Ausstellungseröffnung Tugendreich - Neue Zeiten. Alte Werte?

30.05.2020

Am Pfingstsamstag öffnet die neue Ausstellung im Kloster Beuerberg ihre Pforten für Besucher. Die Coronakrise hat das diesjährige Thema topaktuell gemacht.

Schild „Tugend kann zum Laster werden.“ im Kloster Beuerberg.
Dank Hygienekonzept kann die Ausstellung trotz Corona eröffnet werden. © Kiderle

Eurasburg – An vielen Ecken wird gehämmert, geschweißt, montiert, gestrichen. Die Vorbereitungen für die Öffnung der diesjährigen Ausstellung im Kloster Beuerberg bei Eurasburg liefen die letzten Tage auf Hochtouren, damit am 30. Mai die ersten Besucher kommen können. 

Zum fünften Mal ist das ehemalige Kloster der Salesianerinnen Schauplatz für eine umfassende Ausstellung über Aspekte des Ordenslebens. Die Schau widmet sich dem Kernthema des klösterlichen Lebens, nämlich den Tugenden. Sie trägt den zunächst etwas verstaubt anmutenden Titel „Tugendreich“. Dahinter verbirgt sich jedoch die topaktuelle Frage, nach welchen Werten man sein Leben ausrichten will.

Corona rückt Tugenden in den Fokus

"Diese Frage ist durch die Coronakrise wieder in den Mittelpunkt gerückt“, erläutert Dr. Christoph Kürzeder, der Direktor des für die Ausstellung verantwortlichen Diözesanmuseums Freising. „In den letzten Monaten musste sich jeder von uns mit dem Thema beschäftigen, was wirklich relevant ist für das eigene Leben. Und wir mussten und müssen uns damit auseinandersetzen, welche Herausforderungen auf unsere Gesellschaft zukommen.“ 

Die Entwicklungen der letzten Wochen, die bei der Planung der Ausstellung noch nicht absehbar waren, haben die menschlichen Tugenden in den Fokus Vieler gerückt. Für das Klosterleben ist das Einlassen auf die Tugenden essenziell. Die Ordensleute legen bei der Ewigen Profess ein öffentliches Gelübde ab, dass sie ihr Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam verbringen werden. Wegen des Bezugs zum Evangelium nennt man diese drei Tugenden auch Evangelische Räte. Daneben spielen in der Ausstellung die christlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung sowie die Kardinalstugenden Weisheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Mäßigung eine wesentliche Rolle. 

Tugend und Laster

„Die Besucher sollen sich mit diesen Begriffen auseinandersetzen und überlegen, welche Bedeutung diese Tugenden für das eigene Leben haben“, erläutert Christoph Kürzeder. Den ersten Denkanstoß erhält man bereits vor der Klosterpforte. Im Innenhof verweist eine Hand auf einem großen Schild in Richtung Eingang. Darauf ist zu lesen: „Tugend kann zum Laster werden.“ Auch im Inneren wird man an interaktiven Stationen immer wieder zur intellektuellen Auseinandersetzung mit den Tugendbegriffen angeregt.

Eine ehemalige Klosterzelle, auf deren Türrahmen der Begriff „Gerechtigkeit“ steht, wurde beispielsweise zu einem Gerichtsraum umgebaut. Die Besucher können dort Platz nehmen und sich selbst über authentische Rechtsfälle, die auf einem Display beschrieben werden, ihr Urteil bilden. Dabei erfährt man: Es ist gar nicht so einfach, Recht zu sprechen und Gerechtigkeit walten zu lassen. 

In einem anderen Raum befinden sich Miniaturen von typischen Klosterräumen, die für eine Tugend stehen. Die Hauskapelle beispielsweise ist ein Symbol für die Gottesliebe. In einem Klostergang stößt der Besucher auf Stelen mit Tugendbegriffen. Auf den Rückseiten sind die Laster, die sich aus einer überzogenen Anwendung dieser Tugenden ergeben können: den positiven Begriffen wie Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit stehen zum Beispiel Eigenschaften wie Hochmut, Neid und Geiz gegenüber. Damit wird deutlich: Jede Tugend kann auch ins Laster kippen. 

