Marienmonat Mai Überall Maria!

03.05.2019

Jetzt auch noch ein ganzer Monat! Volontär Thomas Stöppler versteht als Berliner Protestant den bayerisch-katholischen Hype um Maria nicht und hat deshalb mal beim Experten nachgefragt.

In München kann man Maria gar nicht entkommen.
In München kann man Maria gar nicht entkommen. © Karsten Schmid

München – Maria Himmelfahrt, Maria Lichtmess, Marienmonat Mai. Als Berliner Protestant ist man auch außerhalb von katholischen Medienhäusern etwas verwirrt, was die Bayern da so machen. Natürlich ist Maria auch bei uns „Evangolen“ eine wichtige Figur, aber das Ausmaß der Verehrung im bayerischen Katholizismus ist schon immens: Zusätzlich zu den Feiertagen gibt es fast 20 Kirchen in München, die Maria im Namen tragen, im Erzbistum werden da wohl noch einige Dutzend dazukommen. Natürlich ist das Ausmaß in Lateinamerika und auch in Südeuropa noch viel größer.

Altar an der Bushaltestelle

Das erste Mal, dass ich verwundert und auch fasziniert vor einem Marienaltar stand, war auch in Italien. Etwa 20 Kilometer von Assisi entfernt liegt der kleine Ort Collemancio. Eine wunderschöne mittelalterliche Ortschaft mit einem traumhaften Blick über umbrische Hügel und Täler bis zur Basilika des heiligen Franz von Assisi.

Weniger als hundert Menschen leben heute dort, weswegen die Bushaltestelle vor dem Tor zum Ort auch nicht mehr in Betrieb ist. Dort haben die frommen Menschen von Collemancio einen kleinen Altar hineingebaut. Etwas schrabbelig, keine große Kunst, aber sehr rührend. Und natürlich ist er Maria geweiht.

Die ehemalige Bushaltestelle bei Collemancio rund 20 Kilometer von Assisi.
Die ehemalige Bushaltestelle bei Collemancio rund 20 Kilometer von Assisi. © Stöppler

Maria in München

In München ist der naheliegendste Ort, um dem nachzuspüren der Marienplatz. Da geht es dann schon um große Kunst und schrabbelig ist da natürlich gar nichts. Das Adjektiv will eh nicht zu München passen. Dafür ist Maria omnipräsent: Der Platz, die Mariensäule und der Münchner Dom, nur einen Steinwurf entfernt, heißt zwar nicht nach Maria, ist ihr aber geweiht und selbstverständlich gibt es dort auch einen Altar für die heilige Jungfrau.

Wie oft ist leider der einfache Weg oft sehr unergiebig. Maria hier, Maria dort, Münchner und Touristen aus aller Welt, und keiner weiß was. Aber die Menschen beten zu Maria, jedenfalls sagen sie das. Dabei scheint Marias Macht keine Grenzen zu kennen: Ob Krankheit, Garten, die eigenen Kinder und Eltern, für diplomatische Entscheidungen aller Art und bei eingehender Verwirrung. Bei Verwirrung käme ich dann ins Spiel: Darf man denn überhaupt zu Heiligen beten, selbst wenn es die Mutter Gottes ist?

Heilige als Mittler

Da hilft mal wieder nur den Experten fragen: „Wir hören das ja eh manchmal: ,Ihr Katholiken glaubt ja gar nicht an einen Gott, ihr betet Heilige an.' Darauf kann man sagen: Wir als katholische Kirche haben jahrhundertelang mit großem Erfolg allen, die jemand anderes angebetet haben als den dreifaltigen Gott, die Glaubenshüter auf den Hals gehetzt!“, erklärt Pater Stefan Maria Huppertz lachen. Da bilde auch Maria keine Ausnahme. Heilige werden als Mittler angerufen, nicht angebetet. Dennoch sei Maria schon eine ganz besondere Figur, stellt der 42-Jährige klar. Denn: „Heilig sind Menschen, durch die das Heil sichtbar geworden ist.“ Und durch was ist Heil sichtbarer geworden als Jesus selbst? Und daran ist Maria ja nun nicht unbeteiligt.

Pater Stefan Maria Huppertz versteht, warum Maria so besonders verehrt wird.
Pater Stefan Maria Huppertz versteht, warum Maria so besonders verehrt wird. © Privat

Aus der kirchlichen Lehre heraus erklärt sich die Marienverehrung vor allem über ihre Unschuld. „Der Ort, also Maria, an dem Gottes Wort Fleisch, wird muss natürlich ganz rein“, sagt Huppertz. Maria als fehlerfreies Wesen. Vielleicht rührt auch daher mein Unverständnis: Einem Petrus, der Jesus dreimal verleugnet, oder einem Thomas, der nicht an die Auferstehung glauben will, kann ich mich leicht viel näher fühlen. Aber aus theologischer Sicht kann es ja gar nichts höheres geben als die absolute Unschuld und Reinheit.

Santa Maria di Qualcosa

Dennoch findet auch Huppertz die Auswüchse der Marienverehrung manchmal etwas befremdlich: „Wenn wir in der katholischen Kirche wissen, morgen ist ein irgendein Fest, wissen aber nicht welches, machen wir immer den Witz: Ah, morgen ist Maria Einschulung“. Das Ökumenische Heiligenlexikon kennt nämlich fast 100 Tage zu Ehren Marias – wohlgemerkt nur die katholischen. Daraus haben dann selbst die Bayern nicht jedes Mal einen Feiertag gemacht. Auch die Südeuropäer haben das nicht gemacht, auch wenn der Pfarrer das dort noch als extremer empfindet: „Wenn man nicht weiß wie eine Kirche in Rom heißt, sagt man immer ,Santa Maria di Qualcosa'.“ Also "Die Heilige Marie von Irgendwas".

Huppertz erklärt sich allerdings die Marienverehrung vor allem nicht über Marias Reinheit und Unschuld, sondern weil sie dabei trotzdem ein ganz normaler Mensch bleibt: Als Frau in schwierigen Umständen: Unverheiratet und schwanger, ohne Obdach, geflüchtet und verfolgt. Als Mutter, die sicher auch mal genervt war von ihrem Sohn, der immer alles besser wusste. Als Mutter eines Kindes, das leiden muss und früh stirbt und das ihrem Glauben so unendlich viel abverlangt. Mit dieser Perspektive versteht man dann vielleicht etwas eher das Ausmaß der Marienverehrung. Sie steht dann da als Mutter, die alles versteht und immer ein offenes Ohr hat. Und so einer Frau kann man gar nicht genug Altäre weihen und Statuen bauen.

Der Autor
Thomas Stöppler
Volontär
t.stoeppler@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© SMB

Die Bergold und der Pater Viele Wege führen zur Traumhochzeit

Die Bergold und der Pater betätigen sich als Hochzeitsplaner. Mit völlig unterschiedlichen Tipps für den perfekten Tag …

02.05.2019

Wie der Mai steht Maria für den Neuanfang.
© PongMoji - stock.adobe.com

Ein Monat für die Gottesmutter Der Mai und Maria

Der Mai ist bei der katholischen Kirche der Marienmonat. Maiandachten zur Ehre der Gottesmutter sind in der katholischen Kirche sehr wichtig. Aber warum eigentlich?

29.04.2019

Raoul Rossmy, Pastoralassistent und Theologe aus München
© SMB

Weißer Sonntag 2019 Mundkommunion oder Handkommunion?

Ist die Handkommunion Sünde? Ist die Mundkommunion veraltet?

27.04.2019

München am Mittag Hausmadonnen im Erzbistum

In München lohnt sich oft der Blick nach oben! Denn ein paar Meter über den Schaufenstern findet man häufig die allerschönsten Marienfiguren an den Hauswänden. Wie die Gottesmutter Maria an so viele...

14.12.2018

Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz vom Münchner Pfarrverband Isarvorstadt hat einen ganz speziellen Gin angesetzt.
© Ertl/SMB

Pfarrer produziert Gin Flüssiger Segen

Kapuzinerpater Stefan Maria Huppertz, Leiter des Münchner Pfarrverbands Isarvorstadt, ist immer wieder für eine kreative Aktion gut: Diesmal hat er für den Adventsmarkt einen eigenen Gin angesetzt.

28.11.2018

© Bliemetsrider

Große Maiandacht Marienverehrung vor dem Samerberg

Das katholische Dekanat Inntal lädt am Freitag, 4. Mai „Dekanatsmaiandacht“ nach Törwang ein.

27.04.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren