Seltene Fachkraft Ungewöhnliches Jobangebot: "Exorzist gesucht!"

13.03.2020

In der Schweiz hat ein Bistum per Stellenanzeige einen Exorzisten gesucht. Hat das Erzbistum München und Freising auch eine solche Stelle zu besetzen?

Fachkraft wird gesucht: Das Bistum Chur hatte kürzlich per Stellenanzeige einen Exorzist gesucht © imago/Christian Ohde © imago/Christian Ohde

München – Eine kuriose Stellenanzeige fand man bis vor kurzem, wenn man im Internet die Ausschreibungen des Bistums Chur in der Schweiz aufgerufen hat. Die dortige Diözese hat nach einem Exorzisten gesucht, der im Auftrag des Bischofs den Gläubigen den Satan austreiben sollte. Immer wieder kommt es auch im Erzbistum München und Freising vor, dass Anfragen nach Teufels- und Dämonenaustreibungen eingehen. Sie landen dann auf dem Schreibtisch von Monsignore Thomas Schlichting vom Ressort Seelsorge und Kirchliches Leben. Eine Stelle für einen Exorzisten ist im Personalplan des Ordinariats allerdings nicht explizit vorgesehen. Kardinal Reinhard Marx habe keinen Priester ausdrücklich mit dieser Aufgabe betraut, erklärt Schlichting. Demzufolge sei auch eine solche Stellenausschreibung in München nicht denkbar.

Tiefes Leid

Anfragen die den Wunsch nach einem Exorzisten-Besuch beinhalten, geraten aber keineswegs einfach in Vergessenheit. Denn „hinter dem Wunsch, dass ein Exorzist kommt, steckt ja in der Regel ein sehr tiefes Leid, eine Krankheit. Von daher wollen wir natürlich niemand einfach wegschicken, der mit diesem Anliegen kommt.“

Stattdessen gibt es eine Fachgruppe, die zunächst intern berät, wie mit dem jeweiligen Fall zu verfahren ist. Darin sind Theologen, Mediziner und Psychologen, die im zweiten Schritt durch den direkten Kontakt mit den Betroffenen versuchen, Hilfe und Beistand zu leisten. Freilich ist die Arbeit dieser Fachgruppe, in keiner Weiser vergleichbar mit dem „echten“ Exorzismus, dessen Wurzeln in der Bibel liegen: Jesus selbst treibt nämlich im Markusevangelium Dämonen aus.

Geburtsstunde des Exorzismus

Das begründet Monsignore Schlichting mit der Tatsache, dass man im biblischen Zeitalter glaubte, jede Krankheit oder körperliche Einschränkung sei auf einen Dämon zurückzuführen, der den Menschen im Griff hat: „In ihrer Synagoge war ein Mensch, der von einem unreinen Geist besessen war“ (Mk 1, 2) Ebenso wie man glaubte von einem Dämon besessen zu sein, war man der Ansicht, fachkundige Männer – heute würde man sie wohl Ärzte nennen – seien in der Lage, diesen bösen Geist auch wieder auszutreiben. Diese Annahme kann man durchaus als die Geburtsstunde des Exorzismus bezeichnen.

Kein Teufelsaustreiber notwendig

Trotz des biblischen Hintergrunds ist der Exorzismus, der in seiner großen Form einer Zeremonie gleicht und einer festgeschriebenen Formel bedarf, heute kaum mehr in der Seelsorge einsetzbar: „Ich denke die Art und Weise wie wir Seelsorge für Menschen in der Situation der Krankheit machen ist nicht unbedingt kompatibel mit dem Weltbild zu sagen, dass es einen Exorzisten gibt, der den Satan austreiben kann.“ Laut Monsignore Thomas Schlichting braucht das Erzbistum München und Freising also keinen eigenen Teufelsaustreiber.


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