Verlust eines geliebten Menschen Trauern in Corona-Zeiten

28.03.2020

Trauernden tut es gut, nicht allein zu sein. Jetzt muss man für Trauerbegleitung neue Wege finden.

Mann sitzt mit angezogenen Knien und mit den Händen über dem Kopf auf einem Bett
Die Corona-Krise macht es schwieriger, trauernden Menschen echte Anteilnahme zukommen zu lassen. © kwanchaift - stock.adobe.com

"...und weint mit den Weinenden", so lädt der Heilige Paulus die Gemeinde in Rom zum Mitleiden mit den Trauernden ein. Jeder der einen lieben Menschen verloren hat, weiß wie weh das tut. Der Schmerz über den Verlust von Nahestehenden sitzt tief und es braucht oft lange, bis Trauende wieder ins Leben zurück finden. Wie im Bibelvers aus dem Römerbrief deutlich wird, helfen bei der Trauerbewältigung vor allem liebe Menschen, die begleitend, tröstend, unterstützend und mitleidend zur Seite stehen. Sie gehen den Weg durch die verschiedenen Trauerphasen mit und helfen den Trauernden langsam wieder in ihren Alltag zurück zu kommen. 

Doch durch die Corona-Krise ist plötzlich alles anders. Menschliche Begegnungen sind gerade für alte Menschen nicht sinnvoll, ja sind sogar untersagt. Das macht es Trauernden noch viel schwerer, mit dem Thema Tod eines nahen Menschen fertig zu werden.  

Fehlende Stützen

Es beginnt schon bei der Beerdigung. Wenn viele Verwandte, Freunde und Nachbarn zum Begräbnis zusammen kommen, dann ist das eine Würdigung und Wertschätzung des Verstorbenen. Die Trauergäste sind zusätzlich eine Stütze für die engsten Hinterbliebenen. Zurzeit finden Beerdigungen ausschließlich im engsten Familienkreis mit maximal zehn Personen ohne Trauerfeier oder Requiem statt. Die direkten Angehörigen haben dadurch häufig den Eindruck, ihre Verstorbenen würden der "letzten Ehre" beraubt, die am Grab nicht erwiesen werden kann.

Für Freunde, Nachbarn oder entferntere Verwandte ist die Situation ebenfalls nicht einfach: Sie würden gerne beim Begräbnis Abschied nehmen und begleitend dabei sein. Tatsächlich geht das aber nicht und sie wissen nicht wohin mit der Trauer. Und der anschließende traditionelle Leichenschmaus muss zurzeit ausfallen, was die Vereinsamung und Isolation der Hinterbliebenen noch verstärkt. 

Nach den Tagen des Abschiednehmens und des Begräbnisses kommt dann auch ohne Corona-Krise für die trauernden Angehörigen eine schwierige Phase: Es wird stiller, man hat viel Zeit zum Nachdenken, zum Grübeln; die Gefahr des sich Isolierens ist in dieser Zeit groß. Menschliche Begegnungen in der eigenen Familie, mit Freunden oder Nachbarn helfen den Tod des Nahestehenden zu verarbeiten. 

Neue Wege finden

Was also tun in Corona-Zeiten, wenn vieles, was im Trauerprozess hilfreich ist, nicht umgesetzt werden kann? Ich glaube, wir dürfen und müssen kreativ werden und alle gemeinsam überlegen, wie wir Trauernden beistehen können. Niemand hat eine solche Situation bisher erlebt, es gibt noch keine Erfahrungswerte. Umso wichtiger ist es, dass wir alles Erdenkliche nutzen, um Trauernde nicht allein zu lassen.

Das kann das ganz einfache Gespräch am Telefon sein. Vielleicht erlebt auch der fast ausgestorbene Brief wieder eine Renaissance. Briefe schreiben ist mühsamer und aufwendiger als schnell zum Telefon zu greifen. Genau deshalb bringt es aber die Wertschätzung und Liebe zum Ausdruck, die wir vermitteln wollen. Kinder können Bilder malen oder für die Oma etwas basteln. 

Viele von uns haben oft über die sozialen Kommunikationsmittel geschimpft. Facebook, WhatsApp und Konsorten machen das Leben oft schnell und bleiben oberflächlich. Doch gerade jetzt in Corona-Zeiten leisten sie ungeahnte, wichtige Dienste. Ein Telefongespräch wird gleich viel mitfühlender, wenn wir über Skype oder ähnliche Anbieter sprechen und den anderen auch sehen. Über Messenger-Dienste können Fotos, kleine Videos oder Sprachnachrichten gesendet werden. Ich habe ein berührendes Video einer Familie mit drei Kindern gesehen, die ein Lied singen und das an die Oma schicken, die so traurig allein zuhause ist.

Mit etwas Kreativität kann da viel Begegnung und Nähe den trauernden Menschen vermittelt werden. Freilich ist das virtuelle Trösten anders als das echte, physische in den Arm nehmen. Doch bevor wir passiv einfach nichts tun, ist es allemal besser alle Möglichkeiten zu nutzen, die uns einfallen, um den Trauernden nahe zu sein. 

Echte Anteilnahme

Eines ist dabei aber sicherlich unabhängig von den Corona-Zeiten zu bedenken. Trauernde spüren sehr schnell, wenn wir sie nur billig vertrösten wollen. Was spendet wirklich Trost und was sind nur oberflächliche Floskeln? Oft wollen wir Mut und Hoffnung zusprechen, doch die trauernde Person ist noch gar nicht empfänglich dafür. Sie kann das ständige Reden von Auferstehung und neuer Hoffnung nicht ertragen, der Schmerz über den Verlust ist zu groß. Da müssen gerade auch wir Seelsorger immer wieder aufpassen.

Wichtig ist es in diesen Trauerphasen einfach da zu sein und sei es "nur" am Telefon. Zuhören, vielleicht auch mal ein Schweigen aushalten, sind wichtiger als schnell eigene, schlaue Ratschläge zu geben. Helfen kann uns da abschließend wieder der Rat des Heiligen Paulus: Weint mit den Weinenden! Und da ist es dann nicht so wichtig, ob wir dabei neben dem Trauernden sitzen oder in anderer Form echte Anteilnahme zeigen. (Markus Zurl, Pfarrer im Pfarrverband Gräfelfing)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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