Passionsspiele 2020 Über 1.800 Oberammergauer wollen mitmachen

05.04.2018

Nicht jeder aus Oberammergau darf teilnehmen. Es gilt ein „Spielrecht“.

Die Tempelreinigung dargestellt bei den Oberammergauer Passionsspielen 2010.
Die Tempelreinigung dargestellt bei den Oberammergauer Passionsspielen 2010. © Passionsspiele Oberammergau

Oberammergau – 1.830 Bürgerinnen und Bürger aus Oberammergau wollen bei den weltweit berühmten Passionsspielen 2020 mitwirken. Das teilte die Pressestelle der Passionsspiele am Donnerstag mit. Die Anmeldefrist war am 31. März zu Ende gegangen. Die Bekanntgabe der Hauptrollen für die 42. Passionsspiele unter der Regie von Christian Stückl findet am 20. Oktober statt. Neben den großen Figuren Jesus, Maria, Petrus, Judas, Pontius Pilatus und Kaiphas gibt es 120 größere und kleinere Sprechrollen, des weiteren Soldaten, Priester und das Volk von Jerusalem. Premiere ist am 16. Mai 2020.

Erstmals in der fast 400-jährigen Geschichte des Spiels vom Leiden und Sterben Jesu wollen laut Mitteilung genauso viele Frauen wie Männer teilnehmen. Im Vergleich zu den vergangenen Passionsspielen 2010 sei die Zahl der Anmeldungen auf einem "sehr hohen Niveau" konstant geblieben. Für die Mitwirkung gelte ein "Spielrecht". Nicht jeder der 5.200 Einwohner des Orts dürfe mitmachen. Voraussetzung sei, in Oberammergau geboren und aufgewachsen zu sein oder seit mindestens 20 Jahren im Dorf zu wohnen. Es werde aber damit gerechnet, dass 2020 zusätzlich noch über 500 Kinder mitwirken werden, so dass wieder mehr als 2.000 Menschen dabei sein werden.

Muslim ist stellvertretender Spielleiter

Das Spielrecht für die Oberammergauer Passionsspiele, die alle zehn Jahre stattfinden und auf ein Gelübde in der Pestzeit von 1633 zurückgehen, habe sich immer wieder gewandelt, heißt es. So seien etwa bis 1984 verheiratete Frauen und Frauen über 35 Jahren von der Mitwirkung ausgeschlossen gewesen. Nach einer abgewiesenen Popularklage klagten drei Oberammergauerinnen 1988 erneut vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof, der 1990 entschied, dass es rechtswidrig war, Frauen das Mitwirkungsrecht zu verweigern.

Seit 2000 dürfen außerdem auch konfessionslose Mitbürger und Angehöriger anderer Religionsgemeinschaften mitmachen. Zuvor musste jeder Mitwirkende einer christlichen Religionsgemeinschaft angehören. Mit dem Jungregisseur Abdullah Kenan Karaca wird nun erstmals auch ein Oberammergauer muslimischen Glaubens stellvertretender Spielleiter.

450.000 Besucher werden erwartet

Stückl, der zum vierten Mal inszeniert, kündigte an, dass die Passion 2020 ein völlig neues Erscheinungsbild haben werde. Da die Spiele alle zehn Jahre stattfänden, müsse er den Text immer neu schreiben, die Geschichte neu erzählen. Es flössen Erkenntnisse mit ein, die er beim letzten Spiel gewonnen habe. Außerdem müsse das Spiel "auch die jeweilige Zeit und die politischen Umstände widerspiegeln".

Erwartet werden zu den 103 Spieltagen an die 450.000 Besucher. Für die Kostüme und das Bühnenbild ist erneut Stefan Hageneier zuständig. Markus Zwink, der Musikalische Leiter, bearbeitet die Musik und wird laut Ankündigung in den nächsten Monaten die 120 Chormitglieder und das aus 70 Musikern bestehende Orchester besetzen. Die letzte Aufführung ist für den 4. Oktober 2020 vorgesehen. (kna)


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