/45). München zwischen kulturellem Pluralismus und ‚Hauptstadt der Bewegung‘“ der Universität Tübingen.

„Kriegsmäler“ ist in den App-Stores von Google und Apple zu finden und hat eine Größe von 30 MB. Das letzte Update war 2019 und laut Entwickler sind auch weiterhin regelmäßige Aktualisierungen geplant.

Es geht weiter Richtung Obergiesing, zum Hochaltarfresko in der Kirche Maria Königin des Friedens. Sie ist gefüllt mit Jugendlichen, die vermutlich gerade Firmvorbereitung haben. Das Hochaltarfresko betrachte ich also nur von hinten. Mit Hilfe der Fotos in der App kann ich mir dennoch ein ausführliches Bild machen.

Die Katholizismusforscherin Dr. Antonia Leugers war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Forschungsprojekt der Uni Tübingen beteiligt. Sie erklärt, dass sie die Forschungsergebnisse nicht nur in Buchform, sondern in einem Format präsentieren wollten, mit dem die Inhalte breiter und per Smartphone „rezipiert werden und generationenübergreifendes Interesse wecken“ könnten. Auch wenn Münchens Vielfalt an religiösen Kriegerdenkmälern keineswegs umfassend erforscht sei, stelle die App einen Anfang mit einigen Beispielen dar. Insgesamt ist „Kriegsmäler“ ist leicht zu bedienen: Die interaktive Karte bietet eine Übersicht über die Standorte, die breit über München verteilt sind. Für die Tour kann man einzelne Denkmäler aussuchen oder einer fertigen Route folgen.

München neu entdecken

Inhaltlich gibt es jeweils es einen Begleittext, historische Abbildungen, aktuelle Fotos und einen Audiokommentar sowie ein ausführliches Nachweisverzeichnis. Letzteres schaue ich mir an meinem dritten Ziel, dem Kriegergedächtnisaltar in St. Johann Baptist, genauer an. In der dunklen Kirche erblicke ich zwar den Gedächtnisaltar auf der rechten Seite, aber nicht sofort das Kriegerdenkmal. Zwischen all den Informationen zur Einweihung, dem Architekten oder dem Material verrät mir aber der Text, wo es sich befindet. Auch hier höre ich mir den Text an und erfahre einiges über diesen Ort, der nicht nur dem Gedächtnis an die Gefallenen sondern auch der Ermutigung zu einem künftigen siegreichen Kampf gewidmet ist. Mit vielen neuen Eindrücken geht es danach hinaus in die mittlerweile dunkel gewordene Stadt.

Wer eine Tour mit der App plant, sollte sich auf jeden Fall Zeit nehmen. Zum einen für den Weg, zum anderen, um die Texte zu lesen und zu verstehen. Die Erklärungen sind lang und wenig strukturiert, aber sehr informativ und gut recherchiert. Die Bilder und Audiobeiträge machen die Inhalte abwechslungsreich und anschaulich. Außerdem ist die App relativ selbsterklärend. Und ein schöner Nebeneffekt ist, nicht nur Kriegerdenkmälern, sondern auch Münchens vielfältige Seiten zu entdecken! (Hannah Wastlhuber)


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