Asien Traunsteiner Arzt leistet medizinische Hilfe in Myanmar

27.11.2017

Papst Franziskus besucht in dieser Woche Myanmar. Der Hals-Nasen-Ohrenarzt, Eberhard Biesinger, leistet dort schon seit sieben Jahren medizinische Hilfe. Er hat viele Veränderungen seit Beginn der Demokratisierung beobachten können.

Hals-Nasen-Ohrenarzt Eberhard Biesinger schult in Myanmar seine Kollegen.
Hals-Nasen-Ohrenarzt Eberhard Biesinger schult in Myanmar seine Kollegen. © privat

Myanmar/Traunstein – Wenn Papst Franziskus in dieser Woche Myanmar besucht, dann wird der Hals-Nasen-Ohrenarzt Eberhard Biesinger die Ereignisse sicher gespannt verfolgen. Denn der Traunsteiner kennt das Land sehr gut. Seit 2010 fliegt er einmal pro Jahr mit einem ganzen Operationsteam und rund 280 Kilo medizinischem Gepäck dorthin, um Ohrenoperationen durchzuführen, die im Land bisher kaum möglich waren. Die Entzündungen, die er operiert, können ohne Behandlung bis ins Gehirn weitergehen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Daneben bildet er die Kollegen im Land weiter, denn er will nachhaltig helfen. Gerade ist er wieder von einer Reise zurückgekommen. „Wegen des Boykotts hatten die Kollegen dort kaum Instrumente,“ erklärt Biesinger. Gleich nach seinem ersten Einsatz hat er deshalb medizinisches Gerät gekauft und in das Land gebracht.

Konflikt um die Rohingyas

Seit er zum ersten Mal dort war, hat sich vieles im Land verändert. Denn zeitgleich hat die Demokratiebewegung in Myanmar Fahrt aufgenommen. 2011 gab es die ersten demokratischen Wahlen. „Den Leuten geht’s absolut besser, auch das Gesundheitswesen etabliert sich, “ schildert Biesinger seine Beobachtungen. Außerdem kämen ausländische Firmen ins Land um zu investieren. „Allein das Straßenbild hat sich geändert. 2010 waren die Straßen gesäumt von Zeltbehausungen. Die Leute haben sich an Brunnen gewaschen und haben versucht als Tagelöhner irgendwie voranzukommen. Die sind jetzt alle weg,“ stellt er fest. Und zwar nicht, weil sie vertrieben wurden, sondern weil es den Menschen wirklich bessergehe. Das erzählten auch die burmesischen Kollegen von Biesinger.

Wie die Einheimischen den Konflikt um die Rohingyas sehen, das kann er hingegen nicht eindeutig sagen. Zum einen höre er dort ähnliche Argumente wie in Deutschland, wenn es um Flüchtlinge geht. Zum Beispiel, dass sich die Rohingyas nicht integrieren wollten, dass sie sehr jung zwangsverheiratet würden dann viele Kinder bekämen und somit immer mehr würden. Andererseits forderten die Rohingyas aber auch einen eigenen Staat. „Die Menschen, mit denen ich rede, bekommen einerseits die Informationen durch die Regierung, die den Rohingyas selbst die Schuld an ihrer Lage gibt, andererseits lesen sie im Internet die Berichte von Gräueltaten gegen die Flüchtlinge,“ versucht Biesinger die zwiespältige Situation zu erklären. Außerdem gebe es radikale buddhistische Mönche, die Stimmung gegen die muslimische Minderheit mache. Zum Buddhismus bekennen sich 87% der Bevölkerung. Papst Franziskus trifft sich auf seiner Reise mit dem Leitungsrat der Buddhisten in Myanmar, der sich für ein friedliches Zusammenleben der Religionen einsetzt.

Tourismus als Wirtschaftsfaktor

Die Region, in der die Rohingyas leben, sei auch politisch interessant. Die Chinesen hätten dort gerne einen Zugang zum Golf von Bengalen und würden auch gerne eine Gaspipeline verlegen. Die Burmesen dagegen wollen keinen Einfluss der Chinesen im Land, ebenso wenig wie die Amerikaner. Überhaupt sei das Land Ziel vieler Begierden, denn es gibt dort viele Rohstoffe. „Ich bin einmal mit einem Geologen geflogen, der beim Blick aus dem Fenster sagte, er könne schon von oben sehen, dass er dort Gas und Öl gebe.“ Außerdem werden im Norden des Lands Edelsteine höchster Qualität abgebaut. Auch Drogen sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Doch in diese Gebiete kommt kein Tourist, auch nicht der Mediziner Eberhard Biesinger.

Myanmar als Reiseziel könne er aber uneingeschränkt empfehlen, sagt Biesinger. Denn der Tourismus sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. „Inzwischen sind viele Menschen vom Tourismus abhängig.“ Und das Geld gehe in die richtigen Hände: „Das sind nicht nur die Hoteliers, das geht runter bis zum kleinsten Bauern oder Fischer, der davon profitiert, dass seine Ware abgenommen wird.“ Durch den Rohingya-Konflikt sei der Tourismus jetzt um 30 bis 40% eingebrochen. Das führe zu Existenzängsten und Schuldzuweisungen. Diese Spirale könne nur durchbrochen werden, wenn weiter Urlauber ins Land kämen. Und wenn die Touristen auch den Kontakt zu Einheimischen suchten und nicht nur im Fünfsternehotel blieben, dann schaffe das auch Frieden und Verständigung.

Programmhinweis
Ein ausführliches Gespräch mit Eberhard Biesinger können Sie in unserer Sendung „Hauptsache Mensch“ im Münchner Kirchenradio hören, und zwar am Montag, Mittwoch und Freitag, jeweils von 10 bis 12 Uhr, 15 bis 17 Uhr und 22 bis O Uhr.

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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