Katastrophenfall im Berchtesgadener Land Unterkunft und Seelsorge: So hilft die Kirche

19.07.2021

Starkregenfälle haben aus Bächen und Flüssen reißende Ströme gemacht. Menschen wurden evakuiert - die Kirche gewährte Obdach.

Sandsäcke vor Hauseingang
Im Berchtesgadener Land wurde am Wochenende der Katastrophenfall ausgerufen. (Archvibild) © mhp - stock.adobe.com

Berchtesgaden – Im Januar 2019 herrschte Schneechaos, im Oktober 2020 gab es verschärfte Corona-Maßnahmen wegen einer extrem gestiegenen Zahl an Infektionsfällen. An diesem Wochenende nun hat der Landkreis Berchtesgaden, mit dem Watzmann und dem Königssee eine der bekanntesten Urlaubsregionen in Oberbayern, den Katastrophenfall wegen massiver Regenfälle und Sturzfluten ausgerufen. "Unsere Verantwortlichen wie Landrat und Bürgermeister können einem leidtun, die sind nur noch im Krisenmodus", sagt der Pfarrer des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden, Thomas Frauenlob. Dazu kommen die Einsatzkräfte, die "aufopferungsvoll" rund um die Uhr arbeiten.

Notquartier in der Kirche

Auch die katholische Kirche versucht zu helfen und gewährte Evakuierten in der Nacht von Samstag auf Sonntag Obdach. "Wir haben glücklicherweise bisher keine nennenswerten Schäden an Gotteshäusern und dazugehörigen Gebäuden", so Frauenlob. Er habe sofort angeboten, bei Bedarf Leute aufzunehmen. Vor allem die Einwohner von Marktschellenberg hatte es heftig erwischt. Zehn Personen von dort wurden in einem Pfarrgebäude einquartiert, eine Familie mit drei Kindern, darunter ein Baby, nahm die Hausmeisterfamilie auf. Vor der Kirche sei - Gott sei Dank - der Schlamm an den Stufen hängengeblieben, so der Pfarrer, und nicht ins Innere gelaufen.

Am Sonntag war Frauenlob dann schon um sechs Uhr auf, um sich einen Lagebericht zu verschaffen. Danach schrieb er per E-Mail sein pastorales Team, die Pfarrgemeinderäte, Kirchenverwaltungen und Gruppen-Mitglieder an: "Wir haben eine katastrophale Nacht hinter uns. Es ist faktische Not bei vielen Menschen in unseren Gemeinden entstanden. Als Christen und Kirche sind wir gerade in solchen Situationen gefragt." Nicht nur ein Dach über dem Kopf hält die Kirche für Betroffene bereit, sondern auch das Angebot der seelsorgerlichen Krisenintervention. "Wir stehen jederzeit zur Verfügung", betont der Geistliche.

Naturgewalten zerstören Idylle

Die Sonntagsgottesdienste konnten in der Regel stattfinden. Nur in einer Kirche fiel die Messe aus. Nur noch zu Fuß wäre Sankt Johann Nepomuk erreichbar gewesen, weil sich auf der Straße vom Wasser angespültes Geröll und Schlamm abgelagert hatten. In Berchtesgaden wiederum sei an Stellen, "wo Du es nie vermuten würdest, kniehoch das Wasser gestanden", erzählt der Pfarrer. Aus kleinen Bächlein seien auf einmal reißende Fluten geworden, auch Seen bildeten sich.

Der berühmte Postkartenblick auf die Kirche Sankt Sebastian in der Ramsau, neben der gemächlich die Ache dahin fließt, hat im Moment nichts Romantisches mehr. Die Idylle ist verflogen, das Wasser kräftig angestiegen, wie Ortsansässige berichten. Ein weiteres Wahrzeichen der Gegend ist ein Opfer der Naturgewalten geworden: die legendäre Rodel- und Bobbahn am Königssee. Weltweit die erste ihrer Art galt sie bisher bei Profis als eine der technisch anspruchsvollsten.

Noch im Januar hatte der mehrmalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch bei den Weltmeisterschaften auf seiner Hausbahn zweimal Silber geholt. Jetzt postete er ein Foto von der völlig zerstörten Anlage in den Sozialen Medien mit den Worten: "Es tut unendlich weh! My heart is broken! Hopefully everybody is ok and healthy!" (Mein Herz ist gebrochen! Hoffentlich sind alle okay und gesund!). Darunter ist das Emoji mit den betenden Händen zu sehen.

