Schule und Digitalisierung Unterricht mit Mehrwert

17.10.2019

Zum Alltag der Kinder gehören digitale Medien längst dazu und auch aus dem Unterricht sind sie nicht wegzudenken. Aber der Umgang damit will gelernt sein.

Nur wenn es einen Mehrwert gibt, sollten neue Medien genutzt werden.
Nur wenn es einen Mehrwert gibt, sollten neue Medien genutzt werden. © Robert Kneschke - stock.adobe.com

München – Smartphone und Tablet gehören längst zur Welt unserer Kinder. Und auch aus der Schule sind moderne Medien nicht mehr wegzudenken. Das Erzbistum München und Freising hat seine Schulen in den vergangenen Jahren mit einer digitalen Standard-Ausstattung ausgerüstet. Das bedeute, dass in jedem Klassenzimmer eine Dokumentenkamera und ein Lehrer-PC vorhanden seien, erklärt Sandra Krump, Ordinariatsdirektorin und Leiterin des Ressorts Bildung. Das ermögliche einen schnellen und zielgerichteten Einsatz der Medien.

„Zielgerichtet“ ist dabei ein wichtiges Stichwort. Denn die Möglichkeiten der modernen Medien faszinieren nicht nur Kinder. Für die Lehrer böten sie ganz andere Möglichkeiten, als es früher Overhead-Folien oder kopierte Arbeitsblätter getan hätten, erläutert die Ordinariatsdirektorin. „Oft braucht man Disziplin, zu sagen: Was will ich erreichen? Was ist mein Unterrichtsziel und wie soll es erreicht werden? Und: Was sind dann die Mittel, Möglichkeiten und Methoden dazu?“, merkt Krump an. Nur, wenn man feststelle, dass hier ein digitales Medium einen Mehrwert bringe, sei dessen Einsatz richtig.

Es geht um den Mehrwert

Das gilt nicht nur für die Hauptfächer wie Mathematik, Deutsch oder die Fremdsprachen – auch im Religionsunterricht kann ein digitales Medium diesen Mehrwert bringen. Will man den Schülern beispielsweise die Ausbreitung des Christentums in den ersten Jahrhunderten verdeutlichen, kann man einen langen Text darüber lesen. Allerdings, meint Krump, sei das vermutlich in der Praxis nicht sehr zielführend. Kinder und Jugendliche hätten meist keine perfekte geographische Vorstellung vom Mittelmeerraum. Habe man aber eine interaktive Karte, auf der man sehe, am Anfang sei ein kleiner grüner Punkt in Jerusalem gewesen, der sich parallel zu einer Zeitschiene über das gesamte römische Weltreich ausgebreitet habe, dann bekomme man eine ganz andere Vorstellung davon. Hierin sieht die Ressortleiterin einen „Mehrwert“ und hält den Einsatz unbedingt für sinnvoll.

Ein anderes Beispiel sei das Thema „Konzil“. Selbstverständlich habe es hierzu auch früher schon Fotos, Dokumente und Filmmaterial gegeben. Oft aber habe man dann für vielleicht fünf Minuten einen extra Film-Raum aufsuchen müssen, heutzutage könne man das einfach über eine digitale Lernplattform darstellen, deren Material man mit Laptop und/oder Dokumentenkamera im Klassenzimmer zeige.

Schwierig ist es für Lehrer, den Überblick zu behalten, welche Materialien es gibt. Helfen kann da „Mebis“, eine vom Kultusministerium betriebene Medienplattform. Auch auf den Seiten der katholischen und evangelischen Religionspädagogik in Deutschland gebe es solche Programme, erklärt Krump. Außerdem habe das Erzbistum eine eigene Lernplattform sowohl für den Bildungs- und Fortbildungsbereich als auch für Ehrenamtliche.

Zu einem souveränen Umgang befähigen

Froh ist die Ordinariatsdirektorin, dass sich die Erzbischöflichen Schulen bereits intensiv mit den Themen Medienpädagogik und Medienkonzept auseinandergesetzt haben. Vorreiter seien hier die St.-Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen, die seit Jahren zusammen mit dem Sankt Michaelsbund (SMB) und dem Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) ein großes medienpädagogisches Projekt umsetzen und somit viele Erfahrungen teilen konnten.

„Mir ist wichtig, dass wir in allen Bildungsbereichen das Ziel verfolgen, sowohl Kinder wie auch Lehrkräfte und Erzieher zu einem souveränen Umgang mit digitalen Medien zu befähigen“, verdeutlicht Krump. Dazu zähle auch, dass jetzt ein Medienkonzept für die Erzbischöflichen Schulen herausgegeben worden sei, das aus den Reflexionen und Erfahrungen der Schulen heraus erarbeitet worden ist. Dieses nehme ganz klar Bezug auf das pädagogische Grundkonzept der kirchlichen Schulen und stelle die Frage, wie man die Bildungsziele in der digitalen Welt erreiche. Auch hier sei es wieder wichtig herauszuheben, dass digitale Medien in der Schule einen „Mehrwert“ haben müssten, betont die Leiterin des Ressorts Bildung.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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