Sommerrätsel der Münchner Kirchenzeitung Verheerendes Verbrechen

21.07.2019

In der zweiten Folge des Sommerätsels der Münchner Kirchenzeitung (MK) geht es um eine Kapelle im Dachauer Land, die heute nicht mehr existiert

Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an das Gotteshaus © Heigl

Glauben Sie mir, ich würde lieber eine schöne Geschichte erzählen. Eine, die davon handelt, dass ein wundervolles Ereignis – vielleicht die Beendigung eines Krieges, das Besiegen einer Krankheit oder das Zusammenfinden zweier Liebenden – der Grund gewesen ist, eine Kapelle zu errichten. Wenn also Freude und Dankbarkeit der Ursprung gewesen wären, um ein Gebäude zu stiften zum Glück für die Menschen und zur Ehre Gottes. Leider liegt der Fall hier ganz und gar anders, und so ist es mir nicht vergönnt, in romantischen Erinnerungen zu schwelgen. Vielmehr bin ich gezwungen, über Grausamkeiten zu berichten, die ich Ihnen zumuten muss und für die ich mich gleich von vornherein entschuldigen möchte.

Bringen wir es also hinter uns und blicken gemeinsam etwa 900 Jahre zurück, genauer gesagt in das Jahr 1120. Damals hat sich in der Dachauer Gegend ein Verbrechen ereignet, und als wäre die Tat an sich nicht schon grauenvoll genug gewesen, waren es insbesondere die makabren Begleitumstände, die einem bis heute einen Schauer über den Rücken jagen.

Hund lief mit abgehackter Hand nach Hause

Damals, so wird berichtet, lebte Gräfin Beatrix von Reipersberg mit ihren vier bereits erwachsenen Söhnen in Dachau. Einer der vier, nämlich Arnold (oder Arnulf) II, hatte sich eines Tages, wie so oft, wieder gemeinsam mit seinem Hund auf den Weg zur Jagd im angrenzenden Wald gemacht. Hier muss es dann, gemäß den Aufzeichnungen des Propstes des Klosters Indersdorf, Gelasius Moorhart, zu einer verheerenden Mordtat gekommen sein. Laut Moorhart sei der junge Mann „von denen Mörderen überfallen, und nach abgehaut rechten Hand grausam umgebracht worden in der Gegend, wo dermahlen das Churfürstliche Lust-Schloß Schleißheim bstehet“. Einziger Zeuge dieser Tat dürfte der Hund des Opfers gewesen sein, der daraufhin mit der abgehackten Hand im Maul nach Hause gelaufen sein soll, wo er sie der Gräfin vor die Füße legte. Diese Information ist bedauerlicherweise unabdingbar, um das Rätsel, um das es hier ja geht, lösen zu können. Andernfalls hätte ich wirklich nur zu gerne darauf verzichtet, Ihnen dermaßen unappetitliche Details aufzutischen.

Wie dem nun auch sei, jedenfalls hat jene zutiefst zu bedauernde Gräfin, deren Leid man sich kaum vorstellen mag, als sie an dem abgetrennten Körperteil den Ring ihres Sohnes zweifelsfrei erkannte, dessen Tod zur Kenntnis nehmen müssen. Statt nun allerdings, was durchaus nachvollziehbar gewesen wäre, angesichts dieses Schicksalsschlags vom Glauben abzufallen, ließ die trauernde Mutter an der Stelle des Mordes eine Kapelle errichten. Auf diese Weise wollte die Stifterin für das Seelenheil ihres auf so grausame Weise ums Leben gekommenen Sohnes ein gutes Werk vollbringen. Aber nicht genug damit: Beatrix von Reipersberg stattet das Kirchlein auch noch mit einem Waldstück als Zugabe aus und vermachte alles zusammen dem gerade frisch gegründeten Kloster Indersdorf.

1802 wurde die Kapelle abgerissen

Leider ist die Kapelle der Säkularisation zum Opfer gefallen: 1802 wurde sie abgerissen. Die Steine wurden für den Bau einer Brücke über die Würm verwendet. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an der Straße zwischen München und Dachau, genauer gesagt im Karlsfelder Ortsteil Rothschwaige an das einstige Gotteshaus, das zu Ehren des Apostels geweiht wurde, der als Patron der Pilger und Reisenden gilt.

Übrigens: Der oder die Mörder des Grafen Arnold II. wurden nie gefasst.

Wem war die gesuchte Kapelle in der Rothschwaige geweiht?

Die Sommerzeit ist auch in diesem Jahr Rätselzeit in der Münchner Kirchenzeitung (MK). Heuer stellen wir Ihnen Kirchen und Kapellen im Erzbistum vor, um die sich so manche gruselige Begebenheit rankt. In insgesamt sechs Rätsel-Folgen werden wir Ihnen Sagen und Legenden rund um Gotteshäuser erzählen. Wer miträtselt, kann wie immer schöne Preise gewinnen. Pro Folge verlosen wir unser neues Dual-DAB+-Radio mit Münchner Kirchenradio (MKR)-Knopf sowie je einen Büchergutschein im Wert von 50 Euro und von 25 Euro für unsere Buchhandlung Michaelsbund. Außerdem gibt es viele weitere schöne Preise zu gewinnen. Am Ende wird aus allen richtigen Einsendungen der Hauptgewinn gezogen. Für den Glücklichen und eine Begleitperson spendiert unser bewährter Rätsel-Partner, das Bayerische Pilgerbüro (bp), eine viertägige Flugreise nach Lourdes.

Bitte schicken Sie die richtige Lösung an folgende Adresse:
Münchner Kirchenzeitung
Sommerrätsel
80326 München
Oder per E-Mail: redaktion@muenchner-kirchenzeitung.de
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Der Einsendeschluss für die erste Folge ist Donnerstag, 1. August (Poststempel).

Die Autorin
Susanne Holzapfel
Münchner Kirchenzeitung
s.holzapfel@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Thema Sommerrätsel

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