Gängige Vorurteile Typisch katholisch?

02.08.2017

Katholiken haben es nicht leicht. Oft müssen sie sich für ihren Glauben und für ihre Kirche rechtfertigen. Ein augenzwinkernder Blick auf einige gängige Vorurteile, was wirklich dahintersteckt und wie man sie am besten entkräftet.

Und so sieht unser Karikaturist Papan die Sache mit den Frauen und der Kirche. © Papan

„Nach der Beichte ist alles gut“

Da haben es die Katholiken doch gut, mag sich so manch einer denken. Schlagen sie einmal über die Stränge, trinken zu viel Bier, kennen am Buffet kein Maß mehr, feiern wild und lang und bleiben am Sonntag lieber im Bett, anstatt in der Kirchenbank zu hocken, dann beichten sie einfach. Doch ganz so einfach ist es nicht. Wir Menschen sündigen. Alle. Ständig. Die großen und kleinen Laster des Alltags holen jeden ein – davor ist auch ein getaufter Katholik nicht gefeit. Und ja, spürt ein Katholik, dass er schlecht gehandelt hat, dann steht ihm der Weg zum Beichtgespräch offen. Die Voraussetzung aber: Er muss bereuen und beteuern, nicht erneut sündigen zu wollen. Und zwar ehrlich.

Die Beichte steht für die Vergebung Gottes. Er vergibt dem Sünder seine Fehler und versöhnt ihn mit sich und der Kirche. So kann der Sünder einen Neuanfang wagen. Verbunden ist die Beichte oft mit einem Bußwerk, einer Aufgabe, welche die eigene Umkehr zeigen soll. Die Buße soll den eigenen Glauben zeigen, soll mich mit den anderen, die ich verletzt habe, vereinen. Laut dem Kirchenrecht soll ein Katholik einmal im Jahr seine schweren Sünden beichten. Doch fragt man in die Runde, wer wann zuletzt beichten war – so richtig im Einzelgespräch – dann werden nach langem Schweigen wohl nicht nur die Jüngeren antworten ein „Ohh … so ein paar Jahre dürfte das her sein.“

Das Sakrament der Buße steckt seit Jahren in der Krise – und das ist leider eines der schlagkräftigsten Argumente gegen das Vorurteil. Denn in puncto Buße sind die Katholiken ihren protestantischen Glaubensbrüdern und anderen Zeitgenossen immer ähnlicher geworden.

Jubel für Papst Benedikt XVI. © imago

„Katholiken sind Papstjubler“

„Be-ne-det-to, Be-ne-det-to“: Ob Papst Benedikt XVI. wohl manchmal abends in seiner Wohnung die Worte leise wiederholt hat? Natürlich nicht aus Selbstverliebtheit, sondern einfach weil sie sich wie ein Ohrwurm in seinem Gehörgang festsetzten? Zugegeben, gerade bei dem völlig uneitlen Benedikt ist das nur schwer vorstellbar. Aber: „Be-ne-det-to“ – das sind schöne kurze Silben, die man perfekt betonen und passend dazu klatschen kann. Tausendfach haben die Menschen ihm so zugerufen.

Egal, ob man den aktuellen Papst Franziskus oder Francesco ruft – die Silbentrennung bleibt nicht so im Ohr. Aber begeistert sind die Menschen dennoch von ihm, egal, ob bei großen Events wie den Weltjugendtagen oder jeden Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Sie klatschen, winken, rufen ihm zu – und ja, jubeln. Und das taten Katholiken zu jeder Zeit. Denn auch bei früheren Päpsten, egal, ob Pius oder Paul, war die Freude, sobald der Heilige Vater sich blicken ließ, riesengroß. In diesem Sinne stimmt das Klischee: Katholiken sind Papstjubler. Und auch nicht zu Unrecht: Die katholische Kirche hat etwas, um das andere Glaubensgemeinschaften sie beneiden. Der Papst ist eine Symbolfigur, eine charismatische Persönlichkeit, die Einheit stiftet, die sich einmischt und die letztlich Entscheidungen fällt. Das schmeckt nicht immer jedem, sorgt aber immerhin dafür, dass die Kirche nicht nur mit Streitereien beschäftigt ist.