Große Solidarität

"Wir haben bewusst die Kirchen offen gelassen, weil es nicht wenige gibt, die dort ein Kerzerl aufstellen und beten wollen; sei es um Dank zu sagen oder um zu bitten", sagt Frauenlob. Wie es in der Gegend Brauch ist, haben auch viele zu Hause schwarze Wetterkerzen aus dem Marienwallfahrtsort Altötting angezündet. Jedenfalls hat der Pfarrer schon einige solcher Bilder auf sein Smartphone geschickt bekommen. "Die Solidarität ist groß", fügt er hinzu. "Man rückt zusammen und hilft sich gegenseitig." Die einen halten Bettzeug für Evakuierte bereit, andere sorgen fürs leibliche Wohl. So hat ein Metzger für die Helfer einen Riesentopf mit Würstln herbeigebracht. Auch Kadinal Reinhard Marx sprach Unterstützung und Beistand zu. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Dom in Aachen
© IMAGO / Jochen Tack

Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an Flutopfer

Zur Erinnerung an die Opfer und zum Dank für die Helfer wird der Gottesdienst in Aachen von Vertretern christlicher Kirchen gefeiert. Auch die betroffenen Nachbarländer werden einbezogen.

30.07.2021

Eine Aufnahme von einem durch die Flutkatastrophe zerstörten Haus. Im Hintergund sieht man eine zerstörte Eisenbahnbrücke.
© IMAGO / Klaus W. Schmidt

Was lernen wir aus der Flutkatastrophe?

Mattias Kiefer ist diözesaner Umweltbeauftragter und Leiter der Abteilung Umwelt im Erzbischöflichen Ordinariat München. Im Interview spricht er über die aktuellen Hochwassereignisse. Und darüber,...

30.07.2021

Die Einheiten trafen sich am Sonntag in der Früh in Greding, um dann gemeinsam in den Einsatz zu gehen.
© Bretschneider

Malteser aus Bayern helfen in Rheinland-Pfalz

Rund 54 Helferinnen und Helfer der Malteser aus dem Erzbistum München und Freising packen im Hochwassergebiet in Ahrweiler mit an. Der Einsatz soll bis Mittwoch dauern.

26.07.2021

Kardinal Marx predigt im Liebfrauendom.
© Kiderle

Marx: Aus Krisen lernen

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat angesichts der Flutkatastrophe Lernprozesse zur Prävention künftiger Katastrophen angemahnt. Dabei zog er am Samstag im Liebfrauendom auch eine Parallele zur...

26.07.2021

Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser: Ein unterspültes Haus mit beschädigtem Auto sind umgeben von Schutt.
© imago/Hannes P. Albert

Marx: Das Erzbistum steht an der Seite der Betroffenen

Die Münchner Erzdiözese spendet 300.000 Euro für die Flutopfer in Bayern und Westdeutschland. Kardinal Reinhard Marx betont zudem die Solidarität mit den Betroffenen und den Helferinnen und Helfern.

21.07.2021

Medienhaus für das 21. Jahrhundert

120 Jahre gibt es das Medienhaus Sankt Michaelsbund bereits. Natürlich hat sich der Fachverband in dieser Zeit verändert – vom „Preßverein“ zum modernen Betrieb.

20.07.2021

Kardinal Reinhard Marx
© imago

Kardinal Marx bietet Hilfe für Hochwasser-Opfer an

Unterstützung und Beistand sprach Kardinal Reinhard Marx den Betroffenen der Hochwasser-Katastrophe in Oberbayern zu. Auch der Caritasverband des Erzbistums stellt Gelder zur Soforthilfe zur...

19.07.2021

Papst Franziskus vor Kreuz
© IMAGO / Ulmer

Papst betet für Opfer des Hochwassers

Die Zahl der Toten steigt. Viele Menschen werden vermisst. Die Lage in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist weiterhin angespannt. Papst Franziskus ist in Gedanken bei den Menschen vor Ort.

16.07.2021

Mann mit Hund
© Malteser/F. Helmich

Zielsicher zur vermissten Person

Die Zahl der Hundebesitzer ist durch Corona nach oben geschnellt. Die Malteser Rettungshundestaffel dürfte das freuen. Sie sucht noch engagierte ehrenamtliche Hundeführer.

15.07.2021

Hand mit voller Erde und einer Pflanze
© pixabay.com

Für ein nachhaltigeres Leben

Die Schöpfung bewahren: Der dritte Diözesane Nachhaltigkeitstag findet aufgrund der Pandemiesituation in diesem Jahr digital statt. Das kompakte Programm bietet neben Vorträgen auch Workshops rund um...

14.06.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren