200 Jahre Erzbistum München und Freising Veränderungen gehören zur Geschichte

20.02.2021

Die Erzdiözese begeht heuer ihr 200-jähriges Bestehen. Das Jubiläumsjahr startet mit einer Online-Ausstellung, weitere Höhepunkte sollen - je nach Lage der Corona-Pandemie - folgen.

Mariensäule vor dem Münchner Liebfrauendom
Wahrzeichen des Erzbistums: Mariensäule vor dem Münchner Liebfrauendom © imago images/imagebroker

München - Die Erzdiözese München und Freising gedenkt heuer der 1821 erfolgten Neuordnung der bayerischen (Erz-)Bistümer nach der Säkularisation von 1803 und begeht damit ihr 200-jähriges Bestehen. Das Bistum Freising wurde damals zum Erzbistum München und Freising und veränderte sich so weitreichend in seiner geographischen Ausdehnung und organisatorischen Struktur.

Den Auftakt des Jubiläums bildet eine innovative Online-Ausstellung zum geschichtlichen Hintergrund, die im Internet besucht werden kann. Im Laufe des Jahres sind weitere (Online-)Veranstaltungen und Gottesdienste geplant (siehe Kasten unten).

Online-Ausstellung

Die digitale Ausstellung „Vom Bistum Freising zum Erzbistum München und Freising. Das Bayerische Konkordat von 1817 und seine Umsetzung 1821“, konzipiert von Archiv und Bibliothek des Erzbistums, bietet anhand von 52 Objekten Einblick in die Kirchengeschichte. Darunter befinden sich Dokumente, die erstmals zu sehen sind – so die Ernennungsurkunde für den ersten Erzbischof von München und Freising, Lothar Anselm von Gebsattel. Eine erst kürzlich im Archiv der Erzdiözese Salzburg entdeckte Karte zeigt die früheren salzburgischen Zuständigkeiten auf bayerischem Territorium.

Für die Online-Ausstellung wurde das seit Juli 2019 bestehende Digitale Archiv des Erzbistums um einige Funktionalitäten erweitert. Insbesondere kann bei handschriftlichen Dokumenten parallel zur Reproduktion eine buchstaben- und zeilengetreue Umschrift angezeigt werden. Die Programmierung dieser neuen Funktion wurde gefördert mit Mitteln des Programms „WissensWandel“, das Bibliotheken und Archive bei ihrer digitalen Weiterentwicklung unterstützt und Teil des Rettungs- und Zukunftsprogramms „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ist. In Kooperation mit dem Metropolitankapitel München und dem Diözesanmuseum Freising sind in der Ausstellung überdies ausgewählte Kunstwerke in digitaler Reproduktion zu finden, darunter das goldene Kapitelkreuz des Domdekans.

Aufgrund der Pandemie-Lage kann es zu kurzfristigen Änderungen bei den Veranstaltungen kommen. Näheres zum Programm sowie die genauen Termine und wo nötig die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie, sobald bekannt, auf der Internetseite des Erzbistums.

Lied von damals eingesungen

Auch multimediale Elemente gibt es zu entdecken, beispielsweise das Lied, das die Münchner Schuljugend 1821 zur Amtseinführung des ersten Erzbischofs von München und Freising sang. Dieses hat das Vokalensemble der Jungen Domkantorei München unter Leitung von Domkantor Benedikt Celler eigens für die Ausstellung aufgenommen.

„Veränderungen gehören zur Kirchengeschichte“, betont Armin Wouters, Leiter der Vorbereitungsgruppe für das Jubiläum sowie des Ressorts Strategie und Grundsatzfragen im Erzbischöflichen Ordinariat München. „Dies haben die Menschen vor 200 Jahren einschneidend erfahren, brach doch mit der Säkularisation eine fast tausendjährige Organisation kirchlichen Lebens in Bayern zusammen“, so Wouters.

Wandel als Anregung

Mit Blick auf die Zukunft sieht Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese, Wandel als Anregung, denn „auch heute müssen wir uns mit unserer Struktur und den Schwerpunkten unseres kirchlichen Handelns kritisch auseinandersetzen. Der Blick zurück kann uns daher ermutigen, sich, wie die Menschen damals, aktiv Veränderungen zu stellen und im Kontext unserer Zeit das Leben und die Gesellschaft mitzugestalten“. Klingan sieht einen konkreten Ansatzpunkt dafür im 2020 gestarteten Gesamtstrategieprozess, mit dem die Erzdiözese eine Basis schaffen möchte, um ihre Arbeit langfristig wirksam auszurichten. Gegen Ende dieses Jubiläumsjahres solle es hier erste Ergebnisse geben. (ja)

Das Programm des Jubiläumsjahres

Folgende weitere Veranstaltungen zu „200 Jahre Erzbistum München und Freising 1821–2021“ sind geplant: Von Donnerstag, 22. April, bis Freitag, 23. April, soll nach aktuellem Stand in der Münchner Pfarrei St Bonifaz (Karlstraße 34) eine wissenschaftliche Tagung zum Thema stattfinden. Veranstaltet wird sie vom Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München in Zusammenarbeit mit dem Verein für Diözesangeschichte von München und Freising, dem Archiv und der Bibliothek des Erzbistums sowie der Domberg-Akademie. Ziel der Tagung ist ein neuer Blick auf diese jüngste Epoche der Bistumsgeschichte unter Einbeziehung von teils erst seit Kurzem zugänglichen Quellenbeständen. Eine besondere Bedeutung kommt im Jubiläumsjahr dem Münchner Liebfrauendom zu, der mit der Strukturreform von 1821 zur Kathedrale erhoben wurde. Neben dem Erscheinen eines eigenen Magazins sowie einer neuen Führungslinie mit dem Titel „Dom- und Metropolitankirche. 200 Jahre Münchner Dom“ soll im Mai eine Ausstellung in der Domkrypta starten und mit Fokus auf das Jubiläumsjahr Informationen und Exponate bieten rund um den Münchner Dom, seine Bedeutung im kirchlichen Fest- und Jahreskreis sowie zu den Menschen, die dort damals wie heute wirkten und wirken. „Kreuz und quer durchs Erzbistum“ möchte sich, wenn es die Pandemie-Lage zulässt, im Frühsommer die Domberg-Akademie in Kooperation mit örtlichen kirchlichen Einrichtungen wie Pfarreien, Bildungswerken und Schulen auf den Weg machen. Mit Gesprächsund Zuhörformaten – etwa thematischen Spaziergängen unter dem Motto „Walk & Talk“ oder Treffen bei „Kirche im Café“ – will sie Menschen im Erzbistum zu einem Austausch darüber einladen, was sie mit Blick auf ihren Glauben und die Kirche bewegt. Zum Abschluss des Jubiläums feiert Kardinal Reinhard Marx, am Sonntag, 26. September, um 17 Uhr einen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom. Dazu eingeladen werden auch Vertreter der Erzdiözese Salzburg. (pm)

Podcast-Tipp

12 Momente aus 200 Jahren Dieser Podcast erzählt 2021 monatlich von Menschen, Orten und Dingen aus der Geschichte des Erzbistums München und Freising, das 1821 errichtet wurde. Im Münchner Dom erinnert noch eine Marmortafel mit goldenem Schriftzug an die Neuordnung der bayerischen Bistümer. 1821 wurde sie vollzogen. Nirgendwo führte sie zu so umwälzenden Veränderungen wie in Oberbayern, die heute noch fortwirken. Ein Podcast über Zollschranken gleich hinter der Münchner Stadtgrenze, der Suche nach einer neuen Kathedrale, starke Katholikinnen und Bauboom in den 1950er Jahren. > zur Sendung

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