Der Heilige Christopherus Unterwegs mit dem Christusträger

24.07.2020

Er ist auf Darstellungen leicht zu erkennen. Ein überlebensgroßer Riese mit dem kleinen Jesuskind auf den Schultern. Hier ein kleiner Streifzug zu Christophorus-Darstellungen im Ebersberger Land.

Hochaltar mit Figuren des heiligen Christopherus, des heiligen Stephanus und des heiligen Laurentius
Den Hochaltar der Wallfahrtskirche in Sankt Christoph bei Steinhöring zieren Figuren des heiligen Christopherus, des heiligen Stephanus und des heiligen Laurentius. © Kiderle

An die zwei Dutzend Berufe und Berufsgruppen haben den heiligen Christophorus, dessen Fest die Kirche im deutschen Sprachraum am 24. Juli begeht, als ihren Patron erwählt, darunter Kraftfahrer, Fuhrleute, Flößer, Schiffer, Pilger, Reisende, Obsthändler, Gärtner, auch Bauern und Kinder. Zudem gilt er als Helfer gegen den plötzlichen Tod, gegen Pest und Seuchen, gegen Feuer- und Wassergefahren, gegen Dürre und Hagel, ja sogar gegen Augenleiden und Zahnschmerzen. Wen wundert es also, dass er als einer der bekanntesten der 14 Nothelfer angerufen wird?

Fahrzeugsegen und Fresken

Gar mancher Autofahrer hat ein Medaillon des Heiligen an seinen Fahrzeugschlüssel gehängt, oder eine Plakette von ihm ziert das Armaturenbrett. An seinem Namenstag wird mancherorts zur Fahrzeugsegnung eingeladen, doch dabei sollte der Segen eigentlich auf Fahrer samt Insassen herabkommen, weniger auf das Fahrzeug. Auch zahlreiche Organisationen, die mit dem Verkehr zu tun haben, tragen seinen Namen. Zudem gibt es schon seit Jahrhunderten eine St. Christophorus-Bruderschaft mit einer großen Zahl an Mitgliedern, denen auch Vertreter des europäischen Hochadels angehören.

So beliebt der Heilige auch allseits ist, so wenige Kirchen gibt es in unserer Erzdiözese, die dem heiligen Christophorus geweiht sind – ein paar moderne Pfarrzentren mögen hinzugekommen sein. Was jedoch nicht heißen soll, dass nicht an manchen älteren Kirchen, oftmals an der Außenwand, ein mehr oder weniger großes Christophorus-Fresko prangt. Grund hierfür war nach der Überlieferung der Glaube: Wer bereits morgens ein Christophorus-Bild angeschaut hatte, dessen Leben war bis zum Abend geschützt. Deshalb also seine Darstellung in der Öffentlichkeit an Kirchenmauern, Wegkreuzungen und Plätzen.

Christopherus am Kirchturm

Eine besuchenswerte Christophorus-Wallfahrtskirche befindet sich im Ort Sankt Christoph bei Steinhöring im Dekanat Ebersberg. Ihr heutiger Bau aus dem Jahr 1670 versammelt eine Reihe von Darstellungen und Kunstwerken zur Verehrung des Heiligen. Wenn man sich dem Ort von Süden her nähert, grüßt schon von Weitem der Kirchturm, der außen ein auffallendes Christophorus-Gemälde zeigt. Die Jahreszahl weist auf die Anbringung 1678 hin.

Betritt man das Gotteshaus, so richtet sich der Blick sogleich auf den Hochaltar mit einer überlebensgroßen Figur des Heiligen mit dem Jesuskind auf seiner Schulter, flankiert vom heiligen Stephanus mit seinem Attribut, den Steinen, und dem heiligen Laurentius mit seinem Marterwerkzeug, dem Rost. In einer rechten Wandnische des Kirchenschiffes ist auf zwölf Ölbildern die gesamte Vita des heiligen Christophorus veranschaulicht, der um das Jahr 250 nach Christus ebenfalls als Märtyrer gestorben sein soll. Diese zum Teil grausamen Darstellungen stammen ebenfalls aus dem Jahre 1670. An der Nordseite im hinteren Kirchenschiff ziert eine weitere wertvolle Christophorus-Statue den Innenraum der Wallfahrtskirche.

Von hoher geschichtlicher Bedeutung ist ein Grabmal im umgebenden Friedhof, wonach in der Schlacht von Hohenlinden im Jahre 1800 sechshundert französische Soldaten Napoleons fielen und ihre Körper auf dem Friedhof von St. Christoph ihre letzte Ruhe fanden. Auch ein altes Votivbild im Altarraum der Kirche stammt aus jener Zeit. Die Pfarrei Mittbach, etwa sechs Kilometer in nördlicher Richtung entfernt, hat zur Abwendung der kriegerischen Auseinandersetzungen und mit der Bitte um weitere Verschonung von der Kriegsnot eine jährliche Wallfahrt nach Sankt Christoph gelobt. Verlassen wir Sankt Christoph und suchen noch drei weitere bedeutende Christophorus-Darstellungen im Landkreis beziehungsweise Dekanat auf.

Heiliger Christophorus, beschütze die Reisenden

Da wäre zunächst ein sehr schönes Fresko des Heiligen in der Ebersberger Stadtpfarrkirche St. Sebastian zu nennen. Man muss seinen Blick am besten nach einem Gottesdienst, wenn das Abschlussgitter noch offen ist, nach oben an die Westwand des rechten Seitenschiffes richten. Das Fresko zeigt den Heiligen mit dem Jesuskind allerdings nur als Porträt, da im Jahre 1655 darunter ein Rokoko-Balkon mit Ziergitter eingebaut und die Figur gekürzt und übertüncht wurde.

Eine weitere, sehr geschichtsträchtige Christophorus-Darstellung befindet sich in dem kleinen, dem heiligen Leonhard geweihten Filialkirchlein von Haging östlich von Grafing. Hier ist der Heilige in Überlebensgröße mit dem Jesuskind dargestellt. Das Fresko stammt aus der Zeit um 1600, wurde jedoch leider durch eine wenig sachgemäße Restaurierung seiner Originalfassung beraubt. Sehenswert ist die Darstellung dennoch, zumal das Kirchlein noch manch andere kunsthistorische Kostbarkeit birgt.

Schließlich findet man auch im Filialkirchlein zur heiligen Margareta in Haselbach (Patrozinium am 20. Juli) nördlich von Ebersberg eine Christophorus-Darstellung in einem Kirchenfenster von 1498. Der damalige Abt des Klosters Ebersberg, Sebastian Häfele, kniet in der rechten Hälfte des Glasfensters, als würde er Sankt Christophorus gerade anrufen: „Heiliger Christophorus, beschütze die Reisenden und alle, die in Gefahr sind.“ Oder: „Wer St. Christophs Bildnis gläubig angeseh’n, selben Tages hat kein Unglück zu besteh’n“. So steht es auf einem Wallfahrer-Gebetszettel von Sankt Christoph. Warum sollte man den Heiligen nicht auch gerade in unserer Zeit um seine Hilfe anrufen? (Manfred Angerer, freier MK-Mitarbeiter)


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