Bücherei-Jubiläum Treffpunkt zum Verweilen

25.11.2019

Die Gemeindebücherei Gars am Inn feiert ihr 100-jähriges Jubiläum und punktet mit familiärem Ambiente.

Gabi Bacher leitet seit zehn Jahren die Gemeindebücherei in Gars am Inn.
Gabi Bacher leitet seit zehn Jahren die Gemeindebücherei in Gars am Inn. © Huckemeyer

„Männer haben bei uns noch nie Führungspositionen eingenommen“, schmunzelt Gabi Bacher, die seit zehn Jahren an der Spitze der Gemeindebücherei in Gars am Inn (Dekanat Waldkraiburg) steht. Und diese Bücherei lädt jetzt zu einem stolzen Jubiläum ein. Am Samstag, 23. November blickt das „Bücherhaus“ nämlich auf sein 100-jähriges Bestehen zurück.

Frühe Geburtsstunde

Die Leitung dieser Einrichtung liegt von Beginn an ausnahmslos in Frauenhand. Allerdings stammte die Anregung, in Gars den „katholischen Preßverein für Bayern“ ins Leben zu rufen, von einem Mann. Es war Vikar Pater Heni, der bereits ein Jahr nach Ende des ersten Weltkrieges in dieser Richtung tätig wurde. Die Gründungsversammlung beim ehemaligen Hofwirt im Jahre 1919 gilt daher als die Geburtsstunde der Volksbücherei, wie sie seinerzeit hieß.

Der „Katholische Preßverein für Bayern“, überregional bereits 1901 gegründet, wurde 1934 in Sankt Michaelsbund (SMB) umbenannt. Dahinter steht das katholische Medienhaus für die Erzdiözese München und Freising. Für die Garser Bücherei, die eng mit dem SMB verbunden ist, treten die Pfarrkirchenstiftung und die Gemeinde als Trägergemeinschaft auf.

Die Gemeindebücherei wechselte im Laufe der Zeit einige Male ihren Standort. Seit 1984 können die 18 Teilzeit-Mitarbeiterinnen in großzügigen Räumlichkeiten des Pfarrheims (Hauptstaße 41) Bücher, CDs, Hörbücher und Zeitschriften an alle Interessierten verleihen. Derzeit besuchen rund 600 angemeldete Leser regelmäßig die Bücherei. Das Angebot nutzen nicht nur Garser Bürger, sondern auch Leseratten aus der Umgebung.

Familiärer Stempel

Im Gründungsjahr mussten die Mitglieder der Bücherei zwei Mark Jahresbeitrag entrichten sowie pro Buch und Woche zusätzlich zehn Pfennig für die Ausleihe bezahlen. Heute kostet der Jahresbeitrag 14 Euro. Diese Summe beinhaltet die komplette Familie. Papa, Mama und Kinder können so das ganze Jahr über unter den rund 131.000 bereitstehenden Medien nach Lust und Laune ihre Favoriten auswählen. Es fallen keine weiteren Gebühren an. Bacher ist es wichtig, der Bücherei nicht nur einen geordneten, sondern hauptsächlich auch einen familiären Stempel aufzudrücken. „Die Leute sollen sich bei uns wohlfühlen“, lautet das Credo des Teams. Die Atmosphäre stimmt und die Buchauswahl ebenfalls.

Heimatkrimis gingen nach wie vor weg wie die warmen Semmeln, erzählt die Leiterin, die selber lieber zu Sachbüchern greift. E-Books sucht man in der Garser Bücherei übrigens vergeblich. Und das hat seinen Grund, wie Bacher erläutert: „Unsere Bücherei soll ein gemütlicher Treffpunkt bleiben, der zum Verweilen einlädt. Bei uns wird noch in Büchern geblättert und nicht hektisch über ein elektronisches Buch gewischt. Wir haben kein WLAN und vermissen es auch nicht“. Das Bibliotheksprogramm lässt sich konsequenterweise auch nicht im Internet nachschlagen.

Selber vorbeischauen und in den Regalen schmökern, lautet hier die Devise. Am Ausleihe-Tresen steht zwar ein Computer, doch davon abgesehen hat sich die Bücherei den Charme erhalten, den man durchaus in Richtung Nostalgie schieben könnte. Die Bücherei öffnet am Donnerstag (16.30 bis 19 Uhr) sowie am Sonntag (9 bis 11.15 Uhr) ihre Pforten. Schul- und Kindergartenausleihe kommen extra dazu. Für Kinder haben die Bücherei-Damen sowieso ein großes Herz. Da gibt es immer wieder Vorlese- und Bastelstunden, damit sich schon die Jüngsten mit Geschichten und Büchern anfreunden können. (Ursula Huckemeyer)


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