Bistum Eichstätt Vatikan: Keine eigenen Ermittlungen im Eichstätter Finanzskandal

16.05.2018

Die Antwort aus Rom ist für die 18 Katholiken, die Anzeige gegen Bischof Gregor Maria Hanke gestellt haben, nicht zufriedenstellend. Sie haben einen weiteren Brief aufgesetzt.

Blick auf den Petersdom
Blick auf den Petersdom © imago © imago

Eichstätt/Vatikanstadt – Der Vatikan will derzeit den Eichstätter Finanzskandal nicht selbst untersuchen. Das geht aus einem Schreiben der Kleruskongregation hervor, dessen Eingang die Diözese Eichstätt am Dienstag auf Anfrage bestätigte. Damit reagierte der Vatikan auf eine Anzeige von 18 Katholiken gegen Bischof Gregor Maria Hanke. Es sei genau der Fall eingetreten, von dem man ausgegangen sei, sagte ein Bistumssprecher. Rom warte die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen ab. Zuerst hatte der "Donaukurier" (Mittwoch) aus Ingolstadt vorab darüber berichtet.

Unabhängige Untersuchung gefordert

Der Brief des Sekretärs der Kleruskongregation, Erzbischof Joel Mercier, ging an Walter Hürter. Er ist einer der Beschwerdeführer. In dem Schreiben verweist Mercier darauf, dass der Fall vor Gericht in München geprüft werde. "Die Ergebnisse der prozessualen Nachforschung und der gerichtlichen Entscheidung werden eingehend studiert werden." Die Anzeige gegen Hanke wurde im März gestellt. Vorgeworfen werden ihm schwerwiegende Verletzungen seiner Amtspflichten.

Die Antwort aus Rom sei "für uns und die kirchliche Öffentlichkeit in keiner Weise zufriedenstellend", heißt es in einem erneuten Brief von Hürter an die Kongregation. Bei den staatsanwaltlichen Ermittlungen gehe es offensichtlich um einen erheblich geringeren Vermögensschaden als jenen, der vom Bistum mit etwa 50 Millionen US-Dollar beziffert werde. Sowohl Hanke als auch der damalige Finanzdirektor und Domdekan Willibald Harrer trügen die Hauptverantwortung für "die durch spekulative Geldanlagen eingetretenen horrenden Verluste". Daher sei eine unabhängige Untersuchung dringend geboten.

Untreue und Bestechung

Das Bistum Eichstätt hatte den Finanzskandal im Februar selbst öffentlich gemacht; bereits im Sommer 2017 hatte Hanke Strafanzeige gestellt. Der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor und ein weiterer Beschuldigter sollen rund 60 Millionen US-Dollar in großteils unbesicherten Krediten zu Projekten auf dem US-Immobilienmarkt angelegt haben.

Beide wurden Ende Januar verhaftet. Ihnen wird Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen. Mittlerweile ist der Haftbefehl gegen den ehemaligen Mitarbeiter der Diözese außer Vollzug gesetzt worden. Laut Staatsanwaltschaft legten sie Teilgeständnisse ab.

Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von einem gesicherten Vermögensschaden für das Bistum von mindestens rund einer Million Dollar (840.000 Euro) aus. Dieser sei durch Bestechungszahlungen entstanden. Womöglich falle der tatsächliche Schaden noch höher aus. Die Anwälte des Bistums befürchten, dass er im zweistelligen Millionenbereich liegen wird. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Blick auf den Eichstätter Dom
© pde

Bistum Eichstätt Beschuldigte im Finanzskandal teilgeständig

Möglicherweise ist der Schaden im Eichstätter Finanzskandal geringer als gedacht.

09.05.2018

"Am Golde hängt doch alles", heißt es schon in Goethes "Faust". Allerdings sollten die Finanzen transparent sein.
© Fotolia/Grecaud Paul

Skandal überschattet Bischofskonferenz Kirchenfinanzen brauchen Transparenz

Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung werden die Deutschen Bischöfe nicht nur ihre Tagesordnung, sondern auch das Finanzgebaren der Bistümer durcharbeiten müssen.

19.02.2018

Blick auf den Eichstätter Dom
© pde

Finanzskandal im Bistum Eichstätt Bischofsberater sieht Versäumnisse auch bei Kirche

Ein Finanzskandal erschüttert aktuell das Bistum Eichstätt, ein ehemaliger Mitarbeiter sitzt in Untersuchungshaft. Im Raum steht ein Schaden bis zu einer Höhe von knapp 50 Millionen Euro. Am Dienstag...

06.02.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren