Serie: Auf eine Fastensuppe mit ... „Trainingscamp der Nachfolge“

12.04.2019

Was Generalvikar Peter Beer tagsüber isst, warum er oft den Bischofsspruch von Kardinal Döpfner zitiert und weshalb der Weg eines Christen für ihn oft "über Berge und durch Täler " führt - das alles verrät er in der letzten Folge unserer Serie "Auf eine Fastensuppe mit..."

Generalvikar Peter Beer greift selbst zur Schöpfkelle und legt Florian Ertl die Suppe in der Ordinariats-Kantine vor
Generalvikar Peter Beer greift selbst zur Schöpfkelle und legt Florian Ertl die Suppe in der Ordinariats-Kantine vor © Kiderle

München – Eins vorweg: Von dieser Suppe ist nichts übriggeblieben. Am Ende unseres 45-minütigen Gesprächs in der Kantine des Ordinariats klemmt sich Peter Beer die Terrine unter den Arm, um sie in die Büroräume des Generalvikariats zu überführen: „Für meine Mitarbeiter, damit die auch was davon haben“, wie er lachend hinzufügt. Ob er selbst letztlich auch etwas von der schmackhaften Minestrone verkostet hat, entzieht sich hingegen unserer Kenntnis. Während unseres nachmittäglichen 16.30-Uhr-Treffs – ein anderer dem menschlichen Hungergefühl etwas entgegenkommenderer Zeitpunkt war aufgrund des prall gefüllten und eng vertakteten Terminkalenders des Generalvikars leider nicht möglich – kasteit sich der Verwaltungschef des Erzbistums jedenfalls eisern. Dennoch bedankt er sich persönlich bei den freundlichen Bistro-Mitarbeitern und dem Küchenpersonal für die extra für diesen Pressetermin außerhalb der üblichen Kantinenzeiten gekochte Fastenspeise.
„Nein, leider, ich kann jetzt wirklich beim besten Willen nichts essen“, versichert Beer. Nun, unter solchen Problemen leiden Journalisten im Allgemeinen eher weniger und daher schöpft der Generalvikar umso gastfreundlicher seinem Gegenüber die duftende Suppe in den Teller. Verschiedenste Gemüsewürferl und -rauten von Karotten, Lauch, Champignons und Tomaten schwimmen in der kräftigen Brühe, kleines knuspriges Laugengebäck ergänzt die Mahlzeit. „Eigentlich“, so führt der 53-Jährige fast ein wenig wehmütig aus, „eigentlich mag ich alle Arten von Suppen sehr gern, mit Leberknödeln oder Pfannkuchen, nur bitte keine mit Innereien.“ Jedoch zu dieser Stunde verbietet sich für Beer jede Nahrungsaufnahme, das wäre ungesund und „nur ein Reinessen“. Schlimm genug sei es, dass sein kulinarischer Alltag zumeist aus schnellen Wurstsemmeln, belegten Broten und Häppchen auf Terminen bestehe. Und auch spätabends (beziehungsweise frühmorgens), wenn Beer nach einem ohnehin schon langen und aufreibenden Tag oft noch allein im Büro gearbeitet und dann den kurzen Weg vom Ordinariat bis zu seiner Wohnung zurückgelegt hat, gibt es daheim vielleicht gerade noch eine warme Tütensuppe: „Die schaff’ selbst ich, ich bin kein Koch. Wenn ich Besuch bekomme, dann habe ich Gott sei Dank eine gute Köchin. Da freue ich mich dann wirklich auf ein schönes Essen.“

Es geht um Haltung

In puncto Essen ist also fastentechnisch bei ihm so gut wie nichts zu holen, Fehlanzeige auch beim Alkoholkonsum: „Ich trink fast nix, höchstens mal ein Glaserl Wein.“ Härter trifft den Generalvikar da schon der Verzicht auf Süßes, vor allem auf Obstkuchen oder Ähnliches. Eine verstärkte Abkehr hiervon will er aber nicht mit der 40-tägigen Fastenzeit begründen, hier gehe es nämlich auch um eine generelle Lebenseinstellung, um die Bereitschaft zu Selbstkontrolle, zu so etwas wie Disziplin: „Disziplin heißt immer auch verzichten.“ Dazu gehöre auch jener Verzicht, „immer alles bestimmen und im Griff haben zu wollen“ – erstaunliche Bekenntnisse aus dem Mund des Cheforganisators der Erzdiözese. Beer will auf eine grundsätzliche „Offenheit“ hinaus. Offen werden für sich, für den anderen, für den Nächsten, für Gott. „Man soll einfach stärker über sich und die Welt nachdenken. Die Kirche möchte mit so einer geprägten Zeit immer ein Ausrufezeichen setzen inmitten der Welt.“

Döpfners Bischofsspruch

Langsam wird es immer mehr theologisch, man nimmt sich ein wenig Suppennachschlag, während Beer konzentriert und ruhig fortfährt: „Es geht um die Nachfolge Jesu. Seine Worte und Taten waren eins, das muss man im Blick behalten. Er hat uns dazu selbst aufgerufen.“ Und dann fällt das recht originelle Wort vom „Trainingscamp der Nachfolge“, das man so auch noch nicht gehört hatte. Auch die Kreuzesnachfolge gehöre hierzu. Beer zitiert Kardinal Julius Döpfners Bischofsspruch „Praedicamus crucifixum – Wir verkündigen den Gekreuzigten“. Christsein heiße stets auch „Leid wahrnehmen und annehmen, auch Leid von anderen übernehmen“. Der Weg des Christen sei keine breitspurige Autobahn, es gehe „oft über Berge und durch Täler“, sagt Beer leise.
Spätestens jetzt steht die derzeitige Situation der Kirche mit Missbrauchsskandal und viel Schatten im Raum. Es komme auf die persönliche „Haltung“ im Leben an – ein Kernanliegen Beers, der Begriff fällt mehrfach. „Leben verändert sich meistens nur durch Haltung. Diese muss ich immer und immer wieder für mich selbst überprüfen und hinterfragen, sonst wird sie entweder zu Starrsinn oder zu Hochmut. Vor allem, wenn wir eine Kirche sind, die den Menschen sagt, was und wie sie sein sollen, ohne uns aber selbst an unseren eigenen Worten zu messen.“
Die Fastenzeit solle somit für jeden Christen über die 40 Tage hinaus vor allem eins sein: alltagsprägend – was das Wahrnehmen von eigenen Fehlern und Fehlverhalten betrifft, das eigene soziale Engagement und die persönliche Spiritualität: „Reden und Tun sollten schon zusammenpassen.“

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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