Mitarbeiterin aus Mazedonien in Caritas Kinderhaus "Unsere Kita ist bunt"

04.04.2017

Ein Problem, das jede Kita kennt: der Fachkräftemangel. Es gibt Räumlichkeiten, gute Konzepte und natürlich Kinder – aber genügend ausgebildete Fachkräfte findet man nach wie vor nicht so leicht. Unterstützung könnte da von Mitarbeitern aus anderen Ländern kommen.

Ein buntes Miteinander im Caritas Kinderhaus im Dominikuszentrum in München © SMB/sschmid

München – Emine Ismani ist eine sympathische junge Frau, die über das ganze Gesicht strahlt, wenn sie mit den Mädchen und Buben im Caritas Kinderhaus des Dominikuszenrums im Münchner Norden bastelt oder singt. Man sieht auf den ersten Blick, dass sie mit Herzblut dabei ist, dass sie ihre Arbeit liebt und die Kinder sie lieben.

Der lange Weg nach Deutschland

Ismani arbeitet aber noch gar nicht so lange in einer deutschen Kita. Vor gut einem Jahr ist sie nach München gekommen. Ihre Ausbildung zur Erzieherin hat sie in Mazedonien gemacht. Als gebürtige Albanerin war es aber für sie fast unmöglich, dort eine Stelle zu finden.

Die Idee in Deutschland zu arbeiten, war Ismani bei einem Besuch ihrer eigenen Erzieherin in Deutschland im Jahr 2010 gekommen. Denn zu Zeiten des Krieges in ihrer Heimat hatte sie als Kind schon einmal mehrere Jahre in Deutschland gelebt, den Kindergarten und die Schule besucht.

Emine Ismani kam vor gut einem Jahr nach München © SMB/SSchmid

Bald schon schickte Ismani ihren Lebenslauf zur Deutschen Botschaft und bekam Kontakt zur Caritas in München. Dort sagte man sofort zu, sie zu unterstützen. Nadine Unterlugauer, die Leiterin des Kinderhauses im Dominikuszentrum, sah die Bewerberin und war sofort von dem freundlichen Lächeln der jungen Frau fasziniert. „Die wollen wir haben!“ sagte sie. Eine Stelle war auch frei. Aber bis Ismani dort anfangen konnte, dauerte es viele Monate. Die bürokratischen Hürden waren hoch und Ismani sagt, sie hätte oft aufgegeben, wäre die Unterstützung durch die Caritas nicht so groß gewesen. „Wir versuchen es weiter“, hörte sie immer wieder von der Caritas. 2016 kam ein neues Gesetz, das es nicht Nicht-EU-Bürgern mit entsprechender Ausbildung leichter machte, in der EU zu arbeiten.

Der Start in München

So konnte im Februar 2016 nach monatelangem Kampf auch Emine Ismani nach München kommen und ihre Arbeit als pädagogische Ergänzungskraft im Caritas Kinderhaus im Dominikuszentrum beginnen. „Darüber habe ich mich sehr gefreut“, erzählt Ismani, „ und es ist schön, dass ich von Leitung und Team so herzlich empfangen wurde." Das half ihr auch über die ersten schwierigen Monate hinweg, denn es dauerte noch ein halbes Jahr, bis sie ihren Mann und den dreijährigen Sohn nach Deutschland holen konnte. „Es war manchmal sehr hart. Ich habe tagsüber mit den Kindern hier gespielt, getobt und gebastelt. Als ich abends heimgegangen bin, war ich aber allein und mein eigenes, noch sehr kleines, Kind war nicht da.“

Das gemischte Team tut der Kita im Münchner Norden gut © SMB/SSchmid

Unsere Kita ist bunt

Sie ist überglücklich, dass jetzt die ganze Familie vereint ist und sie gleichzeitig noch so eine tolle Arbeitsstelle hat. Die Kinder in der Kita lieben sie, sie passt perfekt in das bunte Team und zu den Kindern aus aller Herren Länder. „Es ist schön, mit so einem gemischten Team zu arbeiten, gerad im Münchner Norden“, erklärt Leiterin Nadine Unterlugauer. „Wir haben Kinder aus ganz unterschiedlichen Nationen und wenn da beispielsweise Fragen auftauchen, ist es gut, dass wir Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft haben. Es profitieren alle davon. Unsere Kita ist bunt und soll es auch bleiben.“

Unterstützung von der Caritas

Ein großer Vorteil waren im Fall von Emine Ismani ihre sehr guten Deutschkenntnisse. Ein dreitägiger Kurs beim Caritas Institut für Bildung und Entwicklung, den Isamani jetzt besucht, hilft ihr sich noch besser zu integrieren. Er heißt „Grundlagen für Quereinsteiger und Pädagogen anderer Kulturen“. Hier lernt Ismani wichtige rechtliche Grundlagen kennen, und den Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan, erfährt etwas über unterschiedliche Konzepte und kann sich mit Menschen austauschen, die in einer ähnlichen Situation sind.

„Ich bin glücklich, hier zu sein und freue mich vor allem, meinem eigenen Sohn eine gute Zukunft bieten zu können. Eine Zukunft, die ich allen Kindern wünschen würde. Es tut mir weh, wenn ich dran denke, unter welchen Bedingungen die Kinder in meiner Heimat aufwachsen“, sagt Emine Ismani und versucht, die Tränen zu unterdrücken. (Stefanie Schmid)


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