„Die Kirche ist stinkreich“

Was glauben Sie, wie viel der Kölner Dom wert ist? Eine Million? Das ist ungefähr der Betrag, der durch Schatzkammer und Turmbesteigung jährlich eingenommen wird. Oder ist das Gotteshaus zehn Milliarden wert? So viel würde es kosten, den Dom noch einmal zu bauen – sagte der ehemalige Dompropst Norbert Feldhoff vor einigen Jahren. Alles falsch: Der Dom ist 27 Euro wert. So steht es in der Bilanz des Erzbistums. Einen Euro für das Gebäude und je einen weiteren Euro für die 26 Grundstücksparzellen auf denen er steht. 27 Euro für ein so berühmtes Bauwerk – demnach ist die Kirche nicht nur nicht reich, sondern gar arm!

Ist die Kirche wirklich so reich, wie viele meinen? © Fotolia

Natürlich, es gibt die Kathedralen, die Gebäude, die wertvollen Bücher und Kunstschätze in den Domschatzkammern; wertvoll – aber vor allem in einem ideellen Sinn. Denn weder gibt es dafür einen echten Marktwert, noch würden die Kölner ernsthaft in Erwägung ziehen, ihren Dom zu verkaufen. Auch wenn er sie täglich 33.000 Euro im Unterhalt kostet, wie Matthias Deml von der Dombauhütte in einem Zeitungsartikel erklärte.

Aber das macht die Kirche nicht arm und in Deutschland kann man schon gar nicht von einer armen Kirche sprechen. Wie reich genau aber die Bistümer und Ordensgemeinschaften sind, das weiß so recht niemand. Jedes Bistum, jeder Orden, jede Stiftung und jede Pfarrei sind selbstständig. Die Bischofskonferenz kann nicht für „die deutsche Kirche“ sprechen. Sie hat keinen Einblick in die Finanzen der einzelnen Diözesen, die Strukturen dort sind über Jahrhunderte gewachsen. „Die Kirche ist kein Konzern“, erklärte der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer in einem Interview mit der Internetplattform katholisch.de. Eine Bilanz, wie sie für Wirtschaftsunternehmen üblich ist, fällt bei der Kirche schwer, der Blick in die Bücher ist kompliziert.

Haupteinnahmequelle der Bistümer ist die Kirchensteuer. Im Jahr 2016 kamen bundesweit rund 6,146 Milliarden Euro zusammen (siehe Seite 4/5). Sie macht bis zu zwei Drittel auf der Einkommenseite der Diözesen aus. Hinzu kommen Erträge aus Immobilienbesitz, Grundstücke, Wertpapiere und Staatsleistungen. Dazu gehören zum einen sogenannte Dotationen, Entschädigungen für die kirchlichen Enteignungen im 18. und 19. Jahrhundert. Diese beinhalten etwa Geld für die Ausbildung, die Besoldung und Versorgung von Geistlichen und für den Unterhalt von Kirchengebäuden.

Zum anderen gibt es eine staatliche Refinanzierung für Dienste, die die Kirche an seiner Stelle übernimmt. Dazu gehört etwa der Unterhalt von Schulen, Kindergärten, Altenheimen und Krankenhäusern. Hier erhält die Kirche, nicht als Religionsgemeinschaft, sondern als Anbieter dieser Leistungen, staatliche Zuschüsse – so wie andere weltliche Unternehmen auf diesem Gebiet. Rechnet man nun all das zusammen, erreichen einige Bistümer schnell Summen, bei denen sich der Katholik ungläubig die Augen reibt: 3,3 Milliarden Euro hat das Erzbistum München und Freising auf der Haben-Seite stehen.

Die Frage, wie die Kirche zu Geld gekommen ist, ist die eine; die andere lautet, was sie mit diesem Geld macht. Sie unterstützt die Pfarrgemeinden, die Caritas, bildet Rücklagen und Notfallfonds, mit denen sie jüngst etwa neue Projekte und Stellen für die Flüchtlingshilfe schaffen konnte. Und sie stärkt über Hilfswerke Kirchen im Ausland, sorgt mit Zuschüssen etwa für die Bezahlung und die Unterkunft von Priestern in Skandinavien.

„Die Kirche ist frauenfeindlich“

Tatsache ist: Frauen sind nicht zu den Weiheämtern zugelassen. Ganz offiziell. Eine Klage wegen Diskriminierung? Aussichtlos. Besser die Gleichstellungsbeauftragte kontaktieren? Gibt es nicht – zumindest nicht im Vatikan. Da kann frau sich vom Heiligen Geist gerufen fühlen wie sie will, aber die Kirche ist rigoros. Bischöfe versuchen, die Diskussion zu retten, mit Aussagen, dass Frauen andere Ämter offenständen. In Bezug auf die Amtsfrage ist die katholische Kirche frauenfeindlich – das sagen auch Katholiken.

Der Zugang zum Priesteramt bleibt ihnen verwehrt. Papst Johannes Paul II. hat sich deutlich geäußert und ein Machtwort gesprochen. Aber da bliebe ja noch das Diakonenamt – und diese Diskussion ist alles andere als beendet. Es wäre vielleicht ein Anfang, ein Kompromiss, der bei einigen Bischöfen noch Unterstützung fände ... Viele Hoffnungen ruhen auf Papst Franziskus. Der lässt in einer Kommission wissenschaftlich prüfen, welche Rolle die Frau als Diakonin in der frühen Kirche hatte. Aber Achtung: Eine Zulassung zur Weihe beinhaltet das noch lange nicht – im Gegenteil, manche Kardinäle, wie der Deutsche Gerhard Müller, werden nicht müde, zu betonen, dass dies ausgeschlossen sei. Eine positive Entscheidung ist in den nächsten Jahren unwahrscheinlich.

Ein wenig Bewegung ist aber im Spiel: Die Zeiten, da Mädchen nicht als Messdienerinnen am Altar stehen durften, liegen immerhin 25 Jahre zurück. Heute werden Frauen Kirchenmusikerinnen, Religionslehrerinnen, und dürfen als Gemeinde- und Pastoralreferentinnen in Ausnahmen und mit Erlaubnis des Bischofs etwa Beerdigungen leiten. Ohnehin sähe es ohne die Frauen an der Basis traurig aus: Sie leiten hauptsächlich die Katechese für Erstkommunion und Firmung, engagieren sich in den Verbänden und bei so manchem Kirchenchor heißt es: Männer verzweifelt gesucht. Die Bistümer versuchen ebenfalls, mehr Frauen in die Leitungspositionen zu holen (wir berichteten).

Die Kirche und – zumindest die große Mehrheit der Geistlichkeit – haben längst erkannt, was sie an den Frauen haben. Thomas von Aquins Zitat, der wesentliche Wert der Frau liege „in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen“, würde heute wohl kein Bischof mehr unterschreiben.

Kerstin Ostendorf - Die Autorin ist Redakteurin der Verlagsgruppe Bistumspresse.


Das könnte Sie auch interessieren

Die beiden Türme des Liebfrauendoms in München
© Kiderle

Kirchliche Statistik Zahl der Katholiken im Erzbistum geht leicht zurück

Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist auf dem Gebiet des Erzbistums München und Freising 2017 leicht zurückgegangen. Das hat mehrere Gründe.

20.07.2018

© Caritas

Tausendste ausländische Pflegekraft Katholisch und freundlich

"Triple Win" ist ein Erfolgsprojekt gegen den Fachkräftemangel bei der Pflege in Deutschland. Warum das Kooperationsprojekt von Caritas, Bundesagentur für Arbeit und Gesellschaft für internationale...

31.07.2017

© Anwander

Ehrenamtliches Engagement 50 Jahre Himmelträger

Seit 1967 engagiert sich Franz Schmidtner bei der Fronleichnamsprozession in Garching an der Altz. Warum er auch mit 72 Jahren noch den Baldachin über dem Allerheiligsten trägt, lesen Sie hier.

22.07.2017

Zahl der Katholiken im Erzbistum München und Freising nahezu stabil.
© SMB/Schmid

Statistik im Erzbistum München und Freising Katholikenzahl trotz Austritten stabil

Viele Menschen treten aus der Kirche aus. Trotzdem bleibt im Erzbistum München und Freising die Katholikenzahl nahezu stabil. Das hat vor allem einen Grund.

21.07.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren