Nichts ist Zufall TV-Serienstar Lutz Herkenrath hilft Menschen, ihre eigene Ausstrahlung zu erkennen

29.01.2019

Schauspieler, Coach und Vortragsredner - eine ungewöhnliche Kombination. Für Lutz Herkenrath aber Berufung.

Schauspieler, Coach und Vortragsredener Lutz Herkenrath © Herkenrath LIVE GmbH

Einem Mann wird viel verziehen, eine Frau muss perfekt sein“ – harte Worte aus dem Mund von Coach Lutz Herkenrath. Aber es ist nicht seine Meinung, sondern die von vielen Frauen. Denn, so fährt Herkenrath fort, dass wir in Deutschland so wenig Frauen in der Chefetage haben, läge nicht an den Männern, sondern den Frauen selbst: „Frauen sehen sehr kritisch auf andere Frauen, die aufsteigen, gönnen ihnen den Erfolg nicht und suchen Fehler“.

Vom Schauspieler zum Coach

Zu seiner „Berufung“ kam der in Hamburg lebende Coach und Buchautor Herkenrath nicht früh. Eigentlich ist er Schauspieler – und gar kein unbekannter: Die Rolle als etwas schrulliger Marktleiter in der RTL- Comedyserie „Ritas Welt“ machte ihn anfang des neuen Jahrtausends berühmt. Aber auch Theaterproduktionen, Rollen im Tatort und anderen bekannten Serien und Filmen sowie das Einsprechen vieler Hörbücher trugen zum Erfolg bei. Sein Weg dahin war klassisch: Auf der Schulbühne entdeckte er seine Leidenschaft fürs Theater und dann studierte er an der Schauspielschule in München.

2005 frage ihn ein Kollege, ob er ihn nicht bei Coachings zur „Peperoni-Strategie“ unterstützen könnte. Es sollte darum gehen, natürliche Aggression konstruktiv einzusetzen. Ein gefragtes Thema, der Kollege konnte sich vor Vortragsanfragen nicht mehr retten und bat Herkenrath um Unterstützung. „Nein“, sagte der gut beschäftige Schauspieler damals, „Manager bespaßen brauche ich so dringend wie Kopfschmerzen.“ Aber der Kollege blieb hartnäckig und irgendwann willigte der Schauspieler ein, es einmal zu versuchen. Eigentlich nur um zu beweisen, „dass das wirklich gar nichts für mich ist“, sagt der heute 58-Jährige. Doch nach nur einem Mal war Herkenrath Feuer und Flamme und sich sicher. „Das ist es, was ich machen möchte.“ Seitdem gibt er Coachings und hält Vorträge, in denen es um Durchsetzungskraft und Auftreten geht – nicht nur für Frauen. Bühnenerfahrung hat er genug, und die ist es, was seine Veranstaltungen von vielen anderen unterscheidet. Herkenrath springt über die Bühne, liegt am Boden, schneidet Grimassen. Zeit zum Gähnen oder gar Augenschließen bleibt den Zuhörern da nicht.

Aber es ist nicht nur die Darstellung, die alle mitreißt – Herkenrath weiß, worüber er redet. Dass er sich so gut in andere Menschen einfühlen kann, genau spürt, woran es ihnen mangelt, führt er selbst auf eine Lebenskrise zurück. „So mit 25, 30 Jahren habe ich viele Jahre Therapie gebraucht. Ich hatte zwar große Erfolge auf der Bühne, wusste aber mit mir selbst eigentlich nichts anzufangen. Ich hatte blinde Flecken, die waren so groß wie halb Europa. Diese Arbeit damals an mir selbst, hilft mir jetzt sehr viel in der Arbeit mit anderen Menschen.“ Der Schauspieler, Coach und Vortragsredner strahlt, wenn er erzählt, wie er vielen hilft ihre Durchsetzungskraft und Ausstrahlung zu entdecken. Er ist ein Trainer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der sofort das ausspricht, was er denkt. „Ich glaube, ich bin ein Mensch, der ist schamfrei und das ist für diesen Job gut“, sagt er. Seine offene direkte Art merkt man auch beim Lesen, seines Ratgebers Buch „Böse Mädchen kommen in die Chef-etage“, das ein Bestseller wurde.

Sein beruflicher Werdegang von der Schulbühne zum Schauspieler und dann zum Vortragsredner, Coach und Autor scheint durch viele zufällige Begegnungen entstanden zu sein. Herkenrath selbst ist aber vom Gegenteil überzeugt. Er ist sich sicher, dass alles nicht zufällig passiert sei, dass überhaupt im Leben nichts zufällig passiere. „Alles was uns begegnet, ist eine Aufgabe“, erklärt er, „Manche Menschen rennen vor ihrer Aufgabe weg – aber das nutzt nichts, eine Aufgabe verfolgt einen.“

Lutz Herkenrath war zu Gast in der Talksendung Hauptsache Mensch im Münchner Kirchenradio. Hier finden Sie den Podcast.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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