Die Geschichte der Kirchenverwaltung Unter mindestens vier Augen

19.10.2018

Schon seit mehr als 500 Jahren entscheiden auch Laien über kirchliche Mittel. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie die heutigen Kirchenverwaltungen entstanden sind.

In Kassetten wie dieser wurden früher Geld und Dokumente der Kirchenstiftung aufbewahrt, darunter die von den Kirchpröpsten erstellten Jahresabrechnungen. Sie listen Einnahmen und Ausgaben der Stiftung auf: hier die Honorare für die Vorsänger im Gottesdienst der Sebastianskirche in der Ramsau. Um 1705 verdienten sie je nach Rang zwischen einem und drei Gulden jährlich. © Bestand des Archivs des Erzbistums/Foto: Kiderle

München – Dass Laien an entscheidender Stelle Mitverantwortung in der Kirche übernehmen, hat eine lange Tradition. Das kann man gut an der Geschichte der Kirchenverwaltung ablesen. Seit den Anfängen des Bistums bis heute sind die meisten Kirchen Eigentum von Kirchenstiftungen. Diese auf Dauer angelegten juristischen Personen verfügen über Gebäude und Grundstücke, Kapitalvermögen und Einnahmerechte. Deren Erträge sind dafür bestimmt, die jeweilige Kirche und ihre Ausstattung zu unterhalten und den laufenden Bedarf für den Gottesdienst zu bestreiten.

Um das Vermögen der Kirchenstiftungen zu verwalten, waren in Bayern schon seit dem späten Mittelalter zwei aus der Gemeinde bestellte „Kirchpröpste“ zusammen mit dem Pfarrer zuständig. Sie wurden – jeweils zwei an der Zahl und für die Dauer von zwei oder drei Jahren – gemeinsam von weltlicher Obrigkeit und Pfarrer aus der Pfarrgemeinde bestellt. In ihnen kann man die Vorläufer der heutigen Kirchenverwaltungen beziehungsweise Kirchenpfleger sehen, die somit eine mehr als 500-jährige Geschichte haben.

Verantwortung übernehmen

Nach der Säkularisation von 1803 übernahm der Staat zunächst die Aufsicht über die kirchliche Vermögensverwaltung, ab 1807 nahm er sie durch staatliche „Stiftungsadministrationen“ sogar selbst wahr. Nach 1817 wurde die Stiftungsverwaltung den politischen Gemeinden übertragen.

Eigene Kirchenverwaltungen – bestehend aus dem Pfarrer, einem Gemeindevertreter und gewählten Mitgliedern – wurden in Bayern 1834 eingerichtet. Dies kann man als Gründungsdatum der Kirchenverwaltungen im heutigen Verständnis nehmen, auch wenn die konkrete Gestalt später mehrfach verändert wurde; unter anderem entfiel der Vertreter der politischen Gemeinde. Die freie Verfügungsgewalt der Kirche über ihr Eigentum wurde nach dem Ende der Monarchie eingeführt und im Bayerischen Konkordat von 1924 festgeschrieben. Heute ist die Kirchenverwaltung eine rein kirchliche Einrichtung, bestehend aus dem Pfarrer, gegebenenfalls anderen Seelsorgern oder dem Verwaltungsleiter als seinem Stellvertreter sowie gewählten Mitgliedern.

Unterschied Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat

„Die Kirchenverwaltung stellt die Ressourcen zur Verfügung und der Pfarrgemeinderat beschäftigt sich mit dem inhaltlichen Leben der Gemeinde.“ So fasst Armin Wouters, der Verantwortliche des Erzbistums für die Kirchenverwaltungswahlen 2018 den Unterschied zwischen den beiden Gremien zusammen. Der Pfarrgemeinderat organisiert Feste, Veranstaltungen und bringt die Menschen zusammen. Er unterstützt und berät den Pfarrer bei der Seelsorge sowie anderen pastoralen und liturgischen Aufgaben. Die Kirchenverwaltung (KV), die am 18. November gewählt wird, steuert dagegen die Einnahmen und Ausgaben einer Gemeinde, entscheidet über Baumaßnahmen an Kirche oder Pfarrsaal und stellt die Infrastruktur einer Pfarrei bereit. Auch um Personal wie Hausmeister, Mesner oder Kirchenmusiker kümmert sie sich. Läuft die Heizung? Ist der Haushaltsplan stichfest? Wie sieht es mit dem Arbeitsvertrag der Pfarrsekretärin aus? Das sind zum Beispiel Fragen, die sich die ehrenamtlichen Mitglieder des KV stellen. Das Gremium vertritt nicht nur die jeweilige Pfarrei, sondern auch alle Kirchensteuerzahler und -zahlerinnen der zugehörigen Kirchengemeinde.

Demokratisch gewählte Kontrollinstanz

Lange bevor dieser Begriff geprägt wurde, hat die Kirche damit also ein mindestens „Vier-Augen-Prinzip“ eingeführt und gewährleistet, dass eine auch mit Laien besetzte Kontrollinstanz darüber wacht, wie kirchliche Mittel verwendet werden. Das hat bis heute Gültigkeit in der Arbeit der Kirchenverwaltungen und ihrer demokratisch gewählten Mitglieder. Auf Bistumsebene entscheidet der Diözesansteuerausschuss, wie die Haushaltsmittel der Erzdiözese eingesetzt werden, um den Auftrag der Kirche im Dienst an den Menschen zu erfüllen. (Roland Götz)

Im Erzbistum München und Freising werden die Kirchenverwaltungen am Sonntag, 18. November 2018, neu gewählt. Näheres zur Wahl und allgemein zur Arbeit der Kirchenverwaltungen finden Sie hier.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wahl der Kirchenverwaltungen

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