Lebensweg aus zwei Richtungen

Die Ausstellung trägt den Untertitel „Neue Zeiten, alte Werte“ und macht damit deutlich, dass echte Werte und Tugenden die Zeiten überdauern. Die Präsentation kann man in zwei Richtungen begehen. Entweder man nimmt den Tugendpfad, auf dem die einzelnen Werte beschrieben sind, und verfolgt einen Weg, der mit dem Tod endet. Oder man rollt die Sache von hinten auf und beginnt mit dem Lebensende. In einer Nische sind Totenköpfe versammelt, die uns deutlich machen, wohin jedes Leben führen wird, egal ob tugendhaft oder nicht. 

Die vielfältigen Exponate dieser Ausstellung stammen im Wesentlichen aus der reichhaltigen Sammlung von Kloster Beuerberg, es sind nur wenige Stücke aus Fremdbeständen hinzugefügt worden. Sowohl für die Fans von Kloster Beuerberg als auch für die Besucher, die zum ersten Mal kommen, bietet diese Schau viele überraschende Momente. Es lohnt sich also, wieder einmal einen Ausflug zum ehemaligen Ordenshaus der Salesianerinnen zu machen. (Petra Altmann)

Die Ausstellung ist vom 30. Mai bis 1. November 2020 von Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. 

Auf Grund des notwendigen Hygienekonzepts sind nur 70 Besucher gleichzeitig in der Ausstellung erlaubt. Mund- und Nasenschutz sind erforderlich. Es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregelungen. 

Tickets für Erwachsene € 6,--, für Senioren € 4,--, Kinder und Jugendliche frei. 


Das könnte Sie auch interessieren

Wie von Künstler Christo verhüllt: Die Fassade des Freisinger Diözesanmuseums
© Freisinger Diözesanmuseum/Thomas Dashuber

Dieses Denkmal ist ein Geschenk

Bis 2022 wird das Freisinger Diözesanmuseum noch saniert. mk online hat einen exklusiven Einblick in die Baustelle bekommen.

13.09.2020

Die Apotheke im Kloster Beuerberg
© Kiderle

Ordensschwestern kennen die Schätze der Natur

Im Garten des Kloster Beuerberg lässt sich nicht nur gut entspannen, sondern auch Kräuter finden. Schon vor vielen Jahren haben die Salesianerinnen sie genutzt und so manch ein geheimes Rezept...

28.08.2020

Stadtmuseum vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Landsberg am Lech
© imago

Unterschätzte Kultur- und Freizeiteinrichtungen

1200 nichtstaatliche Museen hat Bayern zu bieten. Der Freistaat berät sie durch eine Landesfachstelle. Deren neuer Leiter Dr. Dirk Blübaum erläutert im Interview die Bedeutung regionaler und oft auch...

17.08.2020

Pater Franziskus Jordan
© Deutsche Provinz der Salvatorianer

Orden freut sich auf Seligsprechung

Fast 80 Jahre hat der Seligsprechungsprozess für Pater Franziskus Jordan gedauert. Ein jetzt bestätigtes Wunder bringt ihn zum Abschluss.

28.07.2020

Einsiedelei am Kloster Maria Eck
© SMB/Fleischmann

Einsiedelei in Zeiten von Corona

Das Kloster Maria Eck im Chiemgau bietet Besinnungstage in einer Walderemitage an. Gerade die Coronakrise gibt dieser Isolation eine neue Bedeutung.

08.06.2020

Kloster Ettal
© Matthias Fend

650 Jahre Kirchweih in Ettal

Vom 31. Mai bis zum 18. Oktober 2020 widmet das Kloster Ettal der Kirchweihe aus dem Jahr 1370 sowie der Erhebung zur Basilika Minor im Jahr 1920, zwei ganz besonderen Jubiläen, eine...

03.06.2020

© Imago Images/ imagebroker

Reliquien aus aller Welt

Nicht nur in katholischen Hochburgen wie Rom sind Reliquien zu bewundern. Auch das Erzbistum München und Freising ist im Besitz einiger beeindruckender Andenken.

27.05.2020

Logo "kunst-netz-werk"
© kunst-netz-werk

Ein ökumenisches Kunstprojekt im Internet

Galerien und Museen sind wegen Corona geschlossen. So muss auch die Kunst neue Wege zu den Menschen finden. Die katholische und evangelische Kirche macht dafür gemeinsame Sache.

06.04.2020

© Ingens-Defregger

Kunst „für die Ewigkeit“

Susanne Wagner gestaltet als freie Künstlerin unter anderem Innenräume von Münchner Kirchen. Neben Sternen kommen dafür auch Tomaten zum Einsatz.

16.03.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren