Impuls von Max Kronawitter Urlaubs-CDs

04.08.2019

Was wir sind oder machen, müssen wir nicht stets in Relation zu anderen setzen, findet Max Kronawitter. Stattdessen könnten wir fragen: Genügt es mir? Ist es gut für mich?

Wenn ich nicht bereits daran denke, dass der nächste Hit viel besser ist, dann macht auch ein mittelmäßiger Song richtig Freude, meint Max Kronawitter.
Wenn ich nicht bereits daran denke, dass der nächste Hit viel besser ist, dann macht auch ein mittelmäßiger Song richtig Freude, meint Max Kronawitter. © Kar Tr – stock.adobe.com

Für manche Anlässe gestalte ich mir eine eigene Musik-CD. Die Urlaubs-CD hat dabei einen besonderen Stellenwert. Sobald wir im vollgepackten Auto in die Ferien aufbrechen, stelle ich sie an. Bei meinen Kindern stößt meine Zusammenstellung zwar nicht immer auf Zustimmung, aber ein-, zweimal am Tag gönnen sie mir den Spaß. Es sind ja meine absoluten Favoriten, die ich da auf den Tonträger gebrannt habe. Im Laufe der Jahre ist mir aufgefallen, dass auch eine Sammlung von Top-Hits nach mehrmaligem Hören ein oder zwei Lieder enthält, die man bei einer erneuten Auswahl wohl weglassen würde. Manche Lieder werden zum Ohrwurm, andere überspringt man schon mal, wenn sie ertönen. Dass Songs, die ich zunächst ausgewählt habe, dann doch nicht so gut ankommen, liegt am Umfeld. Unter den Besten ist es eben schwer, sich zu behaupten.

Würde mir eines der „schwächeren“ Lieder in einer Radiosendung begegnen, würde ich wohl das Gerät lauter stellen. Auf einer „Best of …-CD“ verliert es seinen Reiz. Das Umfeld bestimmt also, wie positiv wir etwas aufnehmen.

Ein Sprichwort bringt es auf den Punkt: Unter Blinden ist der Einäugige König. Der Vergleichsgegenstand entscheidet darüber, was uns groß, was uns klein erscheint, was uns als Wohltat oder aber als Zumutung erscheint. Ein Stück trockenes Brot mag auf einer Berghütte eine Köstlichkeit sein. Wird es bei einem Fest gereicht, ist es eher eine Enttäuschung.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher.
Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

Die arme Witwe ist Spendenkönigin

Wir selbst entscheiden, womit wir etwas vergleichen. Wer sich stets mit dem erfolgsverwöhnten Bekannten mit Porsche und Pool misst, wird zu einem anderen Ergebnis kommen, als jemand, der die Bekannte vor Augen hat, die ihre zweite Chemotherapie erwartet. Womit wir uns vergleichen, davon hängt es ab, ob wir uns glücklich fühlen oder als Verlierer.

Lukas überliefert uns in seinem Evangelium eine Szene, in der eine arme Witwe zwei Kupfermünzen in den Opferkasten wirft. Jesus, der das beobachtet, sagt darauf zu seinen Jüngern, dass diese Frau mehr gegeben hat als all die Reichen vor ihr. Natürlich ist es armselig, was diese Witwe gibt. Wahrscheinlich ein Bruchteil dessen, was die anderen in den Opferstock geworfen haben. Dennoch ist sie für Jesus die Spendenkönigin. Denn er vergleicht nicht mit dem, was die anderen geben oder haben. Für ihn sind die Möglichkeiten der Frau der Maßstab.

Vielleicht wäre das auch für uns ein Schlüssel zum Glück: Was wir sind oder machen, müssen wir nicht stets in Relation zu anderen setzen. Stattdessen könnten wir fragen: Genügt es mir? Ist es gut für mich? Und wenn ich dann feststelle, dass mir mein Polo genauso wertvolle Dienste leistet wie der Porsche dem Bekannten, dann brauche ich gar nicht neidisch zu sein. Das funktioniert sogar bei Liedern. Wenn ich nicht bereits daran denke, dass der nächste Hit viel besser ist, dann macht auch ein mittelmäßiger Song richtig Freude.


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