Bestsellerautoren im Gespräch Über die Zukunft der Kirche und die Kirche der Zukunft

10.07.2017

Die Pfarrer Rainer Maria Schießler und Thomas Frings trafen sich für die Sendung "Hauptsache Mensch". Die Diskussion nur als "lebendig" zu beschreiben, wäre untertrieben.

Zwei wortgewandte Pfarrer: Rainer Maria Schießler und Thomas Frings.
Zwei wortgewandte Pfarrer: Rainer Maria Schießler und Thomas Frings. © Kiderle/Stefan Sättele

München – Zwei wortgewandte Geistliche haben es in den letzten Monaten auf die Spiegel-Bestsellerlisten geschafft: „Aus, Amen, Ende“ – so ist der Titel von Thomas Frings Buch, in dem er beschreibt, warum er so nicht mehr Pfarrer sein will. „Himmel, Herrgott, Sakrament“ heißt das Buch, das der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler geschrieben hat. Getroffen hatten sich die beiden bisher nicht. Schießler hatte allerdings in einem Theologenblog (feinschwarz.net) Frings Herangehensweise kommentiert und festgestellt, dass er dem Münsteraner in der Analyse zustimmt, nur andere Konsequenzen daraus zieht.

In der Radioredaktion des Sankt Michaelsbunds trafen die Beiden für die hauseigene Talksendung „Hauptsache Mensch“ nun aufeinander. Das Thema: Die Zukunft der Kirche oder die Kirche der Zukunft. Nach anfänglichem, vorsichtigem Beschnuppern und Hören, wie der jeweils andere denn so ist, stellten Beide fest, dass sie sich wunderbar gemeinsam über die vielen Dinge aufregen können, die auch viele Gläubige stören. Nach kurzer Zeit gingen sie zum „Du“ über. Über Themen wie Zölibat, wiederverheiratete Geschiedene, Frauen in der Kirche und das gemeinsame Abendmahl hätten die beiden gerne noch weiter gesprochen – in trauter Einigkeit – aber Moderatorin Brigitte Strauß wollte mehr wissen.

Frohe Botschaft darf nicht verändert werden

Zum Beispiel, woran es liegt, dass Kirche für viele Menschen so wie sie ist, nicht mehr funktioniert. Die kurze Analyse: Die Gesellschaft habe sich verändert und deshalb könne Kirche nicht so weitermachen wie bisher. Beide betonen, dass das Produkt gut sei. Die Frohe Botschaft dürfe und könne auf keinen Fall verändert werden. Sehr wohl aber die Verpackung. Und auch in der Art und Weise, wie die verändert werden kann, waren sich die beiden Männer einig:

Am Beispiel des Sakraments der Erstkommunion haben sie das durchgespielt: Schießler will keine „Erstkommunionshow“ in seiner Pfarrei. Deshalb gehen in mehreren Sonntagsgottesdiensten kleine Gruppen aus höchstens fünf Kindern zum ersten Mal zur Kommunion. Da feiert dann die ganze Gemeinde mit und er vermeidet den großen Extragottesdienst, zu dem nur die Angehörigen der Kinder kommen. Begreifbar will er die Sakramente machen und findet Bilder und Aktionen, die in Erinnerung bleiben. Ob die Kinder nach der Erstkommunion wiederkommen, das sei ihm egal, sagt Schießler. Aber sie sollen das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie am Tisch des Herrn willkommen seien – so wie jeder andere in der Gemeinde. Weil jeder Mensch gleich wichtig ist.

Idee der Entscheidungsgemeinde

Frings dagegen ist überzeugt, dass die Erstkommunion für alle katholisch getauften Kinder eines Jahrgangs nicht das richtige Angebot ist. Denn: Das Sakrament der Eucharistie sei auf Wiederholung angelegt. Nur wenn man es regelmäßig empfange, könne man es auch nur ansatzweise verstehen. Viele Familien wollten aber nur das eine Mal in die Kirche kommen, weil es halt im Leben dazugehöre. In seiner ehemaligen Pfarrei habe er dann versucht, eine alternative Feier anzubieten: Eine Tauferinnerung mit vielen sehr rührenden, gefühlvollen Elementen. Trotzdem seien danach die Eltern gekommen und hätten gesagt: „Aber jetzt kommt das mit den weißen Kleidern.“ Diese Menschen, die Traditionen fordern, aber sich nicht am Gemeindeleben beteiligen, hemmten die Weiterentwicklung des Gemeindelebens.

Auch seine Idee der Entscheidungsgemeinde stellte Frings vor: die hat kein Gemeindegebiet, jeder sucht sich eine Gemeinde nach seinen Interessen aus und die Mitglieder gestalten zusammen das Gemeindeleben. Die Sakramente empfängt man, wenn man es will. Das heißt: Wenn jemand regelmäßig zur Eucharistie gehen möchte, dann geht er zur Erstkommunion. Und nicht, wenn er zufällig im dritten Schuljahr ist.

Auch wenn der eine (Frings) so nicht mehr weitermachen kann und der anderen (Schießler) sagt, er wolle der Letzte sein, der das Licht ausmacht, war deutlich zu spüren, dass beide Veränderungen zum Wohl der Kirche und der Gläubigen wollen. Als die Moderatorin fragte, was Frings denn nun in Zukunft machen wolle, warf Schießler ein: Bei ihm sei noch eine Wohnung frei. Frings bedankte sich für das Angebot, fuhr aber dennoch erstmal zurück in den hohen Norden.

Das ganze Gespräch zwischen den Pfarrern Rainer Maria Schießler und Thomas Frings hören Sie am Mittwoch, 12. Juli, und Freitag, 14. Juli, von 10 bis 12 Uhr im Münchner Kirchenradio in der Sendung Hauptsache Mensch.

Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.richters@st-michaelsbund.de


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