Viecherlmesse“ in St. Maximilian Verantwortungsbewusstsein statt Event

03.07.2016

Hunden, Katzen oder sogar ein Papagei in der Kirche? Kaum vorstellbar, aber wahr. Bei der "Viecherlmesse" werden die Gottesdienstbesucher explizit ermuntert, ihre Haustiere mitzunehmen. Ein tierisches Spektakel – ein Kommentar dazu von Pfarrer Rainer Schießler.

Pfarrer Rainer Schießler leitet die Pfarreien St. Maximilian und Heilig Geist in München.

Man hört Hundegebell und Katzen in ihren Boxen scharren, vielleicht einen Papagei rufen und sieht vor allem unzählige stolze Tierbesitzer von klein bis groß. Tiersegnungen kennt das liturgische Brauchtum schon seit Jahrhunderten, aber warum ist die „Viecherlmesse“ in St. Maximilian immer am ersten Juli-Sonntag als eine gemeinsame Eucharistiefeier der Menschen im Beisein ihrer Haustiere so attraktiv?

Die Gottesdienstteilnehmer zeigen, wie sehr sie sich für das Tier und die Schöpfung überhaupt verantwortlich fühlen. Es sei ein Skandal, dass es einen solchen Begriff wie „Tierschutz“ überhaupt bräuchte, meinte einmal der berühmte Urwalddoktor Albert Schweitzer. Wieso muss etwas geschützt werden vor uns Menschen, das dasselbe Lebensrecht besitzt wie wir? Die Viecherlmesse ist ein Bekenntnis, dass sich Christen niemals der Gewalt auch gegenüber der Schöpfung beugen werden.

Dazu dienen ihnen die vielfältigen biblischen Zeugnisse angefangen beim „Gärtnerauftrag“ aus dem Buch Genesis (Gen 1, 28), der bis heute fataler Weise als Freibrief zur Zerstörung missverstanden wird. „Beherrschen“ aber kann doch nur als „liebende Sorge“ und „hegendes Bewahren“ verstanden werden (Gen 1, 15). Mensch und Tier teilen das gleiche Schicksal, denn beide verdanken gleichermaßen Gott ihr Leben – der Mensch hat dem Tier diesbezüglich nichts voraus (Koh 3, 18-21). Selbst die Sabbatruhe, die gleichermaßen für Mensch und Tier gilt (Ex 20, 10) ist bereits eine Tierschutzverordnung!

So verlangt Gott unsere uneingeschränkte Rücksichtnahme gegenüber dem Schwächeren. Seine Gerechtigkeit ist allein die Liebe und sie fügt keinem anderen etwas Böses zu (Röm 13, 10), erinnert uns der Apostel
Paulus.

Die Botschaft vom Reich Gottes des Jesus von Nazareth, das ja „inwendig“ in jedem Menschen bereits da ist (Lk 17, 21), ist auch der Grund, dass wir unsere Verantwortung für die Tiere gemeinsam mit ihnen in einer Eucharistiefeier zum Ausdruck bringen.


Das könnte Sie auch interessieren

Die schwarzen Australorps sind eine seltene, aber fleißige Hühnerrasse.
© fotolia/guentermanaus

Kirche und Tiere Der Hühnerpfarrer von Hohenkammer

Seit seiner Kindheit begeistert sich Johannes Thiele für Federvieh. Auch im Ruhestand hält sich der Pfarrer noch Hühner. Sogar „gackernde Messdiener“ leben in seinem Garten.

07.10.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren