Verleihung Bundesverdienstkreuz Trotz Kritik: Steinmeier hält an Auszeichnung für Kardinal Marx fest

26.04.2021

Am Freitag wird der Münchner Kardinal Reinhard Marx mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln hat daran große Kritik geäußert. Das Bundespräsidialamt rechtfertigt die Ehrung.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx wird mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. © IMAGO / Jens Schicke

Berlin – Das Bundespräsidialamt hält an der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den Münchner Kardinal Reinhard Marx fest. Marx habe sich als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz in besonders profilierter Weise für Gerechtigkeit und Solidarität in der Gesellschaft eingesetzt, sagte eine Sprecherin am Sonntag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. "Er hat sich für die Aufnahme von Geflüchteten eingesetzt, ist Populismus und Hetze entgegengetreten und hat zur Hilfe für Bedürftige in Deutschland und der Welt aufgerufen - unabhängig von Herkunft und Religion."

Mittler zwischen Kirchen und Gesellschaft

In einer Zeit zunehmender Polarisierung habe der Münchner Erzbischof damit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Vermittlung zwischen Kirche und Gesellschaft beigetragen, so die Sprecherin weiter. Am Freitag hatten Betroffene sexuellen Missbrauchs in der Kirche wegen der Rolle des Kardinals bei der Aufklärung von Missbrauch gegen die Auszeichnung protestiert. In einem Offenen Brief forderte der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln den Bundespräsidenten auf, die Ehrung des Kardinals nicht vorzunehmen.

Das Bundespräsidialamt erklärte dazu, Steinmeier habe seine Erwartungen zur Aufklärung des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche klar formuliert. "Dass Institutionen wie die katholische Kirche jahrzehntelang den Mantel des Schweigens über tausendfachen Missbrauch ausgebreitet haben und Kinder und Jugendliche meist allein und ohne Unterstützung standen, hat der Bundespräsident in seiner Rede anlässlich der Auszeichnung von Matthias Katsch und Pater Klaus Mertes kritisiert", so die Sprecherin. Zugleich habe Steinmeier an die katholische Kirche und weitere Institutionen, in denen Kinder und Jugendliche Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind, die Aufforderung gerichtet, Konsequenzen zu ziehen.

Betroffenenbeirat: Ehrung ist „nicht verständlich“

Steinmeier hatte am 8. April bei der Auszeichnung der beiden bundesweit bekannten Missbrauchsaufklärer, Jesuitenpater Klaus Mertes und Matthias Katsch, erklärt: "Eine Straftat verlangt Aufklärung. Und sie verlangt strafrechtliche Verfolgung. Es muss verhindert werden, dass derselbe Täter an immer neuen Orten immer neue Opfer findet. Gutes Zureden und Forderungen nach individueller Buße reichen nicht aus. Solche Fälle dürfen nie wieder nur als innere Angelegenheiten der betroffenen Institutionen, auch nicht der Kirchen, behandelt werden."

Der Betroffenenbeirat hatte in dem Offenen Brief erklärt, es sei "nicht verständlich", dass Marx die Ehrung erhalten solle, weil dieser "nach wie vor in der Kritik steht, Fällen sexualisierter Gewalt in seinem früheren Bistum Trier nicht konsequent nachgegangen zu sein und dem man in diesem Zusammenhang Vertuschung vorwirft". Darüber hinaus wird Marx in dem Brief vorgeworfen, er halte ein Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum München und Freising, das 2010 habe veröffentlicht werden sollen, unter Verschluss.

Vorsitzender erwägt Rückgabe seines Ordens

Die angekündigte Ehrung stelle "alles in Frage, wofür wir kämpfen und arbeiten", heißt es in dem Schreiben, das Peter Bringmann-Henselder für den Betroffenenbeirat unterzeichnet hat und das nach seinen Angaben von den übrigen Mitgliedern abgezeichnet wurde. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Marx, der von 2014 bis 2020 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz war, ist für Freitag geplant.

Der Betroffenenbeirat erklärte, falls das Staatsoberhaupt Marx das Bundesverdienstkreuz trotzdem verleihe, sollten alle, "die für ihre Verdienste um die Opfer sexualisierter Gewalt bereits das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen haben, dieses zurückgeben". Bringmann-Henselder verwies darauf, dass er selber Träger des Bundesverdienstkreuzes ist. Er werde diesen Orden zurückgeben, sollte es zur Verleihung an Marx kommen. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
© IMAGO / Metodi Popow

Steinmeier respektiert Verzicht von Marx auf Verdienstorden

Nach einem gemeinsamen Telefonat wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Kardinal Reinhard Marx am Freitag nicht mit dem Bundesverdienstkreuz ehren. Missbrauchsbetroffene begrüßen die...

28.04.2021

Kardinal Reinhard Marx
© Harald Oppitz/kna
© imago

Marx bittet Steinmeier Auszeichnung nicht vorzunehmen

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich in einem Brief an den Bundespräsidenten gewandt. Darin bittet er die Auszeichnung mit dem Verdienstorden nicht vorzunehmen. Zuvor gab es Kritik von...

27.04.2021

zwei Hände die sich halten
© patila - stock.adobe.com

Marx: Miteinander von Juden und Christen stärker sichtbar machen

In einer Videobotschaft sprach Kardinal Marx von der Bedeutung des Judentums für die Glaubensgeschichte des Christentums. Gleichzeitig warnte er vor der Gefahr des Antisemitismus.

26.04.2021

© imago images_Independent Photo Agency Int.

Wie katholisch ist Armin Laschet?

Mit Armin Laschet könnte ein bekennender Katholik im Herbst Kanzler werden. Was das für die zukünftige Regierungspolitik bedeutet, hat MKR-Redakteur Paul Hasel für uns untersucht.

22.04.2021

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising
© Imago/photothek

Kardinal Marx erhält Bundesverdienstkreuz

Der Erzbischof von München und Freising wird mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern geehrt, wie das Bundespräsidialamt in Berlin mitteilte.

22.04.2021

Blick in die Münchner Frauenkirche, vorne Kardinal Reinhard Marx
© Kiderle

Neue Wege für die Kirche suchen

Kardinal Reinhard Marx hat mit Mitwirkenden der sechs Arbeitsgruppen des Gesamtstrategieprozesses der Erzdiözese München und Freising einen Gottesdienst gefeiert. Mit der Osterbotschaft machte er Mut...

16.04.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren