Aufklärungsfilm zur Bundestagswahl 2017 Und täglich grüßt das Wahlprogramm

23.06.2017

Sechs Parteiprogramme in sechs Kurzfilmen - Max Mustermann (18) durchlebt stets den gleichen Tag, die Bundestagswahl 2017. Der Tag unterscheidet sich nur darin, welche Partei gewonnen hat: CDU, Die Linke, FDP, AFD, SPD oder die Grünen.

Voller Kinosaal bei der Premiere der Filme "Mut zum Kreuz".
Voller Kinosaal bei der Premiere der Filme "Mut zum Kreuz". © SMB/Würschinger

München – "Ich hab' 53 Förderanträge geschrieben, damit wir irgendwie das Geld zusammen bekommen, und es ist wirklich traurig, wie wenig Antworten wir gekriegt haben." Tobias Hartmann, der Vorsitzende des BDKJ der Region München plaudert aus dem Nähkästchen. Rund 66.000 Euro habe das Kurzfilmeprojekt gekostet. Herausgekommen sind sechs Clips zwischen fünf und sechseinhalb Minuten. Die Bundestagswahl ist zwar erst im September, "Mut zum Kreuz. Ergreif Partei" gibt es aber schon ab sofort auf Youtube zu sehen. Denn die Filme sollen in Schulen und Jugendzentren bundesweit gezeigt werden können. "Es ist uns ganz wichtig, dass diese Filme auch wirklich zur Weiterbildung dienen und dafür herangezogen werden können, junge Menschen mit politischen Inhalten in Kontakt zu bringen, ihnen auch Lust zu machen, politisch zu denken und sich damit zu beschäftigen, wen sie denn im September wählen." Gerade an Erstwähler richtet sich der Film. So wie auch die Hauptfigur im Film Erstwähler ist: Max Mustermann.

Eine Gesellschaft, wie es sich die Partei vorstellt

Der Anfang und das Ende der Geschichte sind in jedem der sechs Filme gleich: Der Wecker klingelt, Max liegt im Bett - die Kamera filmt ihn aus der Vogelperspektive - Max erzählt, welche Partei die Bundestagswahl gewonnen hat, bekommt eine SMS von seiner Freundin, die etwas bestimmtes von ihm möchte, und am Ende des Tages wird er sie auch treffen. Was dazwischen passiert, ist von Film zu Film unterschiedlich. Denn abhängig davon, welche Partei die Bundestagswahl gewonnen hat, wird den Zuschauern eine Gesellschaft gezeigt, wie sie sich die Partei vorstellt, so Tobias Hartmann. Am Ende der Filme liegt er wieder im Bett und sagt: "Ich schätze, ich werde mich besser informieren und auf jeden Fall wählen gehen."

Die einzelnen Filme finden Sie auf dem YouTube-Kanal des BDKJ in der Region München e.V.

Das Konzept haben Schülerinnen und Schüler zusammen mit Vertretern und Mitgliedern diverser Jugendvereine im Erzbistum München und Freising entwickelt. Dafür haben sie die Programme von CDU, FDP, Die Linke, SPD, AFD und von den Grünen analysiert und Schwerpunkte gesetzt: Arbeit und Soziales, Asylpolitik, Wirtschaft und Finanzen, Familie, Schule und Bildung, Energie und Umwelt sollten in die Filme eingebaut werden. Viele haben ehrenamtlich mitgewirkt. Aber auch professionelle Filmemacher konnten für das Projekt gewonnen werden. Das Ergebnis ist kinoreif - dachten sich wahrscheinlich die Macher und haben sich für die Premiere einen Kinosaal gemietet. Beinahe alle Sitze waren belegt. Eröffnet wurde die Premiere mit Reden vom Bundesvorstand des BDKJ und von den beiden Vorständen des BDKJ in der Region München Tobias Hartmann und Annemarie Eckhardt. Diese hat dann auch die Filme anmoderiert mit den Worten "Genießen wir den Moment und schauen das Ergebnis von 9 Monaten an."

Das sagt unser Redakteur zu den Filmen: "Mut zum Kreuz. Ergreif Partei" versucht aufzuklären und das auf unterhaltsame Art und Weise. An manchen Stellen vielleicht etwas zu oberflächlich. Aber sechs Parteiprogramme in jeweils sechs Minuten zu verpacken, ist auch eine Mammutaufgabe.

Kirche und Politik - das gehört zusammen, findet Tobias Hartmann: "Ich glaube, dass es eine wichtige Aufgabe der Kirche ist, politisch zu werden, weil wir Werte haben, die in unserer Gesellschaft wichtig sind und das sind Werte, die immer wichtiger werden und wir können als Kirche und als kirchliche Jugendverbände nicht einfach weggucken und sagen, das lassen wir alles in den Kirchenmauern und reden nur über Gott, sondern wir reden über Gott und die Welt."

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist der Dachverband der katholischen Jugendverbände. Er vertritt bundesweit in 27 Diözesen die Interessen von rund 660.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in der Erzdiözese München und Freising sind es rund 66.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Der Autor
Ralph Würschinger
Radio-Redaktion
r.würschinger@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bundestagswahl

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