Ministrant im Porträt Unvergessliches Treffen mit Papst Benedikt

18.08.2018

Alexander Reeh ist trotz einer Behinderung sehr aktiv. Der 30-Jährige schreibt Bücher, reist gern, ministriert und hat sogar Papst Benedikt XVI. getroffen.

Vor zehn Jahren traf Alexander Reeh mit Papst Benedikt XVI. zusammen.
Vor zehn Jahren traf Alexander Reeh mit Papst Benedikt XVI. zusammen. © privat

München – Sucht man im Internet nach „Alexander Reeh“, erzeugen die Ergebnisse beinahe den Eindruck eines Prominenten: Man sieht ihn zwischen Palmen in atemberaubenden Landschaften, mit exotischen Tieren und lässig in den Arm genommen von Fernsehkoch Tim Mälzer.

Aber man findet auch eine andere Seite: Berichte darüber, dass Alexander Reeh aufgrund einer Behinderung – Schuld ist ein Ärztefehler bei seiner Geburt – im Jahr 2001 der Besuch der weiterführenden Schule am Ort versagt wurde. Die Begründung lautete, dass die Schule dem erhöhten Förderbedarf nicht gerecht würde.

Dass Alexander Reeh lesen und schreiben lernte, glich einem Wunder

Dabei glich es aus Sicht der Ärzte einem Wunder, dass der damals 13-Jährige überhaupt lesen und schreiben konnte und die Grundschule erfolgreich abgeschlossen hatte. Im Vorwort zu seiner Autobiographie schreibt Reeh: „Dieses Buch sollte es eigentlich gar nicht geben, denn als ich drei Jahre alt war, haben Ärzte im Kinderzentrum in München meinen Eltern erklärt, dass ich schwer geistig behindert sei und niemals lesen oder schreiben lernen würde.“

Von dieser Vermutung ließ sich Alexanders Mutter Astrid nicht abschrecken. Sie war der festen Überzeugung, dass man dies bei einem so kleinen Kind noch überhaupt nicht vorhersagen könne. Ihr Sohn bekam verschiedene Therapien, unter anderem eine Reittherapie, wodurch sich sein Gleichgewichtssinn verbesserte. Und tatsächlich verlief Alexanders Entwicklung besser, als es die Ärzte prognostiziert hatten – Astrid Reehs Glaube an ihren Sohn zahlte sich aus.

„Kinder sind hilflos, für sie muss man alles tun“, ist sie überzeugt. Sie hätte für jedes Kind gekämpft, das unfair behandelt wird, auch, wenn es nicht ihr eigener Sohn gewesen wäre. Auch nach der abschmetternden Erfahrung zum Thema Schulbesuch ließ sie sich nicht unterkriegen und unterrichtete ihren Sohn zu Hause.

Reisen nach Hawaii, Australien und Neuseeland

So viel Zeit hatte Alexander Reeh dann gar nicht, über die Schwierigkeiten des Lebens nachzudenken: Seit er klein ist, geht er mit seinen Eltern auf Reisen. Schon mit vier Jahren flog er das erste Mal nach Kalifornien. Es folgten unter anderem Reisen nach Hawaii, Australien und Neuseeland. „Ich reise sehr gerne, weil es mir Spaß macht, fremde Länder zu sehen, neue Leute kennenzulernen, die dann manchmal zu guten Freunden werden“, erklärt Alexander Reeh. Außerdem interessieren ihn fremde Kulturen wie zum Beispiel die Tempel in Thailand und das landestypische Essen.

In diesem Jahr waren die Reehs in Australien. Über dieses Land gerät der 30-Jährige ins Schwärmen: „Australien war wie immer sehr schön, es ist ein tolles und abwechslungsreiches Land.“ Fühlt er sich nicht manchmal fremd bei so vielen Reisen? „Um mich zu Hause zu fühlen, brauche ich meine Familie oder gute Freunde und wenn es geht, unsere beiden Möpse“, antwortet er.

Astrid Reeh bestätigt die Reisebegeisterung ihres Sohns. Diese hat er von ihr übernommen – seit dem Abitur habe es sie zu den exotischsten Orten hingezogen. Alexander freue sich mehr darüber, irgendwo hinzufahren als über materielle Dinge. Außerdem würden bei den Reisen auch Werte vermittelt, die ihr persönlich besonders wichtig sind, wie das friedliche Zusammenleben. „Zum Beispiel Singapur ist toll, da leben viele Religionen an einem Ort und das ganze Miteinander ist so friedlich, das müsste es überall geben“, erzählt sie begeistert.

Im Vatikan ministriert und Papst Benedikt XVI. getroffen

Eine ganz besondere Reise ist genau zehn Jahre her und führte noch nicht einmal so weit in die Ferne. 2008 erreichte die Familie nach einigen Mühen und über den Kontakt zum damaligen Münchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, dass Alexander Reeh im Vatikan ministrieren und Papst Benedikt XVI. treffen konnte. Noch heute ist der junge Mann nachhaltig von dieser Begegnung geprägt: „Es ist natürlich ein ganz besonderes Erlebnis, mit dem Papst persönlich zu sprechen. Er hat erst zugehört und sich dann lange mit mir unterhalten“, berichtet er, und ergänzt: „Ich hatte ihm ein Aquarell seiner niederbayerischen Heimat gemalt, über das er sich sehr gefreut hat.

Außerdem fand er es toll, dass ich schon so lange Ministrant bin und auch im Vatikan ministriert hatte. Es war eine ganz besondere Atmosphäre, ein Erlebnis, das man nie vergisst.“

Alexander Reeh malt, kocht und veröffentlicht Bücher

Neben dem Reisen verbringt Alexander Reeh seine Zeit heute vor allem mit dem Malen von Aquarellen – seine Lieblingsmotive sind Tiere, Blumen und Landschaften –, Kochen und Schreiben. Zusätzlich zu seiner Autobiographie „Am liebsten unterwegs“ hat er unter anderem schon ein Buch über Menschen veröffentlicht, die sich eine Auszeit aus ihrem bisherigen Leben nehmen, Bücher über das Reisen sowie ein Kochbuch.

Wie blickt er aktuell auf sein Leben? „Ich bin heute sehr zufrieden, schwierige Momente gibt es eigentlich nicht“, sagt Alexander Reeh. Kommen dennoch einmal herausfordernde Situationen, dann sind es seine Eltern und der Glaube, die ihm Kraft geben. Auch seine Mutter blickt optimistisch in die Zukunft. Dafür wünscht sie ihrem Sohn „viele Menschen an seiner Seite, die sich für ihn einsetzen und für ihn da sind, und dass ihm das Leben weiterhin Spaß macht – so wie jetzt“. (Theresia Lipp)

Bücher von Alexander Reeh sind auch bestellbar bei der Buchhandlung Lesetraum unter Telefon 089/23225-420 oder direkt hier.


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