Papst Franziskus trifft wichtige PersonalentscheidungenPapst Franziskus trifft wichtige Personalentscheidungen Vatikan-Diplomat Parolin wird Nachfolger von Bertone

Nach knapp einem halben Jahr im Amt hat Papst Franziskus nun wichtige Weichenstellungen in der Personalpolitik vorgenommen und einen Nachfolger für den bisweilen umstrittenen Staatssekretär Tarcisio Bertone ernannt. Erzbischof Gänswein wurde im Amt bestätigt.

Pietro Parolin (Fotomontage: SMB)

Papst Franziskus hat den italienischen Vatikan-Diplomaten Pietro Parolin (58) zu seinem neuen Staatssekretär ernannt. Parolin, der bislang Papst-Botschafter in Venezuela und zuvor vatikanischer Vize-Außenminister war, tritt zum 15. Oktober die Nachfolge von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (78) an, dessen Rücktritt der Papst inzwischen ebenfalls angenommen hat. Außerdem hat der Papst wichtige Mitarbeiter der Kurie, darunter auch Erzbischof Georg Gänswein, in deren Ämtern bestätigt.

Als engster Mitarbeiter des Papstes ist Parolin künftig für die Leitung von dessen zentralem Sekretariat, für die Koordination der Kurie sowie für die vatikanische Diplomatie zuständig. Bei nächster Gelegenheit dürfte er die Kardinalswürde erhalten. Die bislang wichtigste Personalentscheidung des Papstes war mit Spannung erwartet worden. In der siebenjährigen Amtszeit Bertones war es wiederholt zu Komplikationen aufgrund ungenügender Koordination gekommen.

Parolin, dessen Ernennung aufgrund seines jungen Alters etwas überraschend kam, zählt zu den profiliertesten Diplomaten des Heiligen Stuhls. Als Vizeaußenminister hatte er zwischen 2002 und 2009 maßgeblich die Politik des Heiligen Stuhls mitgeprägt. Er war vatikanischer Verhandlungsführer in den Gesprächen mit Israel sowie mit Vietnam. Zudem suchte er unter Benedikt XI. Kontakte zu politischen Stellen in Peking. Parolin, der mit seiner Berufung zum Nuntius 2009 zugleich zum Erzbischof ernannt wurde, gilt an der vatikanischen Kurie als sehr gut vernetzt. Neben seiner italienischen Muttersprache beherrscht er Französisch, Englisch und Spanisch.

Der neue Staatssekretär wurde am 17. Januar 1955 in Schiavon in der norditalienischen Provinz Vicenza geboren. Nach der Priesterweihe 1980 wirkte er zunächst in der Gemeindeseelsorge seines Bistums Vicenza. 1984 begann er Ausbildung an der päpstlichen Diplomatenakademie in Rom, promovierte im Kirchenrecht und trat 1986 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Auslandstationen waren Nigeria und Mexiko. 2009 war er mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Er setze sich "unermüdlich und erfolgreich" für die deutsch-vatikanischen Beziehungen ein, hieß es in der Begründung.

Papst Franziskus hat bei diesen Personalentscheidungen auch wichtige Kurienvertreter, darunter den deutschen Erzbischof Georg Gänswein, in ihren Ämtern bestätigt. Dazu gehören Innenminister Giovanni Angelo Becciu, Außenminister Dominique Mamberti sowie deren Vize-Minister Peter Wells und Antoine Camilleri. Gänswein ist weiterhin Präfekt des Päpstlichen Hauses. Papst Franziskus hatte nach seiner Wahl die führenden Vertreter der Kurie zunächst nur provisorisch in ihre bisherigen Ämter eingesetzt und um Fortsetzung ihrer Aufgaben "bis auf weiteres" gebeten. (kna)